Waldorfschulen: Erfolgreiche Schulabschlüsse

Staatliche Abschlüsse werden gut gemeistert - geringe Durchfallquote

Die Waldorfschulzeit dauert zwölf Jahre. So steht es im Gesetz für Schulen in freier Trägerschaft (Privatschulgesetz). Schüler aller Begabungsstufen bleiben während dieser langen Zeit in einer Klasse zusammen. Notenvergabe und Nichtversetzung kennen Waldorfschüler nicht. Erst am Ende der Schulzeit entscheidet sich, welcher Schüler welchen staatlichen Schulabschluss macht. Überdurchschnittlich viele Waldorfschüler verlassen die Schule mit einem anerkannten Bildungsabschluss. Auf das Abitur bereiten die Waldorfschulen in der 13. Klasse vor.

„Wenn in Baden-Württemberg derzeit über die Einführung von Gemeinschaftsschulen nachgedacht wird, so kann sich das Land die Waldorfschulen zum Vorbild nehmen“, so Martin Laude, Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen in Baden-Württemberg und Oberstufenlehrer an der Freien Waldorfschule Kräherwald in Stuttgart. Die staatlichen Prüfungsergebnisse zeigen erneut, dass es sich bewährt hat, Schüler so spät wie möglich mit den Fragen des jeweiligen staatlichen Prüfungsabschlusses zu konfrontieren. Meist am Ende der elften Klasse wird im Gespräch mit den Schülern festgelegt, welchen staatlichen Schulabschluss ein Schüler absolvieren wird. Die Leistungseinschätzung ist im Vorfeld sehr genau, wie der Erfolg in den dann zu absolvierenden Prüfungen zeigt.

Von den rund 23.800 Waldorfschülern in Baden-Württemberg verlassen rund 1.800 Schüler jedes Jahr die Schule. Von den Abgängern haben im Schuljahr 2010/2011 787 Schüler das Abitur in der Tasche, 360 die Fachhochschulreife und 605 den Realschulabschluss, von denen ein hoher Prozentsatz noch die Fachhochschulreife anstrebt. Zum Schuljahr 2011/2012 wurden 1.654 Erstklässler aufgenommen. Das heißt, Waldorfschulen in Baden-Württemberg können pro Jahr mit rund 150 Quereinsteigern pro Jahr über alle Klassenstufen hinweg rechnen.

Die Ergebnisse der Prüfungen können sich sehen lassen: Die Durchschnitte der Waldorfschüler liegen beim Abitur und bei der Fachhochschulreife im statistischen Mittel des Landes, wobei sie im Fach Deutsch über dem Landesdurchschnitt liegen. Wenig überraschend sind die Ergebnisse beim Realschulabschluss: Sie liegen deutlich über dem Landesdurchschnitt, besonders in den Fächern der fächerübergreifenden Kompetenzprüfung, der Eurocom-Prüfung in Englisch, sowie im Fach Deutsch. „Dies ist darauf zurückzuführen, dass unsere Schüler im Allgemeinen den Realschulabschluss erst in Klasse 12 absolvieren. Ihre persönliche Reife macht sich deshalb hier besonders bemerkbar“, so Laude. Da das staatliche Zeugnis beim Realschulabschluss nur vier Noten enthält, die Schüler in der Waldorfschule aber in rund fünfzehn Fächern unterrichtet werden, kommt dem schriftlichen Abschlusszeugnis der Waldorfschule ein höherer Stellenwert zu, als es das Notenzeugnis ausdrücken kann. „Immer wieder hören wir, dass Betriebe sich gerne die Waldorf- Abschlusszeugnisse vorlegen lassen, wenn sie darüber entscheiden, ob ein Bewerber einen Lehrvertrag bekommt.“

Praktisch kein Schüler einer Waldorfschule verlässt die Schule ohne staatlichen Prüfungsabschluss. Dies ist umso bemerkenswerter, da in den Klassen nicht selektiert wird und Kinder aller Begabungsstufen miteinander lernen. Die Durchfallquote liegt je nach Prüfungsform mit ein bis vier Prozent im statistischen Landesmittel. Gründe für das Nichtbestehen einer Prüfung sind Krankheit, Rücktritt von der Prüfung und Nichterreichen des von der Prüfungsordnung vorgeschriebenen Notenschnitts. Im Abitur ist die Fünf-Punkte-Regel in der zweiten Fremdsprache, die nicht abgewählt werden kann, ein weiterer Grund für das Nichtbestehen der Prüfung. Dass Waldorfschüler belastbar sind, zeigt sich unter anderem daran, dass in den acht zu prüfenden Abiturfächern nur das Prüfungsergebnis zählt. Jahresnoten sieht die Prüfungsordnung für Waldorfschulen nicht vor.

In Baden-Württemberg sind 56 Waldorfschulen Mitglied in der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen. Rund 23.800 Schüler besuchen im Schuljahr 2011 / 2012 eine Waldorfschule in Baden- Württemberg. Der Landesverband vertritt die Interessen der ihm angeschlossenen Schulen. Er ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft freier Schulen (AGFS).

Quelle: Waldorf BaWü