Vom Formenreichtum der Schneeflocken

Dokumentarfilm - Das kreative Universum - beleuchtet Dialog zwischen Naturwissenschaft und Spiritualität

Müssen die Naturwissenschaften zwangsläufig einen Gegensatz zur Spiritualität darstellen? Rüdiger Sünners Dokumentarfilm „Das kreative Universum” fragt nach möglichen Berührungspunkten. Premiere war am 6. Dezember in der Urania in Berlin.

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Schneekristall

Keine Schneeflocke auf der Welt gleicht einer anderen – das wissen heute schon Grundschulkinder. Und doch folgt jeder der sechs Arme jeder einzelnen Schneeflocke dem gleichen Bauplan – warum eigentlich? Die Formen- und Farbvielfalt der Natur stellt auch die Wissenschaft manchmal vor Fragen, die sich durch Naturgesetze oder allgemein anerkannte Prinzipien wie Mutation, Selektion oder Selbstregulation nicht befriedigend erklären lassen. Gibt es kreative Kräfte im Universum, die über lebensnotwendige Entwicklungen hinaus wirken? Der Filmemacher Rüdiger Sünner untersucht in seinem neuen Dokumentarfilm „Das kreative Universum” die Schnittstellen zwischen Naturwissenschaften und Spiritualität. Dazu befragt er zahlreiche Wissenschaftler, darunter renommierte Forscher wie den Quantenphysiker Hans-Peter Dürr oder den Biowissenschaftler Stuart Kaufmann, aber auch umstrittene Querdenker wie den Biologen Rupert Sheldrake. Keiner dieser Wissenschaftler gehört zu den sogenannten „Kreationisten”, die Darwins Evolutionstheorie zugunsten eines göttlichen Schöpfers ablehnen, doch jeder von ihnen geht auf seine Weise in seinem Fachgebiet auch transzendenten Fragestellungen nach.

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Wasserwirbel

Das Thema des möglichen Dialogs zwischen Naturwissenschaften und Spiritualität beschäftigt Sünner, Jahrgang 1953, schon seit langem. Ausschlaggebend für den aktuellen Film waren die Attentate des 11. Septembers, in deren Folge der Filmemacher beide Positionen in besonders unfruchtbarer Zuspitzung erlebt hat: Die Entwicklung des religiösen Fundamentalismus auf der einen Seite und die Wissenschaftsgläubigkeit sowie dogmatische Ablehnung aller spirituellen Fragestellungen auf der anderen Seite. „Ich bin ein Vermittler, ein Brückenbauer. Ich finde es schade, wenn zwischen diesen beiden Positionen kein Dialog stattfindet. Wir alle haben doch beide Seiten in uns – die rationale und auch die Seite, die sich mit spirituellen Fragen beschäftigt.” 

Es ist kein Zufall, dass Sünner bei der Suche nach interessanten Gesprächspartnern auch auf einige Wissenschaftler mit anthroposophischem Hintergrund gestoßen ist. Bereits in seinem letzten Film „Abenteuer Anthroposophie” hat er sich mit Rudolf Steiner auseinandergesetzt. „Der naturwissenschaftliche Bezug der Anthroposophie ist für mich besonders spannend. Von Rudolf Steiner gibt es viele interessante Aussagen und Anregungen in diesem Bereich, deren Tragweite auch heute teilweise noch gar nicht völlig erforscht ist.” Dennoch spielen in diesem Film anthroposophische Überzeugungen nur implizit eine Rolle. Mit Bernd Rosslenbroich, Wolfgang Schad, Wolfram Schwenk, Joachim Wirz und Arthur Zajonc sind weniger fünf namhafte Anthroposophen vertreten, sondern vor allem interessante Gesprächspartner, deren Forschungen den Blick auf den faszinierenden Reichtum des Universums erweitern können.

Quelle: Medienstelle Anthroposophie

Aktuelle Aufführungstermine sind auf der Website von „W-film Filmverleih“ zu finden. Der Film ist auch bereits als DVD online bei „Waldorfbuch“ erhältlich.

Fotos: copyright Rüdiger Sünner