Rückschlag in der Kampagne für Legalisierung der Rohmilch in Kanada

Gerichtshof hob Urteil zugunsten von Farmer Michael Schmidt auf

NEWMARKET, Ontario (NNA) - Michael Schmidt, ein Milchbauer, der eine Kampagne zur Legalisierung des Verkaufs von unpasteurisierter oder „roher“ Milch in Kanada führt, wurde vom Ontario Gerichtshof in 15 von 19 Anklagepunkten in Zusammenhang mit dem Verkauf und Vertrieb von roher Milch für schuldig befunden.

Die Entscheidung des Ontario Gerichtshofs vom September 2011 hob damit das Urteil einer niedrigeren Instanz auf, die Schmidt im letzten Jahr in allen Anklagepunkten freigesprochen hatte.

Wie es in einer Pressemitteilung der Canadian Constitution Foundation weiter heißt, die Schmidt im Streit mit den Behörden unterstützt hatte, hat der Gerichtshof auch die Argumentation zurückgewiesen, dass das gesetzliche Verbots des Verkaufs von Rohmilch in Kanada gegen die Verfassung, die Canadian Charter of Rights and Freedoms, verstoße.

Rohmilch-Farmer Schmidt gibt trotz des Urteils nicht auf: „Das ist nur ein vorübergehender Rückschlag. Wir werden weiter kämpfen, sowohl gegen die Gerichte als auch gegen die Gesetzgebung für das Recht jedes Einzelnen, zu entscheiden was er zu sich nimmt und was nicht. Die Öffentlichkeit unterstützt uns bei diesem Vorhaben,“ wird Schmidt in dem Statement zitiert.

Eine Ipsos Reid Umfrage, die kurz nach Schmidts Freispruch 2010 veröffentlicht wurde, ergab, dass sich 70 Prozent der Befragten aus Ontario für die Legalisierung des Rohmilchverkaufs aussprachen. Das Verfahren wird durch das Urteil des Gerichtshofs auch nicht beendet sein, da Schmidt ankündigte, dass er Revision einlegen wird.

Schmidts Anwältin, Karen Selick von der Canadian Constitution Foundation, forderte, den Verkauf solange zuzulassen, wie das Verfahren läuft. Selick: „Wir fordern das Versprechen der Regierung von Ontario ein, nicht gegen den Farmer vorzugehen, solange dieser Fall seinen Weg durch die höheren Gerichte nimmt. Der Schaden, der den Bauern und den Anteilseignern beim Kuh-Sharing zugefügt wird, ist irreparabel, wenn die Regierung dieser Zusage nicht zustimmt.“

Laut der Canadian Constitution Foundation kann Rohmilch in 26 Staaten der USA und in den meisten europäischen Ländern legal verkauft werden. In Frankreich, Italien, Slowenien und der Schweiz ist sie sogar an Getränkeautomaten erhältlich.

Rohmilch zu trinken ist auch in Kanada erlaubt, aber der Verkauf ist verboten, weil die Behörden Sicherheitsbedenken haben. Deswegen kam Farmer Schmidt auf die Idee, ein Kuh-Sharing-Programm zu gründen, bei dem jeder, der legalen Zugang zu Rohmilch haben möchte, einen Anteil an seinen Kühen kaufen kann. Im Gegenzug bietet Schmidt an, die Kühe zu versorgen und zu melken. Was er damit eben genau nicht tut, ist die Milch und Produkte, die daraus hergestellt werden, zu verkaufen.

Schmidt, der zum „Rohmilchchampion“ getauft wurde, leitet einen biologisch dynamischen Bauernhof in Durham, Ontario, nordwestlich von Toronto. Er hat einen Masterabschluss in Landwirtschaft und kämpft nun seit zwei Jahrzehnten dafür, den Verkauf der Rohmilch in Kanada zu legalisieren. Die Behörden tun dagegen alles, um dies zu verhindern.

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