Befreiung des Briefkastenonkels

Philosoph Stefan Brotbeck diskutierte Rudolf Steiners Freiheitsphilosophie

 

Im Rahmen einer Buchmessen-Veranstaltung der anthroposophischen Verlage plädierte der Schweizer Philosoph Stefan Brotbeck für einen eigenständigen Umgang mit der Philosophie Rudolf Steiners: „Wir sollten Steiner aus seinem Dasein als Briefkastenonkel, der für alle Fragen fertige Antworten liefert, befreien!“ 

In einem lebhaften Gespräch stand Brotbeck dem Stuttgarter Verleger Jean-Claude Lin zum Thema „Rudolf Steiners Freiheitsphilosophie“ Rede und Antwort. Entscheidend sei es, auch in Bezug auf Steiner „offene Frageatmosphären“ zu schaffen und Fragen als „generative Momente“ zu verstehen. Anschaulich stellte der Schweizer Philosoph die Kontinuität des philosophischen Kerns und die Bedeutung des Freiheitsgedankens im Lebenswerk des Begründers der Anthroposophie dar.

Brotbeck, der vor wenigen Wochen in Basel das „Philosophicum“, eine Art Mikro-Universität zu philosophischen Themen, eröffnet hat, bedauerte, dass viele Anthroposophen die Auseinandersetzung mit anderen philosophiegeschichtlich bedeutenden Positionen vernachlässigten. Nicht zuletzt deshalb sei die Anthroposophie im akademischen philosophischen Kontext kaum präsent. Dabei böte Steiners Philosophie, in der Freiheit als Selbstbestimmung nicht nur die Frage der Erkenntnis, sondern auch die der Handlung umfasse, gerade heute wichtige Denkanstöße: „Die Verknüpfung von philosophischen und spirituellen Fragen mit dem Freiheitsgedanken das ist die originäre Stimme Steiners in der abendländischen Philosophie“, betonte Brotbeck. Damit grenze sich die Anthroposophie auch deutlich von spirituellen Strömungen ab, in denen Erkenntnis oder Erleuchtung ohne diese Autonomie des Einzelnen angestrebt werde.

Medienstelle Anthroposophie