Solarenergie

Ein Kommentar zur aktuellen Diskussion über Strompreise und Solarenergie

Im vergangenen Jahr gab es ein gewaltiges Solarwunder in Deutschland. Es wurden 240.000 neue PV-Anlagen (Photovoltaikanlagen/Solarstromanlage: Anm. der Redaktion) mit einer Leistung von etwa 8.000 Megawatt gebaut. Das ist die Leistung von sechs Atomkraftwerken. Damit hat sich in einem Jahr die PV-Erzeugungskapazität in Deutschland verdoppelt!

Einen solch raschen Aufbau neuer Stromerzeugungsanlagen hat es noch nie zuvor gegeben, nirgendwo auf der Welt! Richtig ist auch, dass alle Verbraucher dafür in den kommenden 20 Jahren Vergütungen von jährlich 1,5 Milliarden Euro zahlen müssen. Aber genauso wahr ist, dass drei der vier großen Stromkonzerne allein im Jahr 2009 23 Milliarden an Gewinn eingestrichen haben, doppelt soviel wie im Jahr zuvor: Von uns Verbrauchern – ohne dafür Kraftwerke und Leitungen zu bauen.

Die neuen PV-Anlagen erzeugen jetzt jährlich zwei Prozent des bundesweiten Stromverbrauchs. Das ist zwar viel, aber noch lange nicht genug. Wir brauchen ein weiteres Wachstum der PV. Wir haben es geschafft, der Solarenergie einen gewaltigen Wachstumsimpuls zu verpassen. Dieser Impuls muss genutzt werden, damit die Solarenergie noch weiter wächst und weiter immer günstiger wird, damit wir uns so schnell als möglich vom Preiswucher der Konzerne verabschieden können. Denn der kommt uns alle viel teurer zu stehen, als der Ausbau der Erneuerbaren. Während die Produktionskosten der Erneuerbaren Jahr für Jahr sinken, steigen die Kosten für Kohle- und Kernkraftstrom unaufhaltsam. Wer dauerhaft günstigen Strom haben will, ist für die Erneuerbaren und nicht gegen sie.

PV-Strom ist praktische Energie-Demokratie: Es gibt bereits über 600.000 einzelne PV-Anlagen. Hunderttausende von Bürgern investieren schon heute mehr Geld in PV-Anlagen, als die Stromkonzerne in neue Kraftwerke. Wer sein Geld in Solaranlagen investiert, verdient unsere Bewunderung und das finanzielle Engagement ist eine angemessene Honorierung durch uns alle wert.

Erneuerbarer Strom senkt über das Angebot an der Strombörse bereits heute den Preis für den schmutzig und gefährlich hergestellten Strom für alle Verbraucher jährlich um mindestens fünf Milliarden Euro.

Lassen wir uns nicht vor den Karren der Stromkonzerne spannen, die um ihre Marktanteile fürchten und die PV durch Deckelung und drastische Absenkung der Vergütung kaputt machen wollen.

Solarenergie ist praktizierter Verbraucherschutz.

Dr. Aribert Peters

Quelle:

Energiedepesche 1-2011