Aus der Arbeit der GLS Treuhand

Südindien: Komposttoiletten für Boodheri

Muthalidam das erste Örtchen (des Tages)

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Sumathy P. Promotorin für Komposttoiletten

Rajiv, der Sohn des Dorfvorstehers, liebt die schöne Vishnu. Auch sie ist ihm nicht abgeneigt doch ihrer Liebe und Heirat stehen ernste Hindernisse im Wege. Vishnu arbeitet als Gesundheitspromotorin in ihrem Dorf. Immer wieder muss sie epidemisch auftretende Durchfälle oder Schlangenbisse behandeln. Und sie kennt den Grund dafür: In ihrem Dorf gibt es keine Toiletten. Vor zehn Jahren, als das Dorf klein war, war das noch kein Problem, denn viele freie Flächen und ein kleiner Wald säumten es. Doch nun ist die Bevölkerung stark gewachsen und die Suche nach einem ruhigen Örtchen wird immer schwieriger. Gerade Frauen stehen morgens bei Dunkelheit auf, um ungesehen ihr Geschäft zu erledigen, oder sie gehen erst spätabends los. Vishnu gehört zu diesen Frauen. Und deshalb ist für sie klar, dass Rajiv für sie eine Komposttoilette bauen muss, bevor sie in die Heirat einwilligt. Doch Rajiv findet, dass Latrinen stinken, und will davon nichts wissen bis, ja, bis seine Angebetete bei einer morgendlichen Suche nach dem stillen Örtchen von einer Schlange gebissen wird und zu sterben droht. Natürlich folgt dann das Happy End mit Komposttoilette. Dies ist der Plot des Schulungsfilmes „Muthalidam das erste Örtchen (des Tages)“ in bester Bollywood-Manier, der mit großem Zuspruch und Erfolg von unserem Projektpartner Eco Pro eingesetzt wird, um für die Verbreitung und Nutzung des „stillen Örtchens“ zu werben.

Boodheri ein Dorf ohne Toiletten

Im dörflichen Südindien ist die Verbreitung von Toiletten keinesfalls die Norm. Auch nicht in dem 200 Familien zählenden Boodheri, das im Distrikt Villupuram im südindischen Tamil Nadu liegt. Keine einzige Familie besitzt eine Toilette oder Latrine. Die Folgen sind ganz analog zum Schulungsfilm die Übertragung von Krankheiten, die Verletzung durch Schlangen- oder Skorpionbisse. Frau Sumathy P., Mitarbeiterin unseres Projektpartners Eco Pro, kommt aus Boodheri. Sie verfügt über einige Jahre Schulungserfahrung zu Gesundheitsvorsorge, Hygiene und Toilettenbau. Nun möchte sie auch in ihrem Dorf für Toiletten sorgen.

Mit Kompost hygienisch, geruchsfrei, geringer Wasserverbrauch

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Mit einfachen Mitteln werden die Toilettenhäuschen eingerichtet

Und zwar mit der Einführung einer Komposttoilette, der sogenannten Ecosan-Toilette. Die Ecosan-Komposttoilette arbeitet mit einem getrennten Mehr-Kammer-System, d. h., sie hat drei Abflusslöcher: vorne für Urin, in der Mitte für Stuhl, hinten für Waschwasser. Die Exkremente werden mit einer Handvoll Trockenmasse wie Sägemehl oder Asche abgedeckt. Durch die Abdeckung wird die Geruchsbildung selbst bei hohen Temperaturen vermieden. Der Urin fließt in einen Plastikkanister und wird zur Düngung auf dem Feld genutzt. Das Waschwasser versickert in einem ganz kleinen Sickerloch. Urin ist hygienisch unbedenklich und ein guter Dünger. Die Kammer der Exkremente wird erst geöffnet, wenn der Stuhl ein Jahr lang kompostiert wurde; dann ist er laut Forschung der Weltgesundheitsorganisation garantiert keim-, also ansteckungsfrei. Die Vorteile der Komposttoilette sind: a) sehr geringer Wasserbedarf; b) es kommt zu keinem Kontakt mit Abwasser; c) kein Bedarf an Kanalisation, Kläranlagen, Klärschlammverarbeitung usw.

Gemeindearbeit zum Komposttoilettenbau

Alle Begünstigten arbeiten am Bau der Toiletten mit. Sie heben die Gruben aus und beteiligen sich mit einem kleinen Anerkennungsbeitrag von wenigen Rupies. Die ersten Anschauungsobjekte wurden 2011 fertiggestellt.

Die Materialien, Toilettenbecken, Ziegel, Zement für das Aufmauern der Kammern und des Toilettenhäuschens, kosten ca. 250 Euro.

Dr. Annette Massmann

Spendenzweck

Indien: Komposttoiletten

Spendenkonto: Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe

GLS Gemeinschaftsbank eG

BLZ 430 609 67

Konto-Nr.: 12 330 010