Aus der Arbeit der Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe bei der GLS Treuhand

Kenia: Bildungschancen für Kinder in Selenkay

Massai gründen einen Kindergarten

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Ein Kindergarten – Bildungschancen für die Kinder in Selenkay

Selenkay liegt im Südwesten Kenias. Es ist traditionell Massai-Gebiet. Dornige Akazien beherrschen die Landschaft, gelbes, dürres Gras auf roter, staubiger Erde, so weit das Auge reicht. Eine Infrastruktur mit Kindergarten, Schule, Gesundheitsstation gibt es in dieser Gegend nicht. Das wollen die Massai ändern.

Antilopen, Giraffen und Strauße durchstreifen das Gelände auf der Suche nach Gras und Wasser. Von ihrem Vieh, vor allem von Rindern, aber auch von Schafen, Ziegen und Eseln leben die Massai. In der letzten großen Dürre 2009 verloren die Menschen etwa die Hälfte ihrer Tiere. Der Regen fällt immer unregelmäßiger und die Zeit von Regen zu Regen wird länger.

Die Massai leben in Rundhütten, den Manjatas. Sie sind aus Lehm und Kuhdung gebaut. Das Dach ist niedrig, im Inneren ist es dunkel – das hält Mücken und Fliegen draußen. Die Bauweise ermöglicht ein wohl temperiertes Klima im Inneren. Das nächste massiv gebaute Gebäude liegt etwa sieben Kilometer entfernt. Es ist eine Zementfabrik – Zeuge einer anderen Welt.

In den letzten Jahren kamen viele Kinder dieser entlegenen Gemeinde zur Steiner Schule nach Mbagathi, Nairobi. Ihr Schulbesuch wird durch Patenschaften ermöglicht. Schon länger fragte ich mich, wie die Massai darauf gekommen waren, ihre Kinder zu dieser entfernten Schule zu schicken. Und was waren ihre Erfahrungen und Wünsche? So wurde Selenkay zu einer Station im Rahmen meiner Kenia-Projektreise und für mich zu einem Ort der Begegnung mit Leonard Onetu.

Leonard Onetu, ein Mittler zwischen Welten

Leonard war von seinem Clan ausersehen, eine Schulbildung zu erhalten, die die Gemeinschaft bezahlte. Er absolvierte Internatsschulen bis zum Abitur, studierte Soziologie und schloss mit einem Master ab. Unter den rund 146.000 Menschen des gesamten Distriktes ist Leonard Onetu bis heute der einzige Universitätsabsolvent. Mehrere Jahre arbeitete er für verschiedene kenianische Nichtregierungsorganisationen, dann wuchs in ihm der Wunsch, etwas von dem zurückzugeben, was er durch seine Gemeinschaft erhalten hatte.

Gemeinsam mit den Ältesten überlegte er, was er tun könnte. Sie entschieden sich, auf 106 Hektar Gemeindeland ein Camp für Touristen, das „Selenkay Amboseli Camp”, aufzubauen. Etwa 30 Gemeindemitglieder arbeiten in der Bewirtung, dem Kulturprogramm oder als Safariführer. Zurzeit gibt es zwei „Luxuszelte” mit insgesamt sechs Betten, Badezimmer und freiem Blick in die Natur sowie fünf einfache Ein-Mann-Zelte. Das Camp erwirtschaftet genug, um mit der Regierung die Verlegung einer Wasserleitung zu verhandeln und auch das Wasser für die gesamte Gemeinde zu bezahlen.

Doch die Schulbildung, so Leonard Onetu, sei immer noch das größte Problem für die Kinder von Selenkay. In der Umgebung gibt es keine staatlichen Schulen und Geld für private Schulen haben die Massai nicht.

Von Selenkay nach Nairobi zur Steiner Schule

Während des Besuchs einer holländischen Touristin knüpfte er Kontakt zur Steiner Schule. „Die Atmosphäre dort ist sehr schön”, sagt Leonard Onetu, „die Kinder wachsen freier auf als an anderen Schulen, ihre Ausbildung ist gut und vielseitig, musisch und praktisch orientiert.” Und er fügt hinzu, dass die Massai sehr soziale Menschen seien, sehr aufeinander bezogen – diese Kultur werde auch an der Steiner Schule gefördert. Auch das in dieser Schule vermittelte Naturverständnis passe nun einmal besser zu ihrer Kultur. Aber die Schule liegt in Nairobi, weit entfernt von Selenkay – zu weit für kleine Kinder, von denen es viele gibt.

Ein Kindergarten von und für die Massai-Gemeinde

Deshalb will die Gemeinde nun in Eigenregie einen Kindergarten mit zwei Gruppenräumen und einem kleinen Büro bauen. Sie stellt das Gelände zur Verfügung und steuert zusätzlich zu ihrem Arbeitseinsatz vor Ort verfügbare Baumaterialien wie Sand, Kies und Wasser bei. Zwei Frauen und zwei Männer der Massai, die Sekundarschulen abgeschlossen haben, absolvieren in Nairobi bereits die Ausbildung zur Waldorf-Kindergärtnerin beziehungsweise zum Kindergärtner.

Leonard Onetu: „Der Kindergarten wäre ein großes Glück für unsere Gemeinde. Er gäbe uns die Möglichkeit, die pädagogischen Inhalte, die uns als Massai wichtig sind, mit einer guten Ausbildung für unsere Kinder zu verbinden.” Und lächelnd fügt er hinzu: „Vielleicht kann dies ja der erste Schritt für eine ganze Schulentwicklung werden …?”

Für den Bau des Kindergartens sind ca. 38.000 Euro notwendig. Bei 108 Kindern sind dies pro Kind 352 Euro.

Dr. Annette Massmann

Spendenzweck

Kenia: Massai-Kindergarten Selenkay

Spendenkonto: Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe

GLS Gemeinschaftsbank eG

BLZ 430 609 67

Konto-Nr.: 12 330 010

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