Aus der Arbeit der GLS Treuhand

Mongolei: Sanddornaufforstung durch die neuen Steppennomaden

Ein Pionier in der Steppe

Undrach Lkhagvajav studierte erfolgreich organische Landwirtschaft in Berlin. Doch er wollte zurück in seine Heimat, die Steppe der Mongolei. Sein Ziel: Inmitten der großen, kahlen Weite der nördlichen Mongolei für sich und weitere Mitstreiter eine Lebensperspektive jenseits von Landflucht, Überweidung und Arbeitslosigkeit aufzubauen.

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Undrach Lkhagvajav gründete die „neuen Steppennomaden“

Die Mongolei mit etwa 3 Mio. Einwohner/innen ist ein Land der Weite. Die früher als Nomaden lebende Jugend zieht es heute vor allem in die Hauptstadt Ulanbataar. Das Leben in der Steppe ist karg, hart und entbehrungsreich. Extensive Viehwirtschaft war und ist die Lebens- und Erwerbsgrundlage der Mongolen dieser Region. Der Klimawandel macht sich mit extremen Wintern und sehr heißen Sommern sowie Phasen großer Trockenheit bemerkbar. Durch diese Verschärfung der klimatischen Bedingungen bei gleichzeitiger Vergrößerung der Viehbestände kommt es zu einer Überweidung der Flächen. Folge dieser Überweidung ist die Schädigung der Grasnarben. Das führt zu Bodenerosion, Abtragung der Humusschicht, weniger Pflanzenwachstum und in der Folge zunehmender Wüstenbildung. Es ist eine Spirale der Verwüstung, die unterbrochen werden muss.

Bürokratie ist hoch

Undrach Lkhagvajav möchte deshalb Gemeindeland im Norden der Mongolei, der Region, aus der er stammt und deren Bedingungen er kennt, sukzessiv über zehn Jahre mit Sanddorn aufforsten.

In einem ersten Schritt wurden von der Gemeinde Moron für die Bepflanzung fünf Hektar zur Verfügung gestellt und das Recht eingeräumt, einen Bewässerungskanal zu bauen. Die fünf Hektar liegen etwa 700 km nordwestlich von der Hauptstadt Ulanbataar (ca. 16 Stunden Autofahrt oder 90 Minuten Flug). Bei der Aufforstung wirken die Gemeindemitglieder, die das Land zur Verfügung stellen, mit.

Es war nicht einfach, die organisatorischen Schritte der Gruppenbildung, die Verteilung der Verantwortlichkeiten, Klärung der Landfrage, amtliche Eintragung als Nichtregierungsorganisation zu bewältigen, erzählt Undrach Lkhagvajav: „Die Bürokratie hat in der Mongolei leider ein sehr hohes Niveau. Alle Angelegenheiten sind in Ulanbataar zu klären. Das kostet Zeit und Geld.“ Doch die Gruppe, die „neuen Steppennomaden“ schaffte all dies innerhalb von zweieinhalb Monaten.

Sandorn ist widerstandsfähig

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Mitglieder der Gruppe beim Aufbau der Jurten

Die Aufforstung mit Sanddorn bietet sich an, da Sanddornbüsche und -bäume sehr widerstandsfähig sind und in dem harten Klima (extreme Temperaturen mit großen Schwankungen und kargem Boden) gedeihen können. Durch die Durchwurzelung des Bodens wird die Abtragung der dünnen, fruchtbaren Bodenkrume verringert. Sie bindet und erhält den Grundwasserspiegel. Im Schatten der Aufforstung können in Folgejahren andere Pflanzen gedeihen.

Mit einer Erstförderung von etwa 6.000 Euro kauften sie Holzpfähle und Draht und zäunten die fünf Hektar ein, um die Setzlinge vor Rindern und Ziegen zu schützen. Sie kauften Werkzeuge und Schaufeln, Zement und Sand und mieteten einen kleinen Lastwagen, um alles zu transportieren. Per Hand gruben sie einen kilometerlangen Bewässerungskanal von der Quelle bis zu ihrem Land. Ferner kauften sie zwei Jurten, die sie neben ihrem Land aufbauten. Alle behördlichen Gebühren und Transportkosten bezahlten sie aus eigener Tasche.

Im nächsten Schritt geht es nun darum, die nächsten fünf Hektar aufzuforsten. Auch diese Fläche muss eingezäunt werden, Bewässerungskanäle müssen gezogen und weitere Setzlinge gekauft werden. Um die Zeit bis zur Ertragsreife des Sanddorns zu überbrücken, sollen alle Projektmitglieder einen kleinen Lohn erhalten und zwei weitere Jurten müssen angeschafft werden. Für all dies sind insgesamt 10.000 Euro notwendig.

Dr. Annette Massmann

Spendenzweck

Mongolei: Sanddorn

Spendenkonto: Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe

GLS Gemeinschaftsbank eG

BLZ 430 609 67

Konto-Nr.: 12 330 010


Sanddorn ist vitaminreich

Er kann vielseitig eingesetzt und weiterverarbeitet werden: als Sanddornsaft, als Marmelade, als Beigabe zu Produkten der Kosmetikindustrie. So werden aus der Pulpe des Sanddorns Beigaben für Öle, Cremes, Shampoos etc. gewonnen. Sanddorn hat einen regionalen Markt und organischer Sanddorn verfügt über einen wachsenden Markt international. Mindestens drei Wachstumsjahre benötigt der Sanddorn, um nennenswerten Ertrag zu brin≤gen. Dann können von einem Hektar Sanddorn fünf Tonnen Früchte erzielt werden.

Beispielrechnung

1 Hektar Sanddorn (1.100 weibliche Bäume) bringt 5.000 Kilo Beerenfrüchte. In den Folge≤jahren steigert sich der Ertrag. 1 Kilo Sanddorn erzielt 3.000 Tugrik (=1,68 Euro). In der Mongolei beträgt der Mindestlohn 144.000 Tugrik/Monat; das sind im Jahr 1.728 Mio. Tugrik, also 966 Euro pro Person.

5.000 Kilo Sanddorn, verkauft zu 3.000 Tugrik das Kilo, ergeben also 15 Mio. Tugrik. Teilt man diese durch den Mindestlohn, kann ein Hektar Land 8,6 Personen pro Jahr mit dem Mindestlohn versorgen, fünf Hektar perspektivisch also bis zu 40 Personen.