Abstraktes Denken hilft zukünftigen Stadtplanern

Für die Ausstellung im Stadtlabor der Stadt Stuttgart „Jugendliche Räume“ bilden Zehntklässler der Freien Waldorfschule am Kräherwald ihre eigenen vier Wände im Modell nach.

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Als Lina-Marie anfing ihr Zimmer zu fotografieren, wunderte sich ihre kleine Schwester schon: „Die ganzen Sachen, die sonst kreuz und quer bei uns herumfliegen, legte ich einfach auf einen Haufen in der Mitte. Dann habe ich erst einmal die Zimmerecken mit unseren Betten aufgenommen, den Haufen dann wieder an den Rand geschoben um die restlichen Fotos zu machen“, erzählt die Fünfzehnjährige. Was sich hier nach einer neuen Aufräummethode anhört, ist in Wahrheit die Vorbereitung auf ein Projekt, das die Schüler der zehnten Klasse der Freien Waldorfschule am Kräherwald mit dem Stadtlabor Stuttgart durchführen.

Was ist wichtig im eigenen Zimmer?

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Unter der Leitung des Münchner Architekten Andreas Ernstberger bauen 26 Jugendliche ihr eigenes Zimmer als Modell im Maßstab 1:20 nach. Als Hausaufgabe brachte jeder von ihnen Fotografien vom eigenen Reich mit sowie die genauen Abmessungen von Zimmer, Schrank, Bett und Tisch. „Ein Modell ist keine Puppenstube“, erklärte Ernstberger zu Beginn des Projekttages. „Denkt abstrakt und überlegt Euch, was Euch in Eurem Zimmer wichtig ist.“ Mit Bleistift, Schnitzmesser und Lineal geht es also an die Arbeit. Sehr zur Freude der Fußgänger, die am Schaufenster des Stadtlabors vorüber zogen und verwundert die Aktivitäten der Waldorfschüler verfolgten. „Wir haben bisher eher mit jüngeren Schülern gearbeitet. Nun sind wir ganz gespannt, wie eine zehnte Klasse unsere Ausstellungsidee zum Thema „WOHNEN“ umsetzt“, sagt Museumspädagogin Silvia Gebel. Dabei ist der Nachbau des eigenen Zimmers nur der erste Schritt des Projektes „Jugendliche Räume“. Zusammen mit ihrem Klassenlehrer Matthias v. Radecki besuchen die Zehntklässer die Stuttgarter Werbeagentur Jung von Matt, um dort das komplett nachgebaute Jugendzimmer eines achtzehnjährigen, durchschnittlichen Jungen zu besichtigen. Mit diesen Anregungen bilden die Jugendlichen dann das zweite Modell ihres Zimmers im Stadtlabor am kommenden Donnerstag und gestalten es nach ihren Wünschen um.

Chance für zukünftigen Städtebau

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„Durch das bewusste Betrachten des eigenen Lebensraumes bekommen die jungen Menschen die Chance in neuen Dimensionen zu denken“, sagt Andreas Ernstberger „Es geht dann nicht mehr darum ein Bett zu verschieben oder einen Schrank sondern vielmehr Wände einzuziehen, Fenster neu zu setzen oder vielleicht auch einen Balkon zu planen.“ Die Gefahr, dass die Eltern nun in nächster Zeit mit großflächigen Renovierungsarbeiten der Zehntklässler rechnen müssten, sieht der Architekt weniger. Vielmehr erkennt er eine Chance für den Städtebau der Zukunft in dem Projekt: „Wer gelernt hat, abstrakt zu denken, wird später auch keine Schwierigkeiten haben sich an einer Stadtplanung aktiv zu beteiligen.“

Quelle: Freie Waldorfschule am Kräherwald