40 Jahre Freie Waldorfschule Filstal

Große Worte, herzliche Glückwünsche, feine Geschenke.

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Kommt sie, kommt sie nicht die 10. Klasse der Freien Waldorfschule Filstal (FWS) ist jetzt schon gespannt, ob die CDU-Landtagsabgeordnete und staatlich geprüfte Skilehrerin Nicole Razavi ihr Versprechen wahrmachen kann und im nächsten Jahr beim Skischullandheim im Tannheimer Tal ein paar Tage vorbeikommt. Zeugen für das spontane und sympathische Geschenk zum 40-Jahr-Jubiläum der FWS gibt es genug, denn der große Saal war mit 500 Gästen der großen Geburtstagsfeier bis auf den letzten Platz gefüllt. Im September 1972 startete die FWS unter schwierigen Bedingungen in Auendorf mit 43 Kindern, der Pioniergeist der Gründerzeit führte schließlich auf den Haier in Faurndau, wo zum Schuljahr 1978/79 ein neu errichtetes Gebäude im typischen Waldorfstil bezogen werden konnte, die Schülerzahl stieg auf heute 480 Schülerinnen und Schüler. Ein Hort weltabgewandter Träumer, das ist die Freie Waldorfschule Filstal ganz und gar nicht, sie ist eine gewichtige Alternative in der Schullandschaft der Stadt und der Region, das betonten die geladenen Gäste aus Verwaltung und Politik verschiedenster Couleur gerne in ihren Glückwünschen. Gerade die ganzheitliche Betrachtung des jungen Menschen, das künstlerisch-handwerkliche Profil, die Selbstverwaltung und das außerordentlich starke Engagement der Eltern wurden hervorgehoben. Hans-Jörg Polzer vom Staatlichen Schulamt Göppingen konnte feststellen, dass Impulse verstärkt aus der Waldorfschulpädagogik in die Staatsschulen einfließen und empfahl gleichzeitig, auch Impulse von dort aufzunehmen nach dem Motto „Gespräche statt Verdächtigungen“.

Wie eine im wahrsten Sinne des Wortes harmonische Zusammenarbeit zwischen Waldorf- und Staatsschule aussieht, zeigte der musikalische Auftakt der Festveranstaltung, bei dem das Orchester des Hohenstaufen-Gymnasiums half, Händels Ouvertüre aus der Feuerwerksmusik zu einem strahlenden Ereignis zu machen. Verschiedene Klassen zeigten zwischen den Reden ihr breit gefächertes Können Schülerinnen der Oberstufe intonierten Schumann-Duette, die Klasse 7 rezitierte Goethes Ballade „Der Zauberlehrling“, die Klasse 3 zeigte mit einem englischen Lied ihre Fremdsprachenkenntnisse, dann ging es mit einem griechischen Volkstanz der Klasse 6 weiter. Nach einem Sketch, in dem ein nervlich angeschlagener Herr F. W. S. Filstal seiner Psychotherapeutin über schwierige Kindheits- und Jugenderinnerungen berichtete (und Erlösung fand), konnte die zweite Klasse ihre aufregende Geschichte von „Noll, der Troll vom Rumpelberg“ darbieten, die Klasse 5 rundete das Programm mit einem Leier-Konzert ab. Zum Schluss überbrachte die befreundete Waldorfschule aus dem elsässischen Colmar ein Geschenk feinster Qualität: Der Oberstufenchor bot einen begeisternden Querschnitt durch verschiedene Kulturen und Kontinente.

Der Übergang von Festakt zu Geburtstagsparty und Tanz am Abend war fließend; viele ehemalige Schüler und Lehrer trafen sich im Café, plauderten bei Häppchen in den Gängen und genossen die ausgestellten künstlerischen Arbeiten. Viele sahen sich einen Dokumentarfilm an, in dem sich die Gründerfamilien an die Anfänge erinnerten und Schüler, die vor Jahren und Jahrzehnten an der Freien Waldorfschule ihren Abschluss gemacht hatten, ihre ganz persönliche Sicht der Dinge darlegten. WOW Waldorf one World hieß es bei der Luftballonaktion der 9. Klasse, deren Erlös einer Waldorfschule in Peru zugute kommt. In der Turnhalle dann bis in die späten Abendstunden galante Tanzatmosphäre inklusive Polonaise mit der Martin-Straub-Tanzkapelle, während in der Aula das Trio Orangefuel und die (Nicht-)Jazzband Mayer mit Pop, Rock und Hiphop für Bewegung sorgten: „ . . . jetzt geht mal wieder tanzen und steht nicht rum wie die Topfpflanzen . . .“ so jung können Vierzigjährige sein.

Andreas Müller

Foto:

Festakt und Feier

Foto: © Petrulla Kirkou