Einsamer George gestorben

Riesenschildkrötenunterart für immer verschwunden

Berlin - Auf der Galapagos-Insel Pinta ist im Juni mit „Lonesome George“ der letzte Vertreter der Galapagos-Riesenschildkröte Chelonoidis nigra ssp. Abingdoni gestorben. Er wurde etwa einhundert Jahre alt und galt als das einsamste Tier der Welt. „Mit dem Ableben von Lonesome George ist unser Planet um eine weitere Tierart ärmer“, sagte Volker Homes, Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland. Der Fall sei symptomatisch für das globale, menschenverursachte Massenaussterben, das derzeit auf der Erde wüte. Ursachen seien die ungebremste Lebensraumzerstörung, der Klimawandel, Wilderei, die Einführung invasiver Arten in sensible Ökosysteme und die Übernutzung durch den Menschen.

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Verstorbene Riesenschildkröte Lonesome George.

Auch die Geschichte von Lonesome George passe in dieses dramatische Schema, so WWF-Experte Homes. Noch vor zweihundert Jahren seien die Panzertiere auf den zweiundzwanzig Galapagos-Inseln, die etwa tausend Kilometer vor der Küste Ecuadors im Meer liegen, weit verbreitet gewesen. Doch mit der Ankunft der Menschen änderte sich das. Sie kamen schnell auf den Geschmack des nahrhaften Fleisches. Seefahrer, darunter Walfänger und Piraten, begannen damit, die Riesenschildkröten als Proviant mit auf ihre Beutezüge zu nehmen. Die zähen Tiere können zur Not einige Monate ohne Nahrung überleben. Also fingen die Seefahrer Zehntausende von ihnen und lagerten sie als lebende Konserven ein.

„Gut möglich, dass die Urgroßeltern von Lonesome George im Magen eines Matrosen endeten. Aber für das Aussterben sind nicht allein die Seefahrer verantwortlich“, erklärt Volker Homes. „Nach ihnen kamen die Siedler und mit ihnen Ziegen und andere dort nicht heimische Tiere, die auf den Inseln eigentlich nichts zu suchen haben. Sie fressen den Schildkröten die Nahrung weg und fressen den Nachwuchs der Schildkröten.“

WWF Deutschland

© Martin Harvey / WWF-Canon