Anatevka - Ist es Liebe?

Inklusives musikalisches Schattentheater-Projekt zum Hessentag in Oberursel

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In diesem Jahr 2011 findet der Hessentag im Rhein-Main-Gebiet statt, genauer gesagt in Oberursel. Die Stadt versteht sich als Ort mit einem reichen und vielfältigen Angebot an Schulen und möchte sich anlässlich eines so herausragenden Ereignisses, wie dem Hessentag, u.a. auch durch ihre Bildungsvielfalt repräsentieren. Beiträge der Schulen zum Hessentag sind vor diesem Hintergrund sehr erwünscht.

Albrecht-Strohschein-Schule

So wurde das für dieses Jahr vorgesehene 8.-Klass-Spiel der Albrecht-Strohschein-Schule, als Theaterprojekt mit einer ganz eigenen Prägung und Inszenierung, zum Hessentagsbeitrag der Schule. Die Albrecht-Strohschein-Schule ist eine heilpädagogische Waldorfschule, die auf der Grundlage der anthroposophischen Menschenkunde arbeitet. In ihr werden SchülerInnen in den Bereichen „Praktisch-bildbar“ und „Lernhilfe“ auch in Verbindung mit Körperbehinderung und Erziehungshilfebedarf von Klasse 1 bis 12 unterrichtet.

Vor dem Hintergrund der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (Inklusion), die Deutschland im Jahr 2009 unterzeichnet hat, beschäftigt sich das Kollegium der Schule derzeit mit der Thematik der Umsetzung dieser Rechte. In schulübergreifenden Projekten, an denen sich Klassen einer Jahrgangsstufe aus der Albrecht-Strohschein-Schule und benachbarten Schulen, wie zum Beispiel der Grundschule am Urselbach oder der Vordertaunus-Schule beteiligen, kommen Schüler und Schülerinnen mit und ohne Behinderung zur gemeinsamen Arbeit zusammen. Diese ersten Begegnungen helfen bei der gegenseitigen Wahrnehmung und beim Abbau womöglicher Berührungsvorbehalte. Ein zunächst noch ungeübtes Miteinander kann zu einer gegenseitigen Bereicherung werden.

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Das Theaterprojekt

In diesem Sinne versteht sich auch das Theaterprojekt Anatevka - ‘Ist es Liebe?´ als Projekt einer Gemeinschaft von Menschen mit und ohne Behinderung. Es handelt sich hierbei um das als Schattenspiel inszenierte Musical Anatevka von Joseph Stein. Insgesamt begeben sich ca. 40 Menschen in einen gemeinsamen Arbeitsprozess – Schüler und Schülerinnen, Eltern, Geschwister und LehrerInnen der Albrecht-Strohschein-Schule. Professionelle Chor- und Orchesterleitung, Musiker (Piano, Violine und Klarinette), ein Laienchor sowie Sprecher treten in den unmittelbaren Austausch mit den im Schattenspiel agierenden SchülerInnen. So tragen alle Mitwirkenden gleichermaßen mit ihren Fähigkeiten und ungeachtet ihrer Behinderungen zum Gelingen des Gesamtwerkes bei.

Darüber hinaus steht der Inhalt des Musicals, repräsentiert durch den Milchmann Tevje, für die Überwindung von inneren und äußeren Barrieren, für ein sich Öffnen und Vertrautmachen mit dem Fremden, schließlich für den Inklusionsgedanken schlechthin! Nicht zuletzt ist es die Liebe zu seinen Töchtern, die Tevje diesen gewaltigen und zukunftsweisenden Schritt vollziehen lässt.

Das gemeinsame Theaterprojekt lebt durch die Vielfalt einer Gemeinschaft von Menschen – einer Gemeinschaft, in der auch die Schwächsten unserer Gesellschaft dazugehören. Es möchte zeigen, dass Vielfalt nicht auf Kosten von Qualität gehen muss. Möge das Musical in seinem ganz eigenen Zusammenspiel die Zuschauer ansprechen und ein bescheidener Schritt in Richtung eines inklusiven Bildungssystems sein.

Doris Benner

Aufführungstermine:

Mi. 8. Juni, 19 Uhr

Sa. 11 Juni, 17 Uhr, öffentliche Veranstaltung im Rahmen des Hessentages; Veranstaltungsort: Albrecht-Strohschein-Schule, Saal/Erdgeschoss, Marxstr. 22, 61440 Oberursel. Veranstaltungsort ist nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen; U 3 Haltestelle Oberursel/Lahnstraße.

So. 19. Juni, 16 Uhr, Gastspiel in gekürzter Fassung im Rahmen des Sommerfestes des Hauses Aja-Textor-Goethe im Saal des Rudolf-Steiner-Hauses, Hügelstr. 67, 60433 Frankfurt am Main. Kosten: Eintritt frei.