Das Leben Rudolf Steiners

Biographien neu aufgelegt und neue Biographien im Gespräch

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Das 150. Geburtsjahr von Rudolf Steiner war Anlass von drei großen Publikumsverlagen, neue Steiner-Biographien herauszugeben. Nach dem umfassenden Werk „Rudolf Steiner - eine Biographie“ aus dem Verlag Freies Geistesleben, eine Neuauflage eines bereits weit verbreiteten Werkes von Christoph Lindenberg, sind jetzt drei Biographien erschienen, verfasst von nicht-anthroposophischen Autoren.

Autoren im Dialog

Auf Einladung der in Frankfurt ansässigen Medienstelle Anthroposophie suchten Anthroposophen den Dialog mit diesen Biographen, die aus nicht-anthroposophischer Sicht Steiners Leben untersucht und dargestellt haben. Auf einer Pressekonferenz berichteten die Autoren Miriam Gebhardt, Heiner Ullrich und Helmut Zander, was sie an der Auseinandersetzung mit Steiner gereizt hat und welche Bedeutung seine Ideen ihrer Einschätzung nach heute noch haben.

Der Historiker Helmut Zander, Autor der 2007 erschienenen umfangreichen Studie „Anthroposophie in Deutschland”, beobachtet ein gestiegenes nicht-anthroposophisches Interesse an Steiners Biographie: „Dabei öffnet sich eine klassische Schere: Die Motive reichen von existenzieller Anverwandlung bis zu pragmatischer Steinbruch-Nutzung.” Die Anthroposophen selbst sieht er eher als „Materiallieferanten”: „In der außeranthroposophischen Steiner-Deutung sind sie kaum mehr mit einem eigenständigen Deutungsanspruch präsent.”

Heiner Ullrich, Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Mainz, legt in seiner Steiner-Biographie einen Schwerpunkt auf die Waldorfpädagogik. Auch er konstatiert das „Rätsel Steiner”: „Kaum eine andere intellektuelle Persönlichkeit hat eine so starke und immer noch zunehmende erziehungs- und lebensreformerische Wirkung entfaltet und dabei eine vergleichsweise so geringe Beachtung in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit gefunden wie Rudolf Steiner.”

Die Historikerin Miriam Gebhard, die als Privat-Dozentin an der Universität Konstanz lehrt, zeigte sich vor allem überrascht von Steiners Modernität: „Das betrifft nicht nur sein Denken und die daraus abgeleiteten Praxisfelder, die bis heute wachsenden Zuspruch erhalten. Das betrifft auch sein eigenes Leben. Er verweigerte einen klassisch-bürgerlichen Lebenszuschnitt und ‚erfand‘ sich immer wieder neu.” Sie sieht Steiner als einen „wahrhaftig modernen Propheten – einen Propheten nicht nur für ganzheitliches Leben und spirituelle Sinnfindung, sondern auch für die Arbeit am eigenen Selbst, die so typisch ist für unser psychologisches Zeitalter.”

Für Jens Heisterkamp, als Verantwortlicher Redakteur der Monatszeitschrift Info3 – Anthroposophie im Dialog ebenfalls Podiumsgast, liegt der Schlüssel zur anhaltenden Wirkung der von Steiner inspirierten Reformen in dessen aufgeklärter und weltzugewandter Spiritualität: „Steiner entwickelte auf einer philosophischen Basis eine spirituelle Weltsicht, in der die Selbstbefreiung von uns Menschen zum Ganzen des Kosmos hin angelegt ist. Dazu hinterließ er Anregungen für die Meditation und für eine achtsame, bewusste Lebensführung.”

Quelle: Medienstelle Anthroposophie

Eine Steiner-Bibliographie

Wer sich weiter informieren möchte, sei auf eine umfangreiche zwölfseitige Bibliographie zu Steiner-Biographien seit 1925 bis 2011 verwiesen, die Ramon Brüll mit Unterstützung der Rudolf Steiner Bibliothek in Stuttgart erstellt hat (www.medienstelle-anthroposophie.de). Nach einem erläuternden Vorwort sind dort unter folgenden sieben Rubriken autobiographische Werke von bzw. biographische Werke über Rudolf Steiner aufgelistet: Autobiographien, Erinnerungs- und Verehrungsliteratur, Geografische, zeitliche und fachgebietsbezogene Studien, Biographische Studien und Interpretationen, Chroniken, Umfassende Biographien (bis 1995) und Neuere Veröffentlichungen (ab 1995). Während es kaum autobiographische Erläuterungen von Steiner selbst zu seinen persönlichen Fragen gibt, ist die Erinnerungsliteratur von Mitarbeitern und Bewunderern Rudolf Steiners, sowie die Spezialstudien über Teilaspekte der Biographien sehr umfangreich. Die von Brüll erstellte Bibliographie erhebt gerade in diesem Teil seiner Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Jedoch können jene die autobiographischen Erläuterungen von Rudolf Steiner in „Mein Lebensgang“ detailliert vervollständigen. Das Jubiläumsjahr zu Rudolf Steiner hat eine weitere Öffnung bewirkt - während bis dahin Publikationen zu und über Steiner in meist ausschließlich in anthroposophisch orientierten Verlagen erfolgten und sich auch eher an einen anthroposophisch orientiertem Leserkreis wandten, ist die biographische Schilderung von Steiners Lebensweg und -werk jetzt auch bei den Publikumsverlagen aufgenommen worden und damit auch nicht-anthroposophisch orientierten Lesern näher gekommen.

red./Michaela Frölich

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Miriam Gebhardt: Rudolf Steiner. Ein moderner Prophet, Verlag DVA 2011, geb. 368 Seiten, EUR 22,99.

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Heiner Ullrich: Rudolf Steiner. Leben und Lehre, Verlag C.H. Beck 2010, 266 Seiten, EUR 19,95.

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Helmut Zander: Rudolf Steiner. Die Biografie, Verlag Piper 2011, 536 Seiten, EUR 24,95.

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Christoph Lindenberg: Rudolf Steiner - Eine Biographie. Taschenbuchausgabe, Sonderausgabe zum 150. Geburtstag Rudolf Steiners am 27.02.2011,183 Abbildungen, kartoniert 1025 Seiten, Verlag Freies Geistesleben 2011. EUR 19,90.

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Foto: Frank Schubert

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