Fortbildungen Waldorfpädagogik

Erfahrungsberichte

Drei Seminaristen von Fortbildungsangeboten des Seminars für Waldorfpädagogik in Köln haben ihre Erfahrungen zusammengefasst. Um auf die Erfordernisse der Zeit antworten zu können, ist es dem Seminar wichtig, regelmäßigen, intensiven Kontakt mit den teilnehmenden SeminaristInnen und mit den Kollegien in den Einrichtungen zu halten. So erst können sich die notwendigen Angebote durch die Begegnungen und gemeinsamen Überlegungen entwickeln.

Fortbildung: Das kleine Kind - Kurs U 3 in Köln

So schnell vergehen sechs Monate:

Im September 2011 begann für uns der Kurs: „ Das kleine Kind“. Voller Hoffnung, Freude, ein wenig Sorge und viel Aufregung machte ich mich aus dem kleinen Wittgensteiner Land auf den Weg in die 140 km entfernte Großstadt Köln. Dort erwartete mich eine offene, freundliche und hilfsbereite Seminarleitung. Außerdem lernte ich zehn weitere nette Seminaristinnen kennen und kurz darauf auch schätzen. Was dann folgte, übertraf meine in diesen Kurs gesetzten Erwartungen.

Neben dem anthroposophischen Menschenbild bekamen wir Erkenntnisse über die Bewegungs- und die Gehirnentwicklung des kleinen Kindes. Lauschten einem beeindruckendem Vortrag von Prof. Dr. Rainer Patzlaff zu dem Thema: „Kindheit im Beschleunigungswahn“. Des weiteren berichteten verschiedene Pädagoginnen vom Tagesablauf und den Besonderheiten in ihren jeweiligen Einrichtungen. Wir sahen spannende Filme von Emmi Pikler und Remo Largo zu Themen wie Bewegungsentwicklung, Spielentwicklung und Wahrnehmung der Kinder. Bekamen Wissen vermittelt über die Sprachentwicklung des kleinen Kindes, die Sinnespflege, die Medienerziehung, die Ernährung und die Raumgestaltung.

An einem besonderem Wochenende durften wir vieles über die Embryologie erfahren, und zeitgleich das Gehörte plastisch, mit Hilfe von Ton, verwandeln. Außerdem erhielten wir Anregungen und Ideen für verschiedene Puppenspiele, Bewegungsspiele, Lieder, Verse und Reime. Ferner war die achtungsvolle Wahrnehmung des Kindes ein großes Thema, welches von unterschiedlichen Seiten betrachtet wurde.

Im künstlerischen Teil des Kurses übten wir uns in der Eurythmie und in der Musik. Hier erlernten wir die Anfänge des Harfespieles, und trainierten die intuitive Pädagogik in Form von kleinen Spielen.

Ziemlich zum Ende der Fortbildung hielten der Heilpädagoge Henning Köhler und der Kinderarzt Dr. Ulf Beckmann Vorträge zu dem Thema: „Geburt und frühe Kindheit/Aller Anfang ist schwer-oder etwa nicht?“

Diese Aussagen klangen noch lange in mir nach, und ich beschäftige mich noch immer wieder damit.

Schade, nun ist diese Zeit vorbei, aber ich freue mich durch diesen Kurs prima Menschen kennen gelernt zu haben, die diese Fortbildung mit super Inhalten füllten. So macht Lernen Freude. Abschließend möchte ich noch erwähnen wie sehr mein Alltag als Erzieherin durch diesen Kurs bereichert wurde.

Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten. (Ein Bericht einer Waldorferzieherin der Kindertagesstätte Sonnenblume, Bad Berleburg-Wemlighausen)

Christine Kiontke

Fortbildung Inklusion unter der Leitung von Henning Köhler

Ein Rückblick auf die Wochenenden mit Henning Köhler: Was habe ich aus den Wochenenden in meine Arbeit mit Kindern mitgenommen?

Genauer Hinzuschauen, was ich täglich tue und wie ich es sage. Aber mir dabei selbst zu vertrauen, auch wenn es oft anders verläuft als geplant. Dass ich Kraft aus meinen „Fehlern“ schöpfen kann, denn ohne sie erlebe ich nicht meine eigenen Grenzen. Dies wiederum ermöglicht mir, mein Tun zu reflektieren, anders an die Situation heranzugehen und neue Erfahrungen zu sammeln. Dadurch bin ich stetig in einem Lernprozess, um meine Erfahrungen und Fähigkeiten neu zu erproben und zu erweitern.

Als Lehrender bin ich immer gleichzeitig Lernender, und wer ist ein besserer „Lehrender“ als unsere Kinder?

Unsere Erfahrungen sind ein wichtiger Bestandteil unserer menschlichen Entwicklung, die jeder auf seine ganz individuelle Weise durchläuft. Mit Henning Köhler und Jelle van der Meulen gingen wir auf eine sehr innige und bewegende Reise, manchmal mit „Espresso“ und Umwegen am Waldrand oder mit Blick aus einem hohen Turmfenster und den Hosentaschen vollgestopft mit den herrlichsten Dingen, die nur für uns als wahre Schätze sichtbar wurden.

So zogen wir gemeinsam durch Landschaften der pädagogischen Sinneslehre, dem Wandel der Gesellschaft, Aggressives Verhalten, Angst, Autismus und Legasthenie bis hin zur Wirkung des Karmas. Anschaulich erhielten wir auf unterschiedliche Weise Einblick durch Henning Köhler und die zeitweisen Wegbegleitern wie Ute Wagner-Zavaglia, Dr. Hartmut Sautter und Dr. med. Ulf Beckmann, in wissenschaftliche Erkenntnisse und Forschungen, viele Erfahrungsberichte aus dem Janusz Kocak Institut und in sehr schweißtreibende bis federleichte Übungen mit Pär Ahlbom in die Intuitive Pädagogik.

Dieser pädagogische Ansatz wurde besonders in unserem letzten gemeinsamen Stück Weges, unserem Wochenende unter dem Thema „Aller Anfang ist schwer- oder nicht?“ nochmals verdeutlicht. Jetzt erst vervollständigte sich auch mein bisheriges Bild, und mir wurde klar, was im eigentlichen Kern einer Intuitiven Pädagogik verborgen liegt. Das Ziel ist noch lange nicht erreicht, aber ich bin zuversichtlich, dass jeder so vieles in seinen Rucksack hinein sammeln konnte, um jetzt allein seinen Weg weiter zu gehen:

Das Kind als eigene Persönlichkeit wahrzunehmen und respektvoll mit ihm umgehen.

Nicht nach seinen Fehlern oder Störungen suchen, sondern seine wahren Schätze zu erkennen und zu nutzen. Dies zu beherzigen, zeichnet einen Pädagogen als „wahren“ Begleiter der Kinder aus. Unsere positive Beziehung zu uns selbst und die daraus entstehende positive Beziehung zum anderen, zum Kind, lassen uns den nötigen Freiraum, den wir brauchen, um täglich aneinander zu wachsen.

Danke für die viel zu kurzen zwei Jahre.

Ramona Lenz

Ausbildung zur Tagesmutter/zum Tagesvater

Am 10. Februar 2012 begann in Köln die Ausbildung zur Tagesmutter bzw. zum Tagesvater im Seminar für Waldorfpädagogik Köln/Freien Bildungswerk Rheinland. Das Besondere dieser Ausbildung liegt darin, dass sie mit einem „waldorfpädagogischem Schwerpunkt“ angeboten wird. Neunzehn Teilnehmerinnen und zwei Teilnehmer mit unterschiedlichsten Hintergründen und aus unterschiedlichsten Nationen kamen hier zusammen, um sich gemeinsam auf den Weg zu machen - an zehn Wochenenden, die über das ganze Jahr verteilt sind. Sie wollen sich mit wichtigen Themen der Kindertagespflege befassen. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie möchten gerne in Zukunft mit kleinen Kindern zusammen arbeiten!

Die Themen der Weiterbildung sind sehr vielfältig und abwechslungsreich eben so wie es auch die Arbeit mit kleinen Kindern ist! Zunächst geht es vor allem darum zu verstehen, wie sich Babys und Kleinkinder entwickeln. Der Einstieg anhand des Dokumentarfilms „Babys“ zeigte dies sehr eindrucksvoll: Hier werden vier Säuglinge aus verschiedenen Regionen der Erde (Namibia, Japan, USA und Mongolei) in ihrem ersten Lebensjahr gezeigt. Ohne viele Worte wird deutlich, dass alle Babys die gleichen Entwicklungsschritte machen, die Art und Weise wie sie ihre ersten Erfahrungen in der Welt machen und wie ihre Mütter sie dabei unterstützen, jedoch sehr unterschiedlich sein kann.

Der Einstieg ist gelungen, es sind viele nachdenkliche Gesichter in der Runde zu sehen: Welches Bild vom Kind hat man eigentlich selbst? Welche Vorstellung hat man darüber was eine anregungsvolle Umgebung für ein Kind ausmacht? Diese Fragen werden in den nächsten Wochen und Monaten immer wieder aufgeworfen und thematisiert. Im Mittelpunkt steht das Kind als eigene Persönlichkeit: Es geht darum diese als solche wahrzunehmen, zu respektieren und den Kindern Raum für ihre Entwicklung zu lassen, so dass sie sich selbständig entwickeln können.

Ein Film über das Säuglingsheim, das von Emmi Pikler gegründet wurde, zeigt wie es gelingt, liebevolle Pflegesituationen zu schaffen, in denen das Baby aktiv die Situation mitgestalten kann und dadurch sowohl sich selbst als auch seine Betreuer besser kennenlernt. Neben der Sensibilisierung dafür, wie wichtig es ist, eine friedvolle Atmosphäre zu schaffen und Vorbild im achtsamen Miteinander zu sein, wird ebenfalls deutlich wie wichtig die Gleichaltrigen-Interaktionen für die Entwicklung der Kinder sind. Sie entwickeln schon frühzeitig Beziehungen zueinander. Aufgabe der Tagespflegeperson ist es hier eine anregungsvolle Umgebung für ihre gemeinsamen Erkundungen zu schaffen, und sich selbst auch mal in die Beobachterrolle zurück zu ziehen.

Der praktische Teil der Weiterbildung kommt auch nicht zu kurz: Anne Marisch zeigt uns immer wieder beeindruckend wie man durch Fingerspiele, Kniereiter und Kinderlieder die Aufmerksamkeit der Kinder weckt und durch diese kulturellen Praktiken Kinderherzen erfreut. Das Musizieren mit Keiko Fujita trägt zu einer heiteren Atmosphäre bei, die uns alle glücklich stimmt. Das eigene Herstellen von Filzpüppchen mit Pia Weische-Alexa regt uns nicht nur dazu an, selbst wieder handwerkliche Tätigkeiten auszuführen und unsere Hände besser kennenzulernen, im konzentrierten Tun entstehen darüber hinaus spannende philosophische Gespräche. Die Bedeutung des gemeinsamen Essens begleitet von Ritualen und dem Herstellen einer besonderen Atmosphäre durften wir durch das gemeinsame Kochen mit Despina Vezakiadou erleben.

Auch formelle Angelegenheiten wie Rechts- und Finanzfragen, Versicherungen und Betreuungsverträge werden hier geklärt.

Besonders bereichernd ist, dass die Weiterbildung nicht nur dazu beiträgt, die TeilnehmerInnen auf die Arbeit mit den Kindern in der Tagespflege vorzubereiten, sondern auch sich selbst zu reflektieren, in dem man zum Beispiel dazu angeregt wird, sich über sein eigenes Weltbild oder seine innere Haltung Gedanken zu machen. Unser Abend mit Pia Weische-Alexa zum anthroposophischen Menschenbild war dabei ein ganz besonderes Highlight!

Es steht also noch ein spannendes halbes Jahr bevor!

Marjan Alemzadeh

Dipl. Päd. Kindheitsforscherin

Die nächste Ausbildung zur/zum Tagesmutter/-vater beginnt im Juni 2012. Weitere Informationen: Seminar für Waldorfpädagogik Köln im Freien Bildungswerk Rheinland

- Qualitätszertifiziert seit Juni 2010. Büro: Luxemburger Str. 190, 50937 Köln, Tel. 0221-9414930, Fax 0221-941493.