Sanierung der Goetheanum-Bühne?

Am 23. Juni konstituierte sich der Baukreis, um Gesichtspunkte zur Sanierung der Großen Bühne des Goetheanum zu beraten.

So viel ist klar: Der Zustand der Goetheanum-Bühne, deren Substanz im wesentlichen aus dem Baujahr 1928 stammt, ist marode. Und wenn man sie grundlegend sanieren muss, bietet es sich an, über ihre Ausstattung und ihr Verhältnis zum von Christian Hitsch gestalteten Großen Saal nachzudenken. Der Leiter der Bauadministration Martin Zweifel hat in Abstimmung mit dem Hochschulkollegium am Goetheanum einen Baukreis einberufen. Dieser hat den Auftrag, die anstehenden Sanierungsaufgaben wie Bühne, Fassade, Dach und Terrasse zu begleiten und solle so „aus Menschen mit unterschiedlichen Ansätzen und Fähigkeiten zusammengesetzt“ sein, dass „Mitglieder der Gesellschaft“ „ihre Ideen und Anliegen durch Mitglieder des Beraterkreises repräsentiert wissen.“ 

Zweifel berief daraufhin den Bildhauer Alfred Frischknecht, den Architekten Pieter van der Ree, die Eurythmisten Werner Barfod und Margrethe Solstad, den Sprachgestalter Christian Peter, denVerantwortlichen für die technische Bühne, Nils Frischknecht, sowie den Bildenden Künstler und Regisseur Zvi Szir. Bei der ersten konstituierenden Sitzung am 23. Juni war der ebenfalls berufene Architekt Espen Tharaldsen verhindert. 

Im Austausch über persönliche Eindrücke und teils jahrzehntelange Erfahrungen wurde deutlich, dass das Zweite Goetheanum vom Bühnenkünstler fordere, eine eigene Haltekraft zu erzeugen, während im Ersten Goetheanum, soweit aus einem Modell nacherlebbar, einen der Raum halte. Außerdem sei auch heute das Erste Goetheanum in seinen Formen als anwesend spürbar. Die heutige Nutzung des Großen Saals für Schauspiel und Eurythmie, Vorträge und Klassenstunden habe je eigene Bedingungen. Für die bühnenkünstlerische Tätigkeit werde ein maximal freier Bühnenraum gewünscht, für Vorträge eine bessere Beziehung zwischen Redner und Publikum, was womöglich durch eine Absenkung des Podiums auf Saalbodenebene erfüllt sein könnte, sowie ein auf die esoterische Arbeit zugeschnittener Raum (Konzerte waren am 23. Juni nicht Thema). Die Mitglieder des Beraterkreises würdigten alle drei Bedürfnisschichten und waren sich darin einig, dass die zu treffende Entscheidung keine anderen (späteren) Lösungen für diese Aufgaben verunmöglichen soll. 

Als nächster Schritt werden die Konsequenzen möglicher Entscheidungsrichtungen geprüft. Denn die Folgen sind relativ komplex. Ein Beispiel: Steht die Gruppe auf der Bühne, müsste wohl das Bühnenportal höher ausgeschnitten werden, damit sie auch im Saal hinten gut sichtbar ist. Dann müsste die Obermaschinerie (Beleuchtung, Züge) höher installiert werden. Bei diesen Bühnenmaßen wären auch mögliche Kulissen entsprechend größer anzufertigen, sodass die Seitenbühnen in ihrer bisherigen Höhe benötigt würden und dort keine neuen Räume für die Hochschularbeit gewonnen werden könnten, wie aufgrund von Wünschen aus den Sektionen angedacht ist. Weiterhin keinen wirklich ausgestalteten Raum für die esoterische Arbeit zu haben, sei auch unbefriedigend, zumal die Feststellung unwidersprochen blieb, dass die jetzige Gestaltung des Großen Saals ein Fortschritt gegenüber der Vorgängergestaltung sei. 

Über die erfolgte Prüfung der jeweiligen Varianten wird in ‹Anthroposophie weltweit› ausführlicher berichtet werden. 

Wolfgang Held