Ein Freudenberg für die Bienen

+A4_8 foto 2.tif

Jetzt im Frühjahr können alle Besucher des Erfahrungsfeldes von ‚Schloß Freudenberg‘ in Wiesbaden-Dotzheim auf eine 5 Meter hohe Holzplattform steigen und von dort das ‚Zeideln‘ beobachten. Erfahrungsfeld ‚Nachhaltigkeit‘ nennt sich dieses neue Erfahrungsfeld, das zu erleben und zu erfahren ist: „Bienen gibt es seit der Sintflut und jetzt können wir gleichsam den allerersten Bienenstock und den Wabenbau im lebenden Baum mitverfolgen,” erläutert der ‚Schloßimker‘ Robert Friedrich dieses Projekt. In einer Esskastanie mitten im ‚Schloßwald‘ wurde mit einem eigens dafür geformten Beil, ein ‚hohler Baum‘ vorbereitet. Mit speziellen Werkzeugen stemmte der Imkerlehrling Matthias Pelzer einen Hohlraum in den Kastanienstamm. Der Baum selbst nimmt dabei keinen Schaden und kann gesund weiterwachsen.

„Wir können uns vorstellen, dass wir mit der Waldimkerei auch den Platz im System Wald besetzen, den sonst der Eichenprozessionsspinner einnehmen würde. Dann würden die Bienen den Befall und dessen Ausbreitung behindern”, vermutet der ‚Schloß‘-Landschaftspfleger Bernhard Stichlmair. „Das werden wir beobachten und vielleicht kann das dann auch ein Modell für andere Wälder werden.” Die ausgesuchten Bienenbäume erhielten übrigens noch eine besondere Wurzel-, Borken- und Kronenpflege.

 

Die Waldbienenwirtschaft

Das Zeidelwesen ist Waldbienenwirtschaft. Die Zeidler machten sich das natürliche Verhalten der Bienenschwärme zunutze, sich in Baumhöhlungen einzunisten, und „präparieren” auf diese Weise, der Natur etwas nachhelfend, bestimmte Bäume.

+A4_8 foto 3.tif

Das sah so aus, dass der Zeidler sich gesunde, kräftige Bäume aussucht, meist Kiefern, und darin die zukünftigen Bienenwohnungen vorbereitet. Geschlagene Baumhöhlung reiben die Imker mit Kräutern aus.

Ein Geheimnis für den Erfolg und den Ertrag der Zeidler war zum einen diese bienengemäße Imkerei in lebenden Bäumen. Dazu kommt, dass die Zeidler im Frühjahr Honig ernten und damit nur den Honig entnehmen, den die Bienen als Vorrat nicht selbst verbraucht haben.

„Und zum ersten Mal seit über 100 Jahren wird die Zeidlerei ausgerechnet auf dem Freudenberg wiederbelebt und das habe ich mir 30 Jahre lang gewünscht”, schwärmt der ‚Schloßimker‘. Er erhofft sich durch diese Beobachtungsstation Auskünfte darüber, was Bienen benötigen. Möglicherweise stören und behindern „tote” Bienenwohnungen aus Holz und Kunststoff die Lebenskräfte der Bienen.

Mit der Eröffnung des „Erfahrungsfeld Sommer” am 21. März wurden die Bienenwohnungen fertig und zur Schwarmzeit Ende April / Anfang Mai kann den Bienen beim Einzug zugesehen werden.

Sigrid Schwarz

Weitere Informationen: ‚Schloß Freudenberg‘, Wiesbaden-Dotzheim. Tel. 0611-4110141.