Anthroposophische Meditation

Kaum eine anthroposophische Institution oder Initiative scheut heute noch den Schritt in die Öffentlichkeit, ins Internet mitzugehen. Mit dem ‹Institut für anthroposophische Meditation› und der dazugehörigen Webseite öffnet Anna-Katharina Dehmelt nun einen Sammelpunkt im World Wide Web zu einem Thema, das vor zehn Jahren unter Anthroposophen nicht einmal im Privaten besprochen wurde. In kurzen Zügen führt sie Gründe auf, die zur Isolation sowohl des einzelnen Meditierenden wie auch des anthroposophischen Schulungsweges als Ganzes geführt haben. Ob ihre soziologische Diagnose trägt, kann online nachgelesen werden. Fakt ist sicherlich: «In keinem Handbuch über Meditation ist die anthroposophische Meditation vertreten, und in der öffentlichen Wahrnehmung fehlt der anthroposophische Schulungsweg fast völlig.» Dieser Schluss gilt auch im Hinblick auf das Steiner-Geburtstagsjahr selbst wenn er als Person beziehungsweise die Früchte seines Schauens mitlerweile gefeiert werden, seine Quellen treten dabei kaum ins Bewusstsein.

Hilft es nun, ein intimes Feld wie die Meditation in diese größte Öffentlichkeit zu stellen, veräußert sich dadurch nicht gerade etwas vom Wertvollsten, das an Esoterik noch bleibt?

Was beim Abtasten der Initiative auffällt, ist, dass eines der dort genannten Ziele bereits im Keim verwirklicht wird: «Einen Ort zu schaffen, an dem Information über anthroposophische Meditation in möglichster Vielseitigkeit zu finden ist.»

Denn als Kooperationspartner ‹des Institutes ohne Mauern, ohne Rechtsform und ohne Sponsorenvorgaben› zeichnen die Goetheanum-Meditation-Initiative-Worldwide, die Gesellschaft für Bilde-kräfteforschung, EnlightenNext, Gronbachs Public-Meditation und das Freie Bildungswerk Rheinland. In der Rubrik Facetten finden sich bisher neun (Tendenz steigend) Kurztexte von Vertretern unterschiedlicher ‹Hellseher-Schulen›, von Johannes Wagemann über Dirk Kruse bis zu Robin Schmidt. Dieser sozialkünstlerische Griff und die darin spürbare Absicht, auch konträre Forschungsansätze unter einem Dach zu versammeln, strahlen spirituelle Gastfreundschaft aus.

Wohlwollen gegenüber diesem digitalen Gemeinschaftsversuch schafft auch die Stimmung der permanenten Selbstbefragung, die sich der gewählten Form wie des sensiblen Inhaltes bewusst ist: «… das Institut für anthroposophische Meditation hat kein Haus, keinen mehr oder weniger gut bezahlten Mitarbeiterstab und keine eingeschliffenen Strukturen. Es existiert im spirituellen Vollzug, in der Begegnung und im Gespräch von Angesicht zu Angesicht oder elektronisch vermittelt, in Kursen und Seminaren und in der Lektüre von Büchern und Websites. Die Existenz eines solchen Institutes im World Wide Web ist etwas, das sich seine Lebensbedingungen erst allmählich erfinden muss. Gehört Facebook wirklich dazu? Sollte ein Blog her? Wie bleibt man in der anthroposophischen Szene präsent, sowohl im Netz wie auch in Zeitschriften, Gremien oder Zweigen? Wie macht man außerhalb dieser Szene auf sich aufmerksam? Und das alles auf eine Weise, die dem Thema angemessen ist?

Jonas von der Gathen

Institut für anthroposophische Meditation, Anna-Katharina Dehmelt, Möthengasse 16, 53347 Alfter, www.InfaMeditation.de.

Quelle: Das Goetheanum. Wochenschrift für Anthroposophie Nr. 10, 10. März 2012