Podiumsdiskussionen

Neues ökonomisches Denken jenseits von Markt und Staat

Wie lässt sich Wirtschaft gemeinschaftlich gestalten? Wie kann Bildung dazu befähigen, eine Sprache für diese Gestaltungskräfte zu finden? Wie kann sie die kritische Auseinandersetzung mit dem vorherrschenden ökonomischen Denken befördern? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigen sich vom 15. bis zum 23. September die Teilnehmer der ökonomisch philosophischen Herbstakademie an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn und am Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn. Unter dem Titel „Die Ökonomien des Gemeinsamen – Neue Orte ökonomischer Bildung“ kommen 70 Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich und rund 20 Dozenten aus Forschung, Politik und Praxis darunter Laureaten des „Alternativen Nobelpreises“ zu einer Denk-Werkstatt zusammen. Bei abendlichen Podiumsdiskussionen werden die Ergebnisse der interessierten Öffentlichkeit präsentiert und zum Meinungsaustausch eingeladen.

In der Podiumsdiskussion „Bildung Opfer oder Widerpart von Ökonomismus und Entwurzelung?“ am Montag, den 17. September an der Alanus Hochschule erläutern die Referenten die Unterordnung der Bildung unter die Ökonomie und entwickeln gemeinsam mit Publikum und Studierenden Ansätze, um die ökonomische Fremdbestimmung zu artikulieren und zu kritisieren. Am Dienstag, den 18. September diskutieren Experten und Publikum an der Alanus Hochschule zum Thema „Wider die Marktgläubigkeit: Ökonomie neu denken lernen“. Dabei wird die Tendenz der Wirtschaftwissenschaft kritisiert, menschliches Zusammenleben als Tauschgeschäft zu betrachten und nach alternativen Ansätzen für gemeinschaftliches Wirtschaften gesucht. Die drittePodiumsdiskussion findet am Freitag, den 21. September im Universitätsclub Bonn statt. Die Laureaten des „Alternativen Nobelpreises“ Helena Norberg Hodge und Sulak Sivaraksa sowie andere Experten sprechen unter dem Titel „Beyond the Market and the State: How to Restore and Develop the Commons“. Die Referenten berichten, wie sie gemeinschaftlich schöpferisches Wirtschaften inmitten der zeitgenössischen Geldökonomie gestalten. Darüber hinaus diskutieren sie, wie Bildung dazu beitragen kann, dass Menschen ihr wirtschaftliches Zusammenleben gemeinsam gestalten.

Silja Graupe, Juniorprofessorin für Philosophie und Wirtschaft an der Alanus Hochschule, hat die Herbstakademie gemeinsam mit ihrem Kollegen Steffen Koolmann, Professor für Ökonomie und Gesellschaft, ins Leben gerufen. Graupe erläutert den Bedarf und das Ziel der Veranstaltung: „Der ökonomische Mainstream verleitet dazu, die kulturelle, gesellschaftliche und ökologische Einbettung der Wirtschaft aus dem Blick zu verlieren. In der Herbstakademie möchten wir diese Begrenzungen erkennen und überwinden, um neue Wege in der ökonomischen Bildung aufzuzeigen.“ Man wolle eine Sprache finden, die den Wert sozialer Alternativen für die Wirtschaft jenseits von Markt und Staat zum Ausdruck bringt. „Darüber hinaus sollen die Teilnehmer zur fundierten Kritik an der Ökonomie und dem ökonomisierten Bildungssystem befähigt werden“, betont Graupe.

Um nicht nur thematisch neue Akzente zu setzen, sondern auch alternative Wege in der akademischen Lehre aufzuzeigen, wird bei der Herbstakademie Wissen nicht abstrakt vermittelt, sondern auf Lern und Änderungsprozesse durch Dialog und Erfahrungsaustausch gesetzt. Bei den Podiumsdiskussionen nehmen daher neben den renommierten Experten auch die teilnehmenden Studenten auf der Bühne Platz. Somit werden Eindrücke über neue Formen akademischer Bildung aus erster Hand vermittelt.

Die Herbstakademie ist offizielles Dekade Projekt der Weltdekade der Vereinten Nationen „Bildung für nachhaltige Entwicklung“.

Dr. Julia Wedel

Montag, 17. September, 19.30-21 Uhr, Bildung – Opfer oder Widerpart von Ökonomismus und Entwurzelung? Mit Prof. Dr. Jochen Krautz, Dr. Matthias Burchardt u.a. Ort: Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Campus II, Foyer, Villestraße 3, 53347 Alfter/Bonn

Dienstag, 18. September, 19.30 - 21 Uhr, Wider die Marktgläubigkeit: Ökonomie neu denken lernen. Mit Prof. Dr. Karl Heinz Brodbeck, Prof. Dr. Walter Ötsch, Dr. Ulrich Thielemann u.a. Ort: Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Campus II.

Freitag, 21. September, 19.30 -21 Uhr, Beyond the Market and the State: How to Restore and Develop the Commons. Mit den Laureaten des Alternativen Nobelpreises Helena Norberg Hodge und Sulak Sivaraksa, Prof. Dr. Marcelo da Veiga u.a

Ort: Universitätsclub Bonn, Konviktstr. 9, 53113 Bonn.

Kosten: Eintritt frei.