Welche Energiewende?

Wird die Energiewende falsch angegangen, drohen Stromausfälle und extreme Preisanstiege. Eine optimierte Umbaustrategie sichert dagegen große wirtschaftliche Vorteile, Importunabhängigkeit und einen Vorsprung für die Industrie. Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen und Franz Untersteller, grüner Umweltminister in Baden-Württemberg werfen in einem Artikel für die TAZ (v. 22.8.2011, Anm. der Redaktion) die vier entscheidenden Fragen auf.

Erstens: Sollen Erneuerbare dezentral oder zentral entstehen? Strom aus Photovoltaik ist mit 20 Cent je Kilowattstunde etwa gleich teuer wie der Strom aus Offshore-Windkraft, rechnet man die Transportkosten ein. An Land ist dagegen Windkraft-Strom nur halb so teuer. Dennoch hat die Regierung die Förderung der Photovoltaik und der Windkraft an Land drastisch gekürzt und die Förderung von Off-Shore-Wind stark erhöht. Off-shore Windpark können nur die finanzstarke Konzerne bauen. Den vier Stromriesen gehören ohnehin bereits rund 80 Prozent aller Kraftwerke.

Zweitens: Stromspeicherung. Pumpspeicherwerke, Batteriespeicher oder Erdgasspeicher? Überflussstrom kann Wasserstoff erzeugen und dieser kann ins Erdgasnetz eingeleitet und damit gespeichert werden. Batteriespeicher sind teuer und setzen einen Ausbau der Mittelspannungsnetze voraus. Die Speicherfrage muss dringend gelöst werden. Einen Königsweg gibt es nicht.

Drittens: Welche Überbrückungskraftwerke? Starke Kräfte in CDU und SPD wollen neue Kohlekraftwerke. Für die Grünen sind hocheffiziente Gaskraftwerke die einzige akzeptable fossile Brücke. Es ist fraglich, ob solche Kraftwerke, weil sie nur wenig in Betrieb sein werden, überhaupt wirtschaftlich sind.

Viertens: Netzausbau. Die richtigen Netze kann man nur bauen, wenn man die Standorte der künftigen Stromerzeuger und Speicher kennt.

Die Fachwelt beginnt gerade erst, diese Fragen aufzugreifen.

Quelle: Energiedepesche 3-2011