Kurswechsel bei Weleda

Bisheriger Verwaltungsrat zum Rücktritt gezwungen Neuer CEO ernannt Wirtschaftlichkeit soll gestärkt werden

(BASEL-NNA) - Andauernde Schwierigkeiten in der wirtschaftlichen Lage des Heilmittel- und Naturkosmetikherstellers Weleda haben zu einem vollkommenen Wechsel in der Führungsriege geführt. An einer kurzfristig einberufenen außerordentlichen Generalversammlung Ende März haben die Aktionäre einen neuen Verwaltungsrat gewählt, nachdem die Hauptaktionären zuvor in einem unerwarteten Schritt den Rücktritt des alten Verwaltungsrates verlangt hatten. Das Vorstandsmitglied der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und studierter Wirtschaftswissenschaftler und Bankier, Paul Mackay, ist zum Präsidenten des neuen Verwaltungsrates ernannte worden.

In einer weiteren Entwicklung ist der auf die Restrukturierung und den Aufbau von Unternehmen spezialisierte Diplom-Kaufmann und Unternehmensberater Ralph Heinisch zum neuen Geschäftsführer ernannt worden, nachdem sein Vorgänger, Patrick Sirdey, Anfang des Jahres von diesem Amt zurückgetreten war (NNA berichtete). Auch der bisherig CFO Patrick Kersting hat das Unternehmen „im beiderseitigen Einvernehmen“ Ende März verlassen. Der Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer Heinz Stübi wird seine Aufgaben bis zur definitiven Nachbesetzung übernehmen. Neben Mackay sitzen Dr. Jürg Galliker, Dr. Andreas Jäschke, Dr. Harald Matthes und Elfi Seiler im neuen Verwaltungsrat.

In einer Medienmitteilung sagte das Unternehmen es sei das „erklärte Ziel“ des neuen Verwaltungsratspräsidenten die Wirtschaftlichkeit von Weleda kurzfristig zu verbessern und nachhaltig zu einer soliden Ertragsbasis zurückzuführen. „Der bisherige Verwaltungsrat ist auf Wunsch der Hauptaktionäre, Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft und Ita Wegman Klinik, zurückgetreten. Die Neuwahl wurde durchgeführt, weil die Weleda einen handlungsfähigen Verwaltungsrat braucht,“ so die Mitteilung.

Laut Weleda steuert das Unternehmen im Geschäftsjahr 2011 auf einen Verlust von rund 10 Mio. schweizer Franken (8.31 Mio. Euro) zu bei einem voraussichtlichen Gruppenumsatz von 380 Mio. Franken (315.81 Euro).

Während im Unternehmen trotz der durch den radikalen Führungswechsel ausgelösten Verunsicherung den nächsten Schritten abwartend entgegengesehen wird, geht aus einem Interview mit Mackay in der Basler Zeitung deutlich hervor, dass die Hauptaktionäre ihr Vertrauen in der Unternehmensstrategie des bisherigen Verwaltungsrates verloren hatten bzw. die Strategie als falsch bewerteten. Es gelte das Potential des Unternehmens voll auszuschöpfen, sagte Mackay. Weleda brauche eine starke Führung „damit die Mitarbeiter wissen, in welche Richtung es geht“. Der Heilmittel- und Naturkosmetikhersteller sei in einer Talsohle. Die Liquidität müsse sichergestellt und die Wirtschaftlichkeit gestärkt werden. „Aber es müssen auch Fragen beantwortet werden, wie Weleda aufgestellt werden muss,“ erklärte Mackay der Basler Zeitung gegenüber.

Wie die neue Strategie für die Gruppe konkret aussehen soll wollte Mackay jedoch noch nicht ausführen. Es sei noch zu früh dazu meinte er. Noch müsse die bisherige Lage geprüft werden. Aber ausschließen wolle er nichts. Auch nicht, dass die gegenwärtig getrennten Sparten der Arzneimittel und Naturkosmetik möglicherweise wieder zusammengeführt würden. In einer Politik, die unter Teilen der anthroposophischen Ärzteschaft viel Besorgnis ausgelöst hatte, war es das Ziel der alten Geschäftsleitung gewesen, die verlustmachenden Heilmittel selbsttragend zu machen und sie nicht mehr durch den erfolgreichen Unternehmensbereich Naturkosmetik zu subventionieren. Man müsse die beiden viel mehr in einem Zusammenhang sehen, sagte der Verwaltungsratspräsident der Basler Zeitung.

Auch in Antwort auf die Frage, ob Bereiche geschlossen oder Stellen abgebaut würden wollte sich Mackay nicht festlegen: „Das muss sehr gut überlegt sein. Aber ich möchte und kann nichts von vorneherein ausschließen.“

Weiter ist noch unklar wie sich die jüngste Entwicklung auf die weltweit tätigen Weleda-Gesellschaften auswirken wird. Wie aus dem Unternehmen verlautete, sei es noch zu früh genaueres dazu sagen zu können. Auch Mackay ließ die Frage offen: „Das muss jetzt angeschaut werden. Wir müssen uns generell fragen: Was können wir uns leisten?“

NNA-News

Christian von Arnim