Offene Ohren für kleine und große Nöte

Bei der Preisverleihung des Präventionspreises des Landes Baden-Württemberg erhielt die Schulkrankenschwester der Freien Waldorfschule am Kräherwald den Förderpreis 2012 in der Kategorie Kita/Schule.

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„Geh doch zu Frau Karl“, - diese fünf Worte hört man fast täglich an der Freien Waldorfschule am Kräherwald. Seit neun Jahren bietet Schulkrankenschwester Anke Karl dort eine Anlaufstelle für Hilfe bei Verletzungen und Erkrankungen sowie Betreuung für die kleinen und großen Probleme der Kinder und Jugendlichen. Am 14. Mai 2012 wurde ihr Einsatz mit dem Förderpreis des Präventionspreises Baden-Württemberg belohnt. „Ich bin geehrt, damit hätte ich niemals gerechnet“, sagt die Schulkrankenschwester erstaunt. Überzeugt hat die Jury, die sich aus den Vertretern des Landes Baden-Württemberg im Gesundheitswesen, Wissenschaft und Bildung zusammensetzt, die innovative Idee, eine Kinderkrankenschwester an einer Schule zu beschäftigen. Nur zwei Schulen in Stuttgart sehen momentan die Notwendigkeit für eine zusätzliche Unterstützung in der gesundheitlichen Betreuung der Schulkinder: die Freie Waldorfschule Uhlandshöhe und die Freie Waldorfschule am Kräherwald. Dabei gehört diese Stelle in anderen Ländern wie zum Beispiel Schweden längst zum festen Personalstamm der Schulmitarbeiter. Für Anke Karl ist der Förderpreis, der ihr von der baden-württembergischen Ministerin für Arbeit und Familie, Frau Katrin Altpeter, in der Stuttgarter Liederhalle überreicht wurde, ein Ansporn, für ihren Berufszweig Werbung an Schulen zu machen: „Noch mehr Schulen sollten den Mut haben, ihren Kindern und Eltern mit einer Schulkrankenschwester Sicherheit zu bieten.“

Erste Hilfe auch bei Kummer...

„Da tut’s weh!“ Schon zum zweiten Mal in der Woche wimmert die Zweitklässlerin im Zimmer von Anke Karl und deutet auf ihren Bauch. Dort auf der Liege erzählt sie dann, was auf ihrem kleinen Bäuchlein lastet. Anke Karl nimmt sich die Zeit, um herauszufinden, was die Kleine denn nun wirklich bedrückt. „Sonst gehen Schüler dann zur Schulsekretärin oder zum Schulsanitäter“, weiß die Schulkrankenschwester. Die notwendige erste Hilfe können auch sie leisten, aber Unterstützung für ihre Nöte finden kleine und große Schüler dort selten. „Seelische Betreuung hat andere Qualität“, findet Anke Karl.

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Durch die vertrauensvolle Beziehung über viele Jahre bietet Anke Karl eine zusätzliche Betreuungsmöglichkeit für die Kinder. Nicht selten telefoniert sie nach einem solchen Gespräch mit den Eltern oder nimmt Kontakt zu den Lehrern auf. Neben der Anlaufstelle in der Pause bietet sie außerdem Sexualerziehung für Fünftklässler sowie Gesundheits- und Suchtpräventionsprojekte mit den Jugendlichen. Ebenso legt sie Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit den Streitschlichtern der Freien Waldorfschule am Kräherwald. Die Vernetzung nach außen mit verschiedenen Institutionen ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. Die eintausend Euro, die sie nun durch den Förderpreis Präventionspreis des Landes Baden-Württemberg erhält, sind schon fest eingeplant: „Ich werde Schulkrankenschwestern in Schweden besuchen“, erklärt Anke Karl zielstrebig. Mit Hilfe der dort gesammelten Erfahrungen hofft sie ihr Pilotprojekt voranzubringen und die Stelle der Schulkrankenschwester auch weiteren Schulen in Baden-Württemberg schmackhaft zu machen. Einen konkreten Vorschlag hat sie auch schon parat: „Und wenn zu Beginn nur auf einer 400,- Euro Basis zwischen 9.30 Uhr und 12.00 Uhr von montags bis freitags den Kindern eine Kontaktperson für ihre gesundheitlichen Sorgen angeboten wird.“

Eva Tilgner

Foto: © Wolfram Palmer