Heilpädagogik in Rumänien

Zwanzig Jahre harte Arbeit

Zuerst das öffentliche Interesse

Nach dem Mauerfall und der Öffnung stand in Rumänien 1990 die Frage nach der individuellen menschlichen Würde im Vordergrund. In dieser Zeit traten vor allem durch die Berichterstattungen der ausländischen Presse, die Lebensbedingungen der Kinder und Erwachsenen mit Behinderung und der unmenschliche Umgang in den Wohnheimen an die Außenwelt.

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Neue Impulse eines Pioneers

Durch den Impuls von Hans Spalinger, der viele heilpädagogische Impulse in Schweizer Lebensgemeinschaften brachte, kam die Heilpädagogik nach Rumänien. Gemeinsam mit dem Unterstützerkreis entschied er sich noch mit über 70 Jahren dazu, die öffentliche Haltung gegenüber behinderten Menschen in Rumänien zu ändern. Er wollte aber nicht nur ein neues öffentliches Bild schaffen, sondern auch die notwendigen Schritte gehen. Es galt ein Lebensort zu schaffen, der anders war als das, was man bisher kannte, einen Ort, an dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderungen in Würde leben können.

Unverständnis von staatlichen Behörden

Zu Beginn galt es sich mit den Behörden auseinanderzusetzen. „Das kann nicht aufgebaut werden. Solche Einrichtungen existieren ja gar nicht.“ Das waren die Antworten, die der Gründerkreis von den staatlichen Behörden erhielt.

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Erfolge

Doch nach zwanzig Jahren existiert heute eine rege heilpädagogische Arbeit in Rumänien, die als alternatives staatliches Erziehungsmodell anerkannt wurde. Die heilpädagogischen Einrichtungen arbeiten unter einer offiziellen Lizenz, wirtschaften nachhaltig, werden staatlich gefördert und einige arbeiten sogar in eigenen Gebäuden. Und sie haben ein eigenes Curriculum entwickelt, das vom Ministerium anerkannt wurde.

Adrian Pintea

Adrian Pintea, Gründungsdirektor der ersten heilpädagogischen Einrichtung in Simeria. Er blickt heute auf die Arbeit der Pioniere zurück, die sich selbstlos für eine sinnvolle Sache eingesetzt haben und nun sagen können: in der Tat, es hat sich gelohnt. Im Moment arbeitet er als behördlicher Leiter für soziale Dienste in Simeria, mit Fokus auf Menschen mit Behinderung. Und nach wie vor ist er in der Vereinigung für Heilpädagogik ehrenamtlich aktiv.

Quelle: Rundbrief – Frühjahr 2012, Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners

Fotos: © Freunde der Erziehungskunst