Ein ganz normales Genie

Sloterdijk würdigt Steiner bei Ausstellungseröffnung

Peter Sloterdijk hat Rudolf Steiner als großen Reformer und aktuellen Ideengeber gewürdigt. Im Rahmen  der Eröffnung der Steiner-Schau „Die Alchemie des Alltags“ diskutierte der renommierte Philosoph mit dem Kurator Mateo Kries, Vitra Design Museum, Weil am Rhein, und Walter Kugler, Steiner Archiv, Dornach.

Den Grund für die neue Offenheit für Steiner sah Sloterdijk in der gegenwärtig besonderen geistesgeschichtlichen Konstellation. Der Ansatz der Lebensreform als Gegenentwurf zur politischen Revolution erscheine wieder hoch aktuell: Im Rückblick auf das „verlorene 20. Jahrhundert“ (Sloterdijk) zeige sich heute, dass die „Revolutionäre“ im Unrecht gewesen seien. Ansätze, die Welt durch Veränderung der Verhältnisse ändern zu wollen, hätten nur Zerstörung hinterlassen. Die Lebensreform dagegen, die eine Erneuerung von innen anstrebte, hätte sich als der richtige Weg erwiesen. Außerdem sei der Blick der Öffentlichkeit auf Steiner, den Sloterdijk als „größten mündlichen Philosophen des 20. Jahrhunderts“ bezeichnete, im Wandel begriffen: Man sei heute eher bereit, in Steiner nicht mehr den Guru zu sehen, sondern „ein ganz normales Genie“.

Mit Blick auf die inzwischen in zahlreichen Museen weltweit gezeigten Wandtafelzeichnungen, mit denen Steiner seine Vorträge illustriert hatte, meinte Sloterdijk, Steiner habe „die Powerpoint-Präsentation mit Kreide“ erfunden. Die eigentliche „Power“ habe er dabei allerdings nicht wie heute aus einem auf Folien abgelegten Wissen bezogen, vielmehr habe er sich darauf verlassen, dass ihm im entscheidenden Moment die Evidenz selbst zur Hilfe kam. Steiner habe sich von der Inspiration überraschen lassen. Er sehe ihn deshalb als eine Art Medium, als einen „Antennenmenschen“.

„Ich glaube Steiner ist und bleibt wichtig, weil er einer von denen war, die die Antennen ausgefahren haben, schon bevor die Antennen erfunden waren“, sagte Sloterdijk abschließend. Das Gespräch war Teil der Eröffnung der Ausstellung über den gestalterischen Impuls Steiners, der unter dem Motto „Die Alchemie des Alttags“ noch bis Ende April 2012 im Vitra Design Museum in Weil am Rhein präsentiert wird.

Medienstelle Anthroposophie