24.-27.11.

WEST SIDE STORY

Gesang-, Tanz- und Theaterprojekt der Klasse 12 A

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West Side Story – die Mutter aller Musicals: leidenschaftlich, zerstörerisch, anspruchsvoll, vielfältig, aber schon hundert Mal inszeniert. Da ist langsam die Luft raus, oder? Denkste. Beim Blick hinter die Kulissen der West Side Story-Inszenierung der Freien Waldorfschule am Kräherwald in Stuttgart kann man es kaum erwarten, bis endlich November ist und der Vorhang sich öffnet.

Proben mit Stimmbildung und Tanz

Es ist 14 Uhr und Schüler mit fröhlichen Gesichtern betreten den Probenraum, flanieren mit einer anmutigen, bereits erkennbaren Bühnenpräsenz. Die ersten Proben nach den großen Sommerferien haben begonnen. Es geht los, Warm-up. 31 Schüler, denen man die Sommerpause nicht anmerkt, bewegen sich zaghaft, dann sicher zu den ersten Bongo-Klängen, die aus den Lautsprechern schallen. Knapp zwei Monate vor dem großen Auftritt ist nichts von Lampenfieber oder Anspannung zu spüren. „Waldorfschüler sind eben bühnenfest“ weiß die 17-jährige Alba zu berichten. Mit spielerischer Herangehensweise wurden die Schüler auf die Bretter, die für so manchen die Welt bedeuten, vorbereitet. Zu Beginn der Proben im letzten Jahr wurden Einzelstimmbildung wie auch gemeinsame Stimmbildungskurse angeboten. Schritt für Schritt probierten die Akteure unter Anleitung von Annerose Krämer, Stimmbildnerin, Josef Wiest, musikalischer Leiter und Dirigent und Choreografin Carmen Voigt erst Stimmen, dann Tänze aus. Dabei kristallisierten sich langsam einzelne Rollen heraus.

Kira spielt Maria, die Hauptrolle. Ihre schönste Erfahrung beim Tanztheaterprojekt: „Man hat einen Wunsch, arbeitet auf ein Ziel hin und plötzlich geht der Wunsch in Erfüllung, man erreicht sein Ziel“.

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„Die West Side Story – das ist ein bisschen Shakespeare, romantisch, wild, klassisch. Und es ist ein brandaktuelles Thema, weil verschiedene Kulturen aufeinander treffen“, schwärmt Sommerlad von seiner neuesten Tanzproduktion an der Freien Waldorfschule am Kräherwald. „Das Musical ist ein Gesamtkunstwerk, es verbindet Musik, Sprache und Tanz – und genau darin liegt die Herausforderung: Man muss allen drei Kunstformen gleichermaßen gerecht werden.“ Die Schüler der 12 A haben die Herausforderung angenommen. Seit einem Jahr proben sie das Musical. Mit viel Engagement und Teamwork, aber auch eigenverantwortlichem Handeln geht es voran.

Bereits vor vielen Jahren hatte Sommerlad einen Traum: die West Side Story einmal mit jungem Nachwuchs künstlerisch zu erarbeiten. Heute geht der in Erfüllung. Er ist begeistert von seiner Truppe: „Es ist erstaunlich, was die Schüler hier leisten.“ Dazu haben wohl auch die langjährigen Erfahrungen des Regisseurs auf Schweizer Bühnen beigetragen.

Das Ergebnis eines Jahres Arbeit belohnt Schüler, Trainer und Lehrer mit Erfahrungen und diese am Ende die Zuschauer.

Die Umsetzung folgt dem Original, da setzt der Lizenzgeber strenge Auflagen. Hinderlich ist das nicht unbedingt, findet Sommerlad: Das Thema der West Side Story ist so, wie es vorliegt, noch immer ein aktuelles Thema. Es lässt sich leicht auf andere aktuelle Debatten übertragen, verliert keinesfalls an Farbe.

Auch die Bühne setzt große Hoffnungen: Ein Podest inmitten der ersten Sitzreihen ist geplant. Das Orchester ist – was manche Opernbesucher sich heimlich wünschen – gut sichtbar, direkt auf der Bühne. Ca. 500 Besucher passen in den geräumigen Rudolf-Steiner-Festsaal, der sogar über eine Empore verfügt.

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Theaterprojekte sind an der Freien Waldorfschule am Kräherwald seit jeher etabliert. Durch die gemeinsame Erarbeitung dramaturgischer Konzepte und Bühnenpräsentationen lernen die Schüler nicht nur ein besseres Miteinander, sondern fördern auch ihre eigene Persönlichkeit, indem sie ihre Grenzen innerhalb eines geschützten Raumes austesten, neu definieren können. Ganz im Sinne dieses Impulses entwickelte sich auch das Gesang- und Tanz-Pilot-Projekt. Ziel der Initiative ist es, Gesang und Tanz als festen Bestandteil der Bildung nachhaltig zu etablieren.

Auszüge aus dem Artikel von Julie Beau, Zeitung: trott-war, Oktober 2011

West Side Story: es geht um große Träume – um Hoffnung, die schmale Grenze zwischen Liebe und Hass, den Kampf um Anerkennung, unlösbar erscheinende Konflikte, um Tragik und am schrecklichen Ende, welches zugleich ein neuer Anfang ist, um Versöhnung. Gefühle, die uns allen sehr vertraut sind – und genau darin besteht die Zeitlosigkeit dieses Stückes.

Wir haben es uns als Klassengemeinschaft zur Aufgabe gemacht diesem vielseitigen Musical auf der Theaterbühne unserer Schule ein Comeback zu bereiten!

Da haben wir uns viel vorgenommen. Um ein so anspruchsvolles Projekt angemessen zu verwirklichen, bedarf es einer ganzen Menge: Zusammenhalt, Wille, Zielstrebigkeit, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen, vor allem aber Spaß an der Sache, und nicht zuletzt der nötigen Finanzen. Aber es ist nicht nur eine Investition in ein vielversprechendes Projekt, es ist auch eine Investition in die Zukunft, in junge Menschen, denen auf diesem Weg ermöglicht wird, ihre Grenzen auszutesten und verborgene Potenziale zu entdecken!

Und wir sind auch schon mittendrin: Angefangen haben wir mit Gruppenstimmbildung und Chorsingen, bald kam dann auch Einzelstimmbildung hinzu und bis zum ersten gemeinsamen Auftritt war es nicht weit. Inzwischen haben wir uns weiter auf die Einzelstimmbildung fokussiert, aber auch der Chor sowie das Singen in kleinen Ensembles gehört fest zum Programm. Außerdem haben wir begonnen, Tanzunterricht zu nehmen und nähern uns so als Gruppe schrittweise langsam, aber sicher unserem Ziel.

Aber all dies könnte nicht stattfinden, ohne die unglaublich kreativen und emanzipierten Menschen, die uns auf unserem Weg unterstützen und mit Rat und Tat zur Seite stehen!

Josefine Geib, Schülerin der Klasse 12a, Freie Waldorfschule am Kräherwald

Donnerstag 24.11. – Sonntag 27.11.2011, West Side Story, jeweils um 20 Uhr, Festsaal, Freie Waldorfschule am Kräherwald, Stuttgart.

Musikalische Leitung: Josef Wiest; Regie: Christian Sommerlad; Stimmbildung: Annerose Krämer-Hübner; Tanz: Carmen Voigt.

Fotos: Fotograf B. Eidenmüller