5.-7.10.

Schnittstelle 100: Festival Eurythmie und Performance

Vom 5. bis 7. Oktober veranstaltet die Alanus Hochschule ihr drittes Eurythmie- und Performance-Festival. Zum 100jährigen Jubiläum der Eurythmie versteht sich das diesjährige Festival als eine Schnittstelle zwischen Rückblick und Vorblick, zwischen Tanz und Eurythmie. Über 30 Bühnenkünstler sorgen mit Aufführungen, Workshops und Vorträgen für ein Kennenlernen verschiedener Bewegungskünste. Zu sehen sind Beiträge aus der klassischen wie experimentellen Eurythmie sowie zeitgenössische Performances.

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Fabian Barba, A Mary Wigman Dance Evening
© Bart Grietens

Melaine MacDonald und Alexander Seeger, die künstlerischen Leiter des Festivals, erläutern im Gespräch die Ideen und Besonderheiten des Festivals.

Welche Intention verfolgen Sie diesmal mit dem Titel „Schnittstelle 100“?

Melaine MacDonald: Die Eurythmie ist in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Dieses historische Ereignis wollen wir dazu nutzen, die Eurythmie im Kontext der Bewegungskünste Revue passieren zu lassen, uns zu vergegenwärtigen, wie sich die Eurythmie entwickelt hat. Daher ist für uns wichtig, mindestens ein paar Eindrücke aus anderen Tanzrichtungen von damals dabei zu haben. Welche Stile wurden damals gelebt? Was war gemeinsam mit der Eurythmie? Oder auch verschieden? Was können wir daraus lernen?

Alexander Seeger: Darüber hinaus wollen wir auch einfach dieses Ereignis gemeinsam feiern! Highlights der solistischen Bühneneurythmie sollen zusammengebracht werden, wie auch vielversprechenden Newcomer in der Eurythmie-Szene.

Melaine MacDonald: Uns ist sehr daran gelegen, dass die Eurythmie mehr und mehr in einen aktiven Austausch mit anderen Bewegungskünsten kommt. Und da freut uns natürlich die Zusage von Fabian Barba ungemein, der in der heutigen Tanzszene sehr aktiv und bekannt ist. Durch gegenseitiges Interesse können wertvolle Anregungen für das eigene Tun entstehen. Man wird wacher für einen erweiterten Kollegenkreis und dadurch vielleicht auch wacher für das, was man selber treibt. Das erhoffe ich mir.

Was ist das Besondere an diesem Festival?

Alexander Seeger: Beginnend von der Rekonstruktion der ersten internen Eurythmieaufführung in München vom 28. August 1912 wird ein weiter Bogen bis zur Gegenwart gespannt und die Parallelen zum Tanz im historischen Kontext aufgegriffen. Für mich wird vor allem spannend sein, wie ein Musikstück sowohl von einer Eurythmistin als auch von Tänzern in der Tradition von Mary Wigman und Isadora Duncan (zwei Tanzrichtungen aus der Entstehungszeit der Eurythmie, Anm. d. Red.) aufgeführt wird. Die Gegenüberstellung wird die Berührungspunkte und die Unterschiede verdeutlichen und vielleicht neue Erkenntnisse hervorrufen.

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Eurythmietheater Orval
© Burkhard Scheibe

Das Festival kann man sich im Grunde wie ein vier bis sechs Gänge Menü vorstellen, dessen Aufführungen im Geschmack so unterschiedlich wie Nachtisch und Vorspeise sind und dennoch in der Qualität dem anderen jeweils in nichts nachstehen.

Melaine MacDonald: Also ja, das kann ich unterstreichen. Die Besonderheit liegt in der Vielfalt, in der historischen Betrachtung und in dem offenen Austausch mit benachbarten Bewegungskünsten.

Was erhoffen Sie sich von dem Festival? Was muss passieren, damit Sie sagen können, das Festival war ein voller Erfolg?

Melaine MacDonald: Wir wünschen uns, dass das Festival dazu motiviert, die Eurythmie weitere 100 Jahre zu praktizieren und anzuschauen. Und natürlich sollen Zuschauer und Künstler in einen intensiven Austausch über ihre ästhetischen Erfahrungen kommen. Wir wollen zum Kontakt zwischen den unterschiedlichen Bewegungskünstlern anregen und hoffen, dass daraus Initiativen für weitere Projekte zwischen Tänzern und Eurythmisten entstehen.

Alexander Seeger: Nach 100 Jahren haben drei Generationen die Eurythmie geprägt und die vierte Generation steht gerade am Anfang. Im Sinne von Goethe vergeht nach drei Generationen die Kraft des Ursprungsimpulses und muss durch einen Individualisierungsprozess ab der vierten Generation abgelöst werden, ansonsten vergeht der ursprüngliche Impuls. Das ist unser Ziel, daran arbeiten wir. Herzlich Willkommen in der vierten Generation!

Das Gespräch führte Ephraim Krause.

Freitag 5. bis Sonntag 10. Oktober: Schnittstelle 100 - Festival Eurythmie und Performance. Kosten: Gesamtkarte: 120,- / Studenten 60,-, Einzelticket Abendvorstellungsblock: 20,- / Studenten 10,- (falls noch Plätze frei). Veranstaltungsort: Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Johannishof (Campus I), 53347 Alfter, Raum: Großer Saal. Weitere Informationen und Kartenbestellung: Tel. 02222-93211274.