Aus der Arbeit der GLS Treuhand

Peru: Puppenwerkstatt im heiligen Tal der Inka

Kunstfertigkeit und Puppen ermöglichen ein Leben in Würde

Im heiligen Tal der Inka, gut 3.100 Meter hoch, liegt Andahuaylillas, ein Dorf von etwa 9.000 Einwohnern, malerisch umrahmt von den Bergen der Cordillera de los Andenes. Die Häuser des Dorfes sind aus Lehm gebaut. Die Menschen leben von ihren kleinen Feldern und ein wenig Tourismus. Dieser fällt etwa zehnmal am Tag in Form eines Busses auf dem von alten Zedern umstandenen Marktplatz ein. Denn genau hier steht eine der berühmtesten Kirchen der Anden, im 17. Jahrhundert aus Holz gebaut und im barock anmutenden Cuzco-Stil überreich und prunkvoll ausgemalt.

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Die alten Techniken – Projektmitarbeiterinnen beim Spinnen

Nur wenige Schritte entfernt steht in Blau auf einer weiß getünchten Hauswand „Workshop Waldorf Muñeca“, also „Puppen“. Im Eckhaus, schräg gegenüber der Kirche, befindet sich der Verkaufsraum des Frauenprojektes Q‘ewar, das Lucy Terrazas und Julio Herrera Burgos mit sieben Frauen im Jahr 2000 ins Leben riefen. Heute arbeiten 46 Frauen in den Werkstätten. In einem einfachen Raum begannen sie gemeinsam mit dem Puppenmachen. Alle Handwerks- und Fertigungstechniken mussten sie erst einmal selbst lernen, üben und dann vermitteln. Auch heute noch gehen Arbeits- und Schulungsschritte Hand in Hand.

Die Puppenmacherinnen verwenden ausschließlich Naturmaterialien wie Baum-, Schaf- und Alpakawolle, die sie selbst sortieren, waschen, spinnen und mit Pflanzen färben. Köpfe und Bälge der Puppen stopfen sie mit Rohwolle. Auch die Puppenkleidung, lokale oder europäische Mode sei es mit Spitzen besetzte Unterwäsche, Kleidchen, Höschen, Jäckchen, Hütchen, Täschchen und Schühchen – alles weben, nähen, stricken oder häkeln sie selbst.

Puppen für viele Länder

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Die alten Techniken – Projektmitarbeiterinnen beim Spinnen

In drei Größen fertigen sie die Puppen. Für die großen brauchen sie etwa fünf, für die kleinen drei Tage. Über ein Netz aus persönlichen Vertriebskontakten verkaufen sie die Puppen außer im Laden am Markt nach Deutschland, Kanada, Australien, in die USA und die Schweiz. Im vergangenen Jahr haben die Frauen 1.169 große, 676 mittlere und 495 kleine Puppen abgesetzt. Ein gutes Ergebnis, das sich dem unermüdlichen Einsatz des Gründerpaares und der herausragenden Qualität aller Produkte verdankt. Die Einnahmen reichten aus, um allen Tätigen einen bescheidenen Lohn zu zahlen und die Unterhaltskosten des Gesamtprojektes zu tragen.

Die Gemeinden wünschen sich, dass auch für Frauen der umliegenden Dörfer Lehr- und Arbeitsplätze geschaffen werden. Nun hat der Gemeinderat des Dorfes Tiomayo bereits ein Grundstück mit zwei Unterständen zur Verfügung gestellt. 40 Frauen, vor allem alleinerziehende, sollen die anspruchsvollen textilen Handarbeiten lernen. Dafür müssen die offenen Unterstände erst einmal in Gebäude verwandelt werden: Ein Dach muss gedeckt, Wände aufgemauert, Maueröffnungen zu Fenstern erweitert oder mit Türen geschlossen werden. Auch ein Holzfußboden muss gelegt werden.

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Lucy Terrazas und Julio Herrera Burgos mit fertigen Puppen

Toiletten und Waschbecken müssen her. Wasser könnte über ein einfaches Rohrsystem aus einer vorhandenen Leitung, die Quellwasser aus dem Gebirge heranführt, entnommen werden. Und über ein Filtersystem der Biotoiletten sollen Abwässer so aufbereitet werden, dass sie als Grauwasser noch zum Gießen für Bäume und Hecken geeignet sind.

Wandfarbe, Lampen, Möbel, Werktische, ein Gaskocher und Töpfe zum Färben sowie zwei Nähmaschinen runden die Investi≤tionen ab. Insgesamt werden für den Aufbau der Werkstatt 10.000 Euro benötigt. Das sind 250 Euro pro Frau bzw. Lehr- oder Arbeitsplatz. Alle Bauarbeiten werden von den Dorfbewohnern als Eigenleistung erbracht.

Dr. Annette Massmann

Spendenkonto:

GLS Gemeinschaftsbank eG

BLZ 430 609 67

Konto-Nr.: 12 330 010

Spendenzweck

„Werkstätten in den Anden“

 

 

Fotos: Dr. Annette Massmann