Aus der Arbeit der Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe bei der GLS Treuhand

Indien: Kinderstation für kranke Adivasi-Kinder

Behandlung ermöglichen und Leben retten

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Monika Golembiewski bei der Untersuchung eines mangelernährten Kindes

Seit 17 Jahren behandelt die deutsche Ärztin Monika Golembiewski mehrere Monate im Jahr Reisbauern und Adivasi, Ureinwohner in Westbengalen, Indien. Nun möchte sie in einem Dorf in der Nähe von Bolpur eine Kinderstation mit 15 Betten aufbauen, denn immer wieder sterben Kinder, die das Krankenhaus in der nächstgelegenen Stadt nicht erreichen können.

Schon als Monika Golembiewski Medizin studierte, träumte sie, angeregt durch das Vorbild Albert Schweitzers, davon, Kindern in Indien zu helfen und ein Hospital aufzubauen. Nach ihrer Ausbildung zur Kinderärztin und Weiterbildung in der Filderklinik in Stuttgart traf sie den deutschen Schriftsteller Martin Kämpchen, der in zwei indischen Adivasi-Dörfern eine Abendschule gegründet hatte. Er erzählte ihr von den Lebensbedingungen der Menschen und lud sie ein, Dörfer und Menschen kennen zu lernen und ihre medizinischen Kenntnisse einzubringen.

Sprechstunde unter freiem Himmel

Monika Golembiewski packte ihre Sachen und fand sich bald darauf in Adivasi-Dörfern unter Reisbauern wieder, wo sie unter freiem Himmel viele kleine und große Patienten versorgte. Wenn sie heute über diese Zeit spricht, unterstreicht sie, dass es sie so sehr berührte, mit wie wenigen Mitteln sie diesen kranken Menschen helfen konnte. Bald sei ein Vertrauens- und Freundschaftsband entstanden, woraus regelmäßige Besuche erwuchsen.

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Adivasi-Frauen verarbeiten Heilpflanzen.

Heilpflanzen für die Hausapotheke

Noch verfügen die Adivasi in Westbengalen über traditionelles Heilpflanzenwissen. Monika Golembiewski legte mit den Reisbauern einen Heilpflanzengarten an, um Wissen zu bewahren und Hausapotheken bestücken zu können. Mit dem indischen Jesuitenpater Meloo, der bereits seit 30 Jahren regionale Heilpflanzen erforschte, bildete sie dreißig Helfer/innen aus den umliegenden Dörfern aus, die heute medizinische Pflanzen zu Tees, Sirup, Öl und Tabletten verarbeiten. Das Ziel: Die Menschen sollten selbstständig einfache Durchfallserkrankungen und Atemwegsinfekte sowie parasitäre Haut- und Darminfektionen erkennen und behandeln können.

Im Umgang mit ihren PatientInnen wurde ihr schnell deutlich, dass die Mangel- und Unterernährung der Schwangeren und Kinder eine verminderte Abwehrkraft verursachte und zu hoher Sterblichkeit beitrug. Die Menschen in den Dörfern ernährten sich hauptsächlich von Reis mit Linsen und Kartoffeln. Gemeinhin fehlte es an Fleisch, Fisch, Ei, Milch und Obst. Auch Gemüse kam nur selten auf den Tisch. Vor diesem Hintergrund initiierte sie mit einem vor Ort ansässigen Landwirt, der sich in biologischer Anbauweise auskennt, ein Projekt zum Anbau von Gemüse und Obst im Dorf und führte ein Ernährungsprogramm für mangelernährte Kinder und Schwangere ein. Zwei Jahre lang unterrichtete sie Mütter, eiweiß- und vitaminreich zu kochen. Während dieser Zeit untersuchte sie die Kinder auf Gewichtszunahme, Infektionen und Vitaminmangel. Etwas enttäuscht stellte sie fest, dass die Kinder kaum an Gewicht zunahmen. Doch merkte sie bald, dass die Kinder aufblühten und nicht nur seltener krank waren, sondern auch seelisch-geistig aufwachten. Ihre fröhlichen Gesichter hatten nun auch in ihren Familien eine so große Wirkung, dass die Eltern sich spontan zusammentaten, um einen Schulgarten an der Dorfschule einzurichten und zu bewirtschaften.

Der nächste Schritt: die Kinderstation

Immer wieder stieß Monika Golembiewski an die Grenzen ihrer Behandlungsmöglichkeiten. Gerade für Kinder erwies sich der Weg zum nächsten Krankenhaus als zu weit, auch fehlt den Menschen das Geld für die Behandlung. Deshalb plant Monika Golembiewski jetzt, eine Kinderstation mit 15 Betten aufzubauen. Sie gewann die Unterstützung der örtlichen Karmeliterschwestern, die bereits eine Ambulanz mit Physiotherapie betreiben. Die Karmeliterschwestern erklärten sich schnell bereit, Pflegepersonal zu stellen.

Auch die Mütter werden auf der Kinderstation aufgenommen und können während des Aufenthalts an Kursen zu Gesundheitsvorsorge, Heilpflanzenanbau und -verarbeitung teilnehmen. Für die Nachsorge der in die Dörfer entlassenen Kinderpatienten sollen weitere Gesundheitshelferinnen ausgebildet werden.

Die Kosten für Roh- und Innenausbau der Kinderstation (75.000 EUR) sind durch Spenden bereits weitgehend gedeckt, es fehlen noch ca. 10.000 EUR für medizinisches Gerät wie Sauerstoffkonzentrator, Absauggerät, EKG, Pulsoximeter und Infusionsgeräte. Die Geräte werden in Indien gekauft. Monika Golembiewski rechnet mit ca. 660 Kinderpatienten pro Jahr. Pro Kind sind dies Anschaffungskosten von 15 EUR.

Dr. Annette Massmann

Spendenzweck:

Indien: Kinderstation

Spendenkonto:

Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe

GLS Gemeinschaftsbank eG

BLZ 430 609 67

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