Aus der Arbeit der Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe bei der GLS Treuhand

Peru: Ein lebenswertes Leben für Menschen mit Behinderung

Aus dem Dunkel unter die Menschen

Aynimundo, der Kooperationspartner der Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe, setzt sich in den Slums von Lima für eine ganzheitlich orientierte Arbeit mit Menschen mit Behinderung ein. Nur so können Eigenengagement und Lebensqualität verbessert werden.

Elvira Manuela Cotrina Falcón ist zwölf Jahre alt und leidet an einer Hirnlähmung. Sie kann sich kaum bewegen und nur wenig sprechen. Auch ihr Seh- und Hörvermögen sind beeinträchtigt. Sechs Jahre lang lebte Elvira in einem engen, dunklen, ungelüfteten Raum einer Hütte in San Juan de Miraflores. Die meiste Zeit verbrachte sie in ihrem Bett. Dort wurde sie Ende letzten Jahres von Verónica Rondón und Armando López von Aynimundo bei einem ihrer üblichen Hausbesuche gefunden. Die beiden betreuen die Arbeit für Menschen mit Behinderung in Slums von Lima.

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Elvira im Kreis ihrer Familie

Es gibt Rechte

Nun haben auch in Peru Menschen mit Behinderungen Rechte, und staatliche Versorgungsleistungen stehen ihnen zu. Doch leider wissen gerade die Menschen in den Armenvierteln nichts davon und sind häufig nicht in der Lage, Unterstützung bei Behörden einzufordern. Ein anderes großes Problem ist die fehlende Früherkennung und -förderung von Kindern mit Behinderung. Ohne Kontakt zu Ärzten werden Entwicklungsverzögerungen oder -störungen zu spät erkannt. Häufig kommen Scham und Hilflosigkeit der Eltern hinzu und die Kinder vegetieren eingesperrt vor sich hin.

So auch im Fall von Elvira. Ihr Vater erkannte die Vaterschaft nicht an; ihre Mutter, Clara Falcón, verdingte sich in unterschiedlichsten Jobs, um Geld für sich und ihre kleine Familie zu verdienen. Bis zu Elviras sechstem Lebensjahr kümmerten sich ihre Großeltern um sie. Doch dann starb der Großvater und die Großmutter allein war zu schwach, um Elvira aus ihrem Bett zu heben und vor die Hütte zu tragen. Elviras Mutter, so berichtet Verónica Rondón, sei immer mit schlechtem Gewissen aus dem Haus gegangen – aber sie habe keine Alternative gehabt.

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bei der Physiotherapie

Eigenes Handeln ermöglichen

Bei ihrem Hausbesuch kamen Verónica Rondón und Armando López mit Elviras Mutter, Clara Falcón, ins Gespräch. Gemeinsam erörterten sie die Situation der kleinen Elvira und suchten nach Verbesserungsmöglichkeiten. Armando López begann mit einer physiotherapeutischen Behandlung einmal in der Woche. Mit dem Behandlungstermin richtete er sich nach Elviras Mutter, damit sie einfache Anwendungen auch gleichzeitig selber erlernen konnte. Er regte an, ein Fenster in die Hütte einzubauen, darauf zu achten, dass Elvira genug frische Luft bekam, was die Großmutter aufgriff und umsetzte. Gemeinsam besprachen sie, Elvira nach Möglichkeit etwas besser zu ernähren.

Mit dem entgegengebrachten Vertrauen wuchsen auch das eigene Zutrauen und damit der Aktionsradius der kleinen Familie. So griff nach einiger Zeit Elviras Mutter das Angebot auf, einmal in der Woche mit ihrer Tochter zur Physiotherapie in ein Schulzentrum zu gehen, wo sich betroffene Mütter treffen. „Dieser Tag ist immer ein kleiner Ausflugstag für Elvira”, erzählt ihre Mutter heute, „an einem solchen Tag sah ich sie das erste Mal nach langer Zeit lächeln.” Aber nicht nur Elvira profitierte von diesen Ausflügen.

Durch die regelmäßige Begegnung und den Austausch mit anderen betroffenen Müttern gewann auch Elviras Mutter Zutrauen. Sie fand eine neue Arbeit als Honorarkraft für Straßenbefragungen. Diese Arbeit ist zwar nicht besser bezahlt als ihre bisherigen Tätigkeiten, ermöglicht ihr jedoch, mehr Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen. Und unterstützt von ihrem neuen Bekanntenkreis erreichte sie, dass ihrer Tochter ein passender Rollstuhl geschenkt wurde und dass sie eine kleine monatliche Beihilfe für ihre Tochter erhält.

Therapien und Unterstützung im Kreis der Gemeinschaft

Das Programm von Aynimundo zielt auf Selbstermächtigung der betroffenen Mütter und Familien und Verbes≤serung der therapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung.

Schamgrenzen aufzubrechen, Betroffene und Angehörige einzubeziehen führt auch dazu, dass die Früherkennung von Behinderungen gelingt. Diese kann zu besseren therapeutischen Ergebnissen und förderlichen Lebensbedingungen für die Kinder führen. Auch möchten Verónica Rondón und Armando López dadurch erreichen, dass Menschen mit Behinderung nicht mehr weggesperrt werden. Es geht – ganz praktisch – um gelebte Integration und Befähigung.

Und die Arbeit zeigt Früchte: Allein in diesem Jahr sind fünfzehn Kinder mit Behinderungen in San Juan de Miraflores „aufgetaucht”. Das macht es notwendig, die Arbeitszeit für Armando López, den Physiotherapeuten, und die Sozialarbeiterin, die die Gesprächskreise für Angehörige betreut, auszuweiten. Für ein Jahr kontinuierlicher Arbeit sind 8.893 EUR notwendig – einschließlich aller Sozialabgaben. Bei durchschnittlich 180 Kindern, die im Jahr fortlaufend behandelt werden, sind dies 49 EUR pro Kind und Jahr.

Dr. Annette Massmann

Spendenzweck

Peru: Förderung für Menschen mit Behinderung

Spendenkonto:

Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe

GLS Gemeinschaftsbank eG

BLZ 430 609 67

Konto-Nr.: 12 330 010