Ökotextilversender Hessnatur

Neu gegründete Genossenschaft soll Verkauf an Finanzinvestor verhindern

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Kunden und Mitarbeiter des Ökotextilversender hessnatur haben gemeinsam mit Vertretern von Attac, dem Netzwerk Solidarische Ökonomie und der Kampagne für „Saubere Kleidung“ eine Genossenschaft zur Weiterführung von Hessnatur gegründet.

Zur Gründungsinitiative war es gekommen, nachdem Ende 2010 bekannt wurde, dass der Private Equity Fonds Carlyle Hessnatur übernehmen will. Mitarbeiter und Kunden empfinden es als unzumutbar, dass der ursprünglich anthroposophisch geprägte Vorreiter in Sachen Ökomode künftig unter dem Dach eines Konzerns weitergeführt werden könnte, der unter anderem auch im Rüstungsgeschäft aktiv ist.

Innerhalb weniger Wochen unterzeichneten rund 10.000 Menschen den Attac-Aufruf zur Aktion „Kein Waffengeld bei Hess Natur!”. Doch es ist nicht beim Protest geblieben: Die Initiatoren haben ein konkretes Gegenmodell entwickelt, das zukunftsweisend sein könnte. „Seit Beginn der 35-jährigen Unternehmensgeschichte ist Hessnatur ein Pionier im Bereich der ökologischen und fairen Textilproduktion. Jetzt könnten wir darüber hinaus ein demokratisches Vorzeigeunternehmen werden”, erklärt Walter Strasheim-Weitz, Betriebsratsvorsitzender von hessnatur und Vorstandsmitglied der neu gegründeten HnGeno. „Eine solche Entwicklung wäre übrigens auch ganz im Sinne der ursprünglichen Unternehmensphilosophie des Firmengründers Heinz Hess, der immer wieder über alternative Geschäftsmodelle nachgedacht hat.”

In Kürze soll ein Treuhandkonto eingerichtet werden, auf dem Genossenschaftsanteile ab einer Höhe von 250 Euro gesammelt werden – das gibt den potentiellen Mitgliedern die Sicherheit, dass ihr Geld nur fließt, wenn es tatsächlich zum geplanten Kauf kommt. Das Interesse ist groß: Auf der Website „www.hngeno.de“ haben sich derzeit bereits gut 2.000 Interessenten eingetragen.

Um Hessnatur tatsächlich kaufen zu können, muss die HnGeno allerdings noch einen weiten Weg zurücklegen. Auch wenn der Anfang März in einem Bericht der „Taz“ genannte mögliche Kaufpreis von 30 Millionen Euro wohl eher die Preisvorstellungen des Verkäufers spiegelt, ist klar, dass noch viele Mitglieder gewonnen werden müssen – darunter auch solche, die größere Summen einbringen können.

Medienstelle Anthroposophie

Foto: Attac