Waldorflehrer:
Zufrieden im Job oder ständig überfordert?

Waldorfschulen gelten als Schulen mit besonders engagierten Pädagogen. Aber wie empfinden diese selbst ihre Arbeitsbedingungen? Und was ist dran an dem oft geäußerten Gefühl von Überlastung? Eine neue Studie gibt Auskunft.

Wie kommen Waldorflehrer mit ihrem fordernden Job zurecht und wie gesund sind sie? Empirisch gestützte Kenntnisse liefert erstmals die „Studie zu Arbeitsbedingungen, Arbeitszufriedenheit und Arbeitsbelastung bei WaldorflehrerInnen” der Alanus Hochschule bei Bonn.

Konzipiert wurde die Studie von den Professoren Dirk Randoll und Heiner Barz, die bereits für eine 2007 erschienene, viel beachtete Ehemaligen-Befragung von Waldorfschulen verantwortlich waren. 117 der 220 Waldorfschulen in Deutschland beteiligten sich an der aktuellen Umfrage – eine nach Darstellung der beiden Forscher ungewöhnlich hohe Rücklaufquote.

Randoll erinnerte eingangs daran, dass im Rahmen der Absolventenstudie ehemalige Schüler ihre Lehrer als „ständig überfordert” in Erinnerung hatten. Dies sei Anlass gewesen, die tatsächliche Situation von Waldorflehrer näher zu erforschen. Als eines der Ergebnisse zeichnet sich in der Studie eine hohe Berufszufriedenheit von 92 Prozent ab. Ein ebenso hoher Anteil der WaldorflehrerInnen fühlt sich von den Schülern wertgeschätzt.

Demgegenüber steht die Unzufriedenheit vieler Lehrer mit ihrer Einkommenssituation, die durch den Unterschied von staatlich voll refinanzierten Lehrern mit anerkannter Ausbildung und solchen lediglich mit Waldorf-interner Ausbildung verschärft wird. 72 Prozent der Befragten meinen zudem, die Waldorfschule fordere ein zu hohes Maß an Engagement von den Lehrern. Nur elf Prozent gaben an, nicht auch am Wochenende zu arbeiten. Eine zu hohe Belastung durch die Ansprüche der Eltern nannten 65 Prozent als Problem.

Die Zufriedenheit mit der Arbeit scheint bei den Befragten dennoch klar zu überwiegen: Über 80 Prozent gaben an, sich ihren Aufgaben gewachsen zu fühlen, 70 Prozent fühlen sich im Ganzen gesund. Auf der anderen Seite gaben 34 Prozent der Befragten an, unter Gesundheitsproblemen zu leiden, die spezifisch auf ihren Beruf zurückzuführen seien. Mit der endgültigen Auswertung  der Studie wird für Mitte 2011 gerechnet.

Quelle: Medienstelle Anthroposophie