18.9.

Obertöne hören und singen

Die Stimme ist ein einzigartiges Instrument der menschlichen Seele. Sie trägt unsere „Stimmung“ in die Welt und lässt sie dem Lauschenden zum klangvollen Erlebnis werden. Was ist es, was jede Stimme so einzigartig erklingen lässt und sie stimmt ?

Es sind die Obertöne, die unseren Worten und Gesängen die melodische Klangfarbe und ihre Schwingungsordnung verleihen. Beim Obertongesang sondern wir aus dem Tonspektrum der Gesangstimme Einzeltöne heraus, die auf einem Grundton basieren und lassen sie erklingen. Mit feinen Zungen- und Lippenbewegungen werden die Resonanzräume der Vokale, die Formanten, so aufeinander abgestimmt, dass ein einzelner Oberton an Lautstärke deutlich hervortritt. Es entsteht das Hörerlebnis einer Mehrstimmigkeit, deren Brillanz und Zauber den besonderen Charakter des Oberton-gesanges ausmacht.

Urklang aus dem Universum

Die Obertöne sind die Bausteine, die Atome des Klanges, die Ursubstanz der Sprache und des Musikalischen. Sie sind eingebettet in die „lauschende Stille“ eines kosmischen Klangbettes, das jeden Ton, jedes Wort umschließt und trägt und das zu den Obertönen gehört, wie die Atome von der erfüllten Leere des Raumes umgeben und getragen werden.

Obertöne sind „stille“ Klänge, die in die vertikale Dimension, in die Klangtiefe führt.Wenige Obertöne, ja ein einziger können zu einem klingenden zeitlosen Raum werden.

Vom Lebensbeginn, unserem ersten Schrei bei der Geburt bis zum letzten Atemzug tragen die Obertöne unsere Stimmklänge. Ersetzen wir das wissenschaftliche Unwort „UrKnall“ durch UrKlang kommen wir in den Bereich, aus dem die Obertöne geboren sind, aus dem Universum, lateinisch – in das Eine gewandt -.

Brücke zur geistigen Welt

Die großen Kulturen des Altertums und des Mittelalters verehrten ihre Gottheit mit Sprachgesängen und Klangritualen, in denen die Obertöne eine bedeutende Rolle spielten. Mit ihrer Hilfe wurde die Brücke zur geistigen Welt gesucht und hergestellt.

Mit dem Herabsteigen aus der Welt des Klanges in die Materie verfestigte sich die Welt und wurde materieller. Auch der Klang tauchte unter in die feste Form, die Sprache und die Musik vergaßen ihren himmlischen Ursprung und die Obertöne ordneten sich den Grundtönen unter, um lediglich in den Liturgien einiger Kirchen versteckt, auf das verborgene Dasein ihres sphärischen Ursprunges hinzuweisen.

Heute beginnen wir die Klangdynamik der Obertöne wieder zu hören. Wir müssen uns diese klingende Himmelsleiter nicht einmal erwerben, sie steht bereits jedem Menschen zur Verfügung und lädt uns ein, sie zu unserem Instrument zu machen und ihre kosmische Klangfülle und belebende Energie zu erfahren. Notenkenntnisse sind dazu nicht erforderlich, lediglich ein „offenes Ohr“.

Willi Finkenrath

Sonntag 18. September, Langenberger Stimmklang-Tage, 10-16 Uhr. Kosten: 20,-. Veranstaltungsort: Waldorfkindergarten Velbert.

Ab Donnerstag, 30. September, Obertöne hören und singen, 7 Abende, Kosten: 100,-. Veranstaltungsort: Praxis Lionardo, Hauptstr. 33, 42555 Velbert.