Von inneren und äußeren Tsunamis

Der Verein „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ plant eine notfallpädagogische Krisenintervention in Japan, um den vom verheerenden Erdbeben psycho-traumatisierten Menschen bei der Verarbeitung des entsetzlichen Erlebnisses zu helfen.

Es ist unmöglich solch mächtige Worte zu finden, die die jüngsten Ereignisse im Nordosten der japanischen Insel Honshu beschreiben könnten. Nachdem ein Erdbeben der Stärke 9,0 am 11. März den Nordosten Japans erschüttert, erreichte nur wenige Stunden später ein Tsunami unvorstellbaren Ausmaßes die Region rund um die Stadt Sendai. Der Atem stockt, sieht man die nach kurzer Zeit im Internet kursierenden Videos von dem schwersten Erdbeben in der Geschichte Japans, das zahlreiche Menschen in den Tod riss.

Wie viele Menschen Angehörige und ihr ganzes Hab und Gut verloren haben, ist ungewiss. Gewissheit herrscht jedoch darüber, dass ihr inneres Gleichgewicht aus den Fugen gerissen wurde und nicht nur die äußere Verwüstung, sondern auch die inneren immens sind.

Um Betroffene bei der Verarbeitung der schrecklichen Ereignisse zu unterstützen, werden die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. ein notfallpädagogisches Kriseninterventionsteam in die Region rund um die Stadt Sendai entsenden, sobald die Sicherheitslage hinsichtlich der atomaren Bedrohung geklärt ist. Ein Expertenteam aus Pädagogen, Ärzten und Therapeuten wird sich der psychosozialen Stabilisierung von Kindern und Jugendlichen annehmen. Durch verschiedene pädagogische Maßnahmen sollen die Betroffenen darin unterstützt werden, die schrecklichen Geschehnisse zu verarbeiten und in die eigene Biografie zu integrieren. Diese Form der pädagogischen Ersten Hilfe dient dazu, Traumafolgestörungen abzumildern bzw. vorzubeugen.

Allgemein zielt die Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. darauf ab, Betroffene nach traumatisierenden Ereignissen zu unterstützen, indem mit pädagogischen Methoden die Selbstheilungskräfte von durch Krieg, Naturkatastrophen etc. Betroffenen angeregt werden sollen. Diese Maßnahmen sollen idealerweise in den ersten vier Wochen nach einer Katastrophe ergriffen werden, denn in diesem Zeitfenster entscheidet sich, ob Menschen in der Lage sind das Erlebte zu verarbeiten. Sie dabei zu unterstützen, ist das zentrale Anliegen notfallpädagogischer Interventionen.

Um traumatisierte Kinder und Jugendliche nachhaltig zu stabilisieren, werden bei den Einsätzen lokale Fachkräfte in die Arbeit einbezogen und in notfallpädagogischen Maßnahmen geschult. Auch Elterngespräche und -beratungen sind Teil der Interventionen, da viele Mütter und Väter dem veränderten Verhalten ihrer Kinder oft hilflos gegenüber stehen.

Da sich die Kosten für eine nothilfepädagogische Krisenintervention auf ca. 50.000 Euro belaufen, da das Team mit u. A. Schutzanzügen u.v.m. ausgerüstet werden muss, können die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. trotz des ehrenamtlichen Einsatzes des Notfallteams alle anfallenden Kosten nicht alleine tragen. Der Verein bittet daher für das laufende Projekt dringend um Spenden.

Zu den Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.:

Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. fördern weltweit Initiativen eines freien Bildungswesens. Seit 1971 setzen sie sich für die Verbreitung der Waldorfpädagogik und für Freiheit im Bildungswesen ein. Seit 1993 organisiert und betreut das Büro in Karlsruhe internationale Freiwilligendienste in aller Welt und ermöglichte bislang über 6.000 Menschen einen sozialen Dienst in über 350 Projekten in mehr als 60 Ländern. Zurzeit nehmen jährlich rund 600 junge Menschen an den Programmen teil. Seit 2006 ist der Verein im Bereich „Notfallpädagogik“ tätig. In Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen arbeiteten die „Freunde“ bislang mit psychotraumatisierten Kindern und Jugendlichen im Libanon (2006), China (2008), Gaza (Februar und Juli 2009, Juli und Oktober 2010, Februar 2011), Indonesien (November 2009), Haiti (Februar, Mai und September 2010) und Kirgisistan (November 2010).

Michaela Mezger

Öffentlichkeitsarbeit für Notfallpädagogik