Elternhaus und Kita

Gemeinsam den Grundstein legen

n den Kita-Jahren werden Verhaltensweisen und Vorlieben für Ernährung, Bewegung und Entspannung geprägt.

Mit dem Eintritt in die Kita teilen Eltern die Verantwortung für den gesunden Lebensstil ihres Kindes. Sie können jetzt nicht mehr alleine entscheiden, wie und wann sich ihr Kind bewegen sollte und was es zu welchen Zeiten isst und trinkt. Umso wichtiger ist es daher, dass Kita und Elternhaus Hand in Hand arbeiten, um die Kinder an einen gesunden Lebensstil heranzuführen.

Gesundheit ist die Basis, auf der alle Entwicklungs- und Lernprozesse aufbauen. Eine ausgewogene und kindgerechte Ernährung, vielseitige Bewegung und ein strukturierter Tagesablauf mit ausreichend Entspannungsmöglichkeiten sind die Grundlage für einen gesunden Lebensstil im Kita-Alter. Alle Eltern wissen aus eigener Erfahrung, dass Kinder sich schlechter konzentrieren können, wenn sie krank sind und somit schlechtere Entwicklungschancen haben.

Im Mittelpunkt der Gesundheitsförderung steht heute zunehmend die Stärkung der Widerstandskraft der Kinder. Die Frage lautet dabei „Was erhält mein Kind gesund?“ statt „Was macht mein Kind krank?“. Damit rückt die Widerstandsfähigkeit – auch Resilienz genannt – der Kinder, um mit Veränderungen und Belastungen umgehen zu können, in den Blickpunkt. Dieser Fähigkeit kommt insbesondere angesichts der heutigen von Unsicherheit und Veränderung geprägten Lebensläufe und Lebenswelten hohe Bedeutung zu. Im Kern ist dies weniger die Vermeidung gesundheitlicher Risikofaktoren, sondern die Stärkung der individuellen und sozialen Schutzfaktoren. Kinder, die mit wirkungsvollen Schutzmechanismen ausgestattet sind, nehmen Herausforderungen und Probleme als lösbare Aufgaben wahr und sind sich ihrer geistigen und körperlichen Fähigkeiten bewusst.

Und diese Haltung hat ganz praktische Konsequenzen für die Erziehung, die durch diese Herangehensweise weniger durch Ge- und Verbote als durch Wertschätzung, Unterstützung der Persönlichkeit und Erziehung zur (Eigen)-Verantwortung geprägt ist. Diese resilienzfördernde Haltung wirkt sich zudem positiv auf das Gesundheitsverhalten, also auf das Ernährungs-, Entspannungs- und Bewegungsverhalten, aus.

Essen & Trinken

Essen und Trinken ist mehr als die Aufnahme der lebensnotwendigen Nährstoffe. Lebensmittel werden besonders von Kindern mit allen Sinnen wahrgenommen. Sie riechen, schme-

cken, sehen und fühlen die Lebensmittel – und beim Knacken eines Apfels können Kinder Lebensmittel sogar hören. Die im Kita-Alter erfahrenen Sinneseindrücke, insbesondere die Geschmacks-erlebnisse sind von lebenslanger Bedeutung und prägen die Vorlieben und Abneigungen bis ins Erwachsenenalter. Für Eltern bedeutet dies, Kinder an neue Geschmackserfahrungen heranzuführen, ohne sie zu zwingen. Grundsätzlich aber wirkt die Macht der Gewohnheit: Was Kinder häufig essen, das schmeckt ihnen auch (irgendwann). Daher sind einerseits Geduld beim Anbieten neuer Speisen und andererseits Ernstnehmen der Geschmacksempfindungen des Kindes gefragt. Ein Geduldsspiel, das viele Eltern von Kita-Kindern regelmäßig zur Verzweiflung treibt – aber Entspannung ist in Sicht: Der Eintritt in die Grundschule bringt auch eine entwicklungsbedingte Erweiterung der geschmacklichen Vorlieben mit sich. Bei aller Bedeutung einer ausgewogenen und kindgerechten Ernährung, sollten die Eltern im Auge behalten, dass es nicht zum täglichen Machtkampf um die gemeinsamen Mahlzeiten kommt. Häufig ist dies auch nur ein „Stellvertreterkrieg“, für ungelöste Probleme anderer Art.

Neben den Sinneseindrücken machen Kinder beim Essen und Trinken auch andere Körpererfahrungen. So lernen Kinder im Kita-Alter beispielsweise zwischen Hunger und Appetit zu unterscheiden. Kinder haben – anders als die meisten Erwachsenen – ein natürliches Sättigungsgefühl, das sie aufhören lässt zu essen, sobald sie gesättigt sind. Diesen „Schatz“ gilt es zu hüten und Rückmeldungen von Kindern, dass sie z.B. trotz Essenszeit keinen Hunger haben, sollten ernst genommen werden. Feste Essenszeiten und Rituale geben dem Tagesablauf der ganzen Familie Struktur und helfen Kindern, ihr Hunger- und Durstgefühl zu den empfohlenen drei Hauptmahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten zu regulieren.

Bewegung

In den ersten Lebensjahren erschließen sich Kinder die Welt maßgeblich über körperliche Bewegung. Und dies mit unmittelbaren Folgen für die motorische, kognitive, emotionale und soziale Entwicklung. Dabei reicht es jedoch nicht aus, Bewegung im Rahmen von Sportstunden, organisierten Bewegungsspielen, Tanzen usw. gezielt zu fördern. Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang, der nur Freiräume braucht, um sich zu entfalten. Das fängt mit dem Weg zur Kita an, den Kinder wenn möglich aus eigener Kraft – mit dem Laufrad, zu Fuß, mit dem Roller oder mit dem Fahrrad – zurücklegen sollten. Neben den bewegungspädagogischen und sportlichen Angeboten sollten die pädagogischen Fachkräfte auch im Auge behalten, ob die Kita ausreichend Bewegungsgelegenheiten bietet. Dies können sowohl ausgewiesene Bewegungsräume und -zonen wie Toberäume, Sprossenwände oder Kletterseile sein als auch nicht als solche ausgewiesene Bewegungs- und Freiräume. So müssen z. B. nicht alle Aktivitäten sitzend ausgeübt werden. Vielleicht ist auch ein Teil der Möbel gar nicht von Nöten und das Verbot, in den Kita-Räumen zu rennen, ist eigentlich auch nicht mehr zeitgemäß. Denn Kinder, die sich wenig bewegen, tragen ein höheres Unfallrisiko als Kinder, die regelmäßig toben, rennen und springen.

Und auch nach der Kita, an den Wochenenden und in den Ferien sollte Bewegung fester Bestandteil des Tagesablaufs sein. Alltagsbewegung sollte neben dem Sportverein oder der Tanzstunde zum selbstverständlichen Teil des Tages werden. Wer täglich draußen spielt, in den eigenen vier Wänden Bewegungsgelegenheiten hat und mit der ganzen Familie z. B. bei Fahrradausflügen oder Fußballspielen aktiv ist, wird von Kindesbeinen an an einen bewegten Lebensstil herangeführt. Von entscheidender Bedeutung für das Bewegungsverhalten ist aber auch der Medienkonsum. Zeiten, die nicht mit Fernsehen oder Computer zugebracht werden, werden ganz von selbst zu bewegteren Zeiten.

Entspannung

Neben der Bewegung brauchen auch Kinder im Kita-Alter bereits das Gegengewicht: die Entspannung. Der Wechsel von körperlicher Bewegung, geistiger Anstrengung und Ruhephasen ermöglicht ein umfassendes Wohlbefinden. Regelmäßige Entspannung fördert das Körperbewusstsein und die Körperwahrnehmung und damit die Fähigkeit, auf Gesundheit und Wohlbefinden auch selbst achtzugeben. Wer die eigenen Bedürfnisse und Empfindungen wahrnimmt, kann sich auch besser in andere hineinversetzen, was die Grundlage zur Entwicklung von Sozialkompetenz ist. Und auch die Entspannung muss nicht immer in Form von Yogakursen und Entspannungsübungen vermittelt werden. Gedämmtes Licht, feste Vorlese- und Kuschelzeiten und Rituale beim Zubettgehen schaffen „Entspannungsinseln“ im Alltag. Gegenseitiges Massieren und Fantasiereisen sind weitere Beispiele für regelmäßige Entspannungsrituale.

Beherzigen pädagogische Fachkräfte und Eltern diese Erkenntnisse in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich, so ist der Grundstein für einen gesunden Lebensstil, der bis ins Erwachsenenalter hineinwirkt, gelegt. Von der partnerschaftlichen und vertrauensvollen Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich profitieren beide Seiten. Was Kinder in der Kita über einen gesunden Lebensstil lernen, das fordern sie häufig auch Zuhause ein. Die in der Kita erlernten Fertigkeiten bei der Zubereitung von Mahlzeiten, Entspannungsübungen und Bewegungsspiele können so auch Einzug ins Elternhaus halten – ein Prozess, der durch Elterninformationen oder Veranstaltungen noch unterstützt werden kann. Und auch die Eltern können sich mit ihren Fertigkeiten und Kenntnissen, beispielsweise als Köchin oder Übungsleiter im Sportverein, in die Kita-Gesundheit einbringen.

Ernährung & Bewegung: Tipps für einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und viel Bewegung. 24 Seiten. Kosten: 2,50. Die Broschüre kann angefordert werden bei: Die Verbraucher Initiative e.V., Elsenstr. 106, 12435 Berlin. Tel. 030-53607341.

Quelle: Verbraucher konkret 1/2012