Buchrezension

Pubertätssprechstunde

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Monika Kiel-Hinrichsen

Wer mit Kindern und Jugendlichen umgeht, sei es als Eltern, Pädagoge oder Freizeitbegleiter kommt irgendwann mit der „Pubertät“ in Kontakt, der Zeit, in der die Jugendlichen schwierig oder aus Sicht dieser, die Erwachsenen schwierig werden können. Fakt ist, der Übergang vom Kind zum Jugendlichen und weiter zum Heranwachsenden ist mit vielen Herausforderungen verbunden, sowohl innerlich als auch äußerlich, für den Jugendlichen selbst wie auch für die ihn umgebenden Menschen. Der Ratgeber „Pubertätssprechstunde“ weist bereits in seinem Titel daraufhin, dass es viele Fragen gibt zu dieser spannenden Entwicklungsphase, die das Autorenpaar in Kenntnis umfangreicher Praxiserfahrung als Eltern von fünf Kindern, Waldorfpädagogin und Autorin weiterer pädagogischer Ratgeber bzw. Waldorfpädagoge und Suchtberater, beantworten möchte.

Der Ratgeber ist aufgeteilt in mehrere Hauptkapitel, die sich inhaltlich mit der Pubertät und dem Elternhaus, der Schule wie auch dem Verhältnis zur Gesellschaft auseinandersetzen. Umfassend werden mögliche Krisen in Form von Süchten, wie z.B. Nikotin, Handy, Computer oder Alkohol, und anderen Ausdrucksformen, wie Ess-Störungen, Mobbing und Gewalt, Klauen und Lügen, Sekten und v.a.m. thematisiert. Ein weiteres Kapitel gibt Jugendlichen selbst das Wort - in Gedichten und Texten beschreiben sie ihre Gedanken und ihre Lebensumstände vom Alltag bis hin zu existentiellen Themen, wie Freiheit, Sinnsuche oder Tod. Ein abschließendes Kapitel fasst praktische Hilfen zusammen, verweist auf empfehlendswerte Bücher, Filme und Materialien, listet hilfreiche Adressen auf und stellt zudem ein kleines , aufschlussreiches Wörterbuch der Jugendsprache zur Verfügung.

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Monika Kiel-Hinrichsen, Helmut Hinrichsen: Pubertätssprechstunde. Verlag Urachhaus, Stuttgart 2010, EUR 25,-, geb. 479 S.


Die „Pubertätssprechstunde“ überzeugt durch ihre umfassende und wertneutrale Schilderung vieler möglichen Themenfelder, sowohl aus der Sicht der Erwachsenen als auch der Jugendlichen, der Empfehlung von einsichtigen praxiserprobten Hilfen, Hintergrundwissen sowohl zu bekannten als auch ganz neuen Phänomen und Krisen heutiger Jugendlichen und Informationen für Eltern mit „besonderen Kindern“ hinsichtlich Hochbegabung oder Seelenpflegebedürftigkeit.

Immer wieder weisen die Autoren daraufhin, dass diese Entwicklungszeit, in der die Jugendlichen in Lebens- und Gefühlsstürmen sich selbst und ihren Lebenskurs suchen, auch als Entwicklungschance für den begleitenden Erwachsenen zu betrachten ist, infolge dessen Erziehung einer individuellen Führung der Heranwachsenden weicht, in der Selbstentwicklung und Selbstbefragung, die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen inneren Themen und den Fragen in und an die Welt, als hilfreiches Instrument dienen kann, um im hilfreichen und notwendigen Kontakt mit Pubertierenden zu bleiben.

Der Ratgeber kann sowohl als Nachsschlagewerk dienen aber auch als kompakte Lektüre. Der Lesestoff ist leicht verständlich, die vielen Fallbeispiele helfen, eigene erlebte Situationen wiederzuerkennen und zu verstehen, anschließende Ratschläge geben Anregungen zum Umgang damit. Bei manchen Themen, es sind jedoch nur wenige, mag der Leser nach weitergehenden Hilfestellungen als dargestellt bei jugendlichem Verhalten suchen, wie z.B. beim neuzeitlichen „Komasaufen“. Da scheint der wiederholte Rat, der grundsätzlich in vielen Fällen seine Berechtigung hat, dass ein echtes Interesse und die wahrhafte Aufmerksamkeit wesentliche Pfeiler im entwicklungsförderndem Umgang mit Jugendlichen sein können, zu allgemein.

Ein Besuch der „Pubertätssprechstunde“ sei trotzdem allen empfohlen, die sich auf diese Begleitzeit innerlich vorbereiten wollen und eine geeignete Einstellung dazu finden möchten oder deren jugendliche Bezugspersonen bereits mittendrin stehen und nach konkreten oder weiterführenden Hilfen suchen.

red./Michaela Frölich