Wie tief ist eigentlich der Himmel?

Kölner Aktionstag zum 150. Geburtstag Rudolf Steiners

Der Kölner Aktionstag zum 150. Geburtstag Rudolf Steiners vereinte die anthroposophischen Initiativen zu gemeinsamem Auftritt. Aus der Vergangenheit kam der Anlass – der 150. Geburtstag Rudolf Steiners; die Gegenwart lag im Titel „JETZT!“ und in der Präsenz von rund zwei Dutzend anthroposophischen Initiativen sowie einem Strom von Menschen, die zum Zuhören, Austauschen, Mitmachen kamen. Die Zukunft leuchtete immer wieder in den Vortrags- und Diskussionsbeiträgen auf – und natürlich auch am Kindergarten-Spieltisch. Mit dem großen Aktionstag in Köln am 28. und 29. Mai 2011 waren am Ende die Akteure ebenso zufrieden wie die Besucher.

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Info-Stände von Akteuren der Anthroposophie in Köln.

Es war ein großer Bogen, der sich vom einstimmenden Auftakt-Abend in der Waldorfschule Köln bis zum Aktionstag am Sonntag in der Musikhochschule spannte - mit fantasievoll gestalteten und dicht gedrängten Info-Ständen, facettenreichem Kurzvortrags-Programm, vielfältigen Schülerdarbietungen, einem anregenden Podiumsgespräch und zuletzt einem Pantomimen-Auftritt. Veranstalter war der Köln-Kreis, ein Zusammenschluss aller in Köln und Umgebung auf anthroposophischer Grundlage arbeitenden Einrichtungen und Initiativen – von Anthroposophischer Gesellschaft über Buchhandlung, Demeter-Hof, Freies Bildungswerk Rheinland, Zentrum für Anthroposophische Medizin bis zu Waldorfschulen und –kindergärten.

Das Rätsel Rudolf Steiner

EurythmistInnen bildeten zum Auftakt den stimmungsvollen Rahmen um den Vortrag von Johannes Kiersch, Autor und Pädagoge, über „Das Rätsel Rudolf Steiner“, in dem er auch kurz auf die Geschichte der Anthroposophie in Köln verwies; hier hatte Steiner 1912 die Anthroposophische Gesellschaft ins Leben gerufen. Kiersch zeichnete den Erkenntnisweg Steiners nach, seine biografischen Krisen und Wendepunkte, und unterstrich dabei immer wieder die heutige individuelle Verantwortung für die geistige Weiterentwicklung: „Wir müssen aufmerksam werden für das Entstehen esoterischer Räume, davon hängt die Zukunft ab angesichts der Leichenstarre des materialistischen Denkens!“

Anthroposophie heute und morgen

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Abschließendes Podiumsgespräch zur Aktualität der Anthroposophie heute.

In eine ähnliche Richtung entwickelte sich am nächsten Tag auch das Podiumsgespräch „Anthroposophie – aktuell auch für morgen?“, moderiert von Michael Schmock vom Arbeitszentrum NRW der Anthroposophischen Gesellschaft. Immer wieder schimmerte dabei durch, wie notwendig ein neues Aufgreifen des Dreigliederungsgedankens heute ist. Der Europa-Abgeordnete Gerald Häfner plädierte dafür, Anthroposophie zukünftig nicht nur als individuellen, sondern als sozialen Schulungsweg zu praktizieren. „Die großen gesellschaftlichen und die zwischenmenschlichen Fragen greifen immer ineinander!“ erklärte der Heilpädagoge Henning Köhler und der Künstler Johannes Stüttgen konstatierte: „Der soziale Organismus Staat ist krank, wir müssen die Begriffe neu klären!“ Auf welchem Wege das geschehen kann, deutete der Mediziner Dr. Markus Karutz an: „Aus dem Erleben in die Tat schreiten, das bringt Veränderung.“ Praktiziert wird das eindrucksvoll in der Demeter-Landwirtschaft, für die Hans von Hagenow vom Hof Bollheim überzeugend darlegte, wie er auf seinem als richtig erkannten Weg vorangeht, wie ihn die Überzeugung dabei trägt – und wie sie sich sogar den besuchenden Kindergarten-Kindern vermittelt, so dass ihm aus Kindermund plötzlich die Frage gestellt wird: „Wie tief ist eigentlich der Himmel?“

Anthroposophie im Handeln

Zu einer Tat hatte sich ja auch schon der Köln-Kreis aufgemacht, als er diesen Aktionstag beschloss und vorbereitete. Und tatsächlich kamen die Menschen in Scharen zu Gesprächen an die Stände und zum Zuhören in den Vortragssaal, wo es um Weiterbildung mit anthroposophischem Hintergrund, das gesundende Wesen der Waldorfpädagogik, biologisch-dynamische Landwirtschaft in Entwicklungsländern, künstlerische Therapien und um die individuelle Begegnung mit Anthroposophie ging. Dazwischen trugen Schüler der Waldorfschulen aus Köln und Erftstadt Beiträge aus dem Unterricht vor, gab es Eurythmie zum Mitmachen, konnten kleine Kinder basteln und große sich im Bogenschießen mit Trainer Lars Christensen versuchen. Durch den Tag führte Waldorflehrer Hartmut Werner mit dem großen Gong. Zur Stärkung gab es reichlich Bio-Kost, und zum Abschluss sorgte das Berliner Pantomimen-Duo Bodecker & Neander für einen heiteren Ausklang.

„Wie wird Anthroposophie aktuell?“ hatte Michael Schmock das Podiumsgespräch abgeschlossen, und - an das voll besetzte Auditorium gewandt – die Antwort mitgereicht: „Durch Sie!“ Nun bleibt zu hoffen, dass dieses besondere Geburtstagsfest noch lange nachklingt und nachwirkt ...

Edda von Homeyer