Naturwissenschaftliches Lernen und Schule für alle

Waldorfpädagogik auf der Leipziger Buchmesse

Naturwissenschaftsunterricht, der von den Phänomenen und der Alltagserfahrung der Schüler ausgeht und integrative Praxis an Waldorfschulen sind die beiden Themen, mit denen die Waldorfpädagogik in diesem Jahr auf der Buchmesse in Leipzig präsent war.

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„Schüler brauchen einen begeisternden naturwissenschaftlichen Unterricht, um sie nachhaltig dafür zu interessieren und zum eigenen Forschen anzuregen“, so Christian Boettger, Pädagogische Forschungstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen. Vor dieser Herausforderung stehen die Lehrer aller Schulen. Eine zweite Zukunftsaufgabe sei die praktische Einführung der Inklusion an den Schulen. Beide Fragen standen im Mittelpunkt der Veranstaltungen des BdFWS.

Ein vom Phänomen ausgehender naturwissenschaftlicher Unterricht erfüllt an Waldorfschulen eine bedeutende Funktion, weil er unmittelbar an die eigenen Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler anknüpft. Im Bereich Naturwissenschaften wurde dieser Unterricht in einer PISA-Studie in Österreich gesondert erfasst. Die Auswertung ergab, dass die so unterrichteten Schülerinnen und Schüler hinsichtlich ihres Interesses für diese Fächer deutlich über dem OECD-Durchschnitt lagen, was die Autoren unmittelbar auf die angewandte Methodik zurückführten.

Auf der Buchmesse stellte Autor Dr. Ulrich Wunderlin sein neues Lehrbuch zur phänomenologischen Chemie in der Mittelstufe vor. Es ist für Lehrer und Schüler geeignet und führt anhand von Projekten in die „Welt der Stoffe und Prozesse“ ein. Es sei auch von hoher ökologischer Bedeutung, den Schülern einen didaktischen Einstieg zu ermöglichen, bei dem das chemische Verhalten der Stoffe stets verbunden mit ihrem Naturzusammenhang beschrieben wird, heißt es im Vorwort des Buches. Obwohl chemikalische Prozesse in der gegenwärtigen Zivilisation allgegenwärtig seien, werde das Wissen darüber den Experten überlassen. Hier sieht der Autor einen erheblichen Bildungsbedarf heutiger Gesellschaften.

Dr. Thomas Maschke, Herausgeber des Buches „Auf dem Weg zu einer Schule für alle integrative Praxis an Waldorfschulen“ zeigte mit seiner Veranstaltung verschiedene Aspekte von Integration und Inklusion auf, wie sie an den integrativ arbeitenden Waldorfschulen bereits jetzt tägliche Praxis sind. Die Waldorfpädagogik geht grundsätzlich vom Bildungs- und Entwicklungspotential eines jeden Schülers aus. Vor diesem Hintergrund versuchen die integrativen Waldorfschulen in vielfältiger Weise, auch Kindern mit zusätzlichem Assistenzbedarf gerecht zu werden. Durch die UN-Behindertenrechtskonvention seien diese pädagogischen Ansätze „in ein neues Licht gesetzt“ worden, betont der Autor in seiner Einführung.

Cornelie Unger-Leistner

Foto: Ramon Brüll

© Bund der Freien Waldorfschulen