Jubiläumsfahrt: 150 Jahre Rudolf Steiner 2011

Sonderzug nach Kraljevec wurde zur sozialen Plastik

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Theoretisch ist der Zug in etwa drei Minuten zu Fuß zu durchqueren - praktisch braucht man 20 Minuten, denn ähnlich wie auf dem Dornacher Hügel birgt jeder Passant ein mögliches Gespräch. Mit diesem Zitat beschreibt ein Passagier des Rudolf Steiner Expresses die Stimmung auf der Fahrt von Köln nach Donje Kraljevec und zurück. 199 Passagiere hatten die Möglichkeit genutzt, mit dem vom Projektbüro „150 Jahre Steiner 2011“ konzipierten Sonderzug eine Geburtstagsfahrt zum Jubiläum den Spuren Rudolf Steiners zu folgen.

Hinter dem Projektbüro verbirgt sich das rührige Jubiläumsduo Vera Koppehel und Stephan Siber, sie entwickelten die Idee und brachten zusammen mit dem früheren Bahnmanager Prof. Karl-Dieter Bodack den RS150 getauften Express auf die Schiene. Die Idee lag nah, war doch Rudolf Steiner in einer Bahnstation geboren, hatte viele Stunden seines Lebens in Zügen und Wartesälen verbracht und las unterwegs in wackligen Waggons seine Bücher und traf auch die Vorbereitungen für seine Vorträge meistens im Zug.

Mit einer Performance mit dem Titel „Das Mysterium findet am Hauptbahnhof statt” hatten Studenten der Alanus Hochschule Alfter den Auftakt zur Fahrt des Zuges in Köln am 24. Februar gestaltet und ihn auf den Namen Rudolf Steiner Express RS 150 getauft. Dabei kam es auch zu einer aufsehenerregenden Eurythmiedarbietung vor dem Kölner Dom. Wer sie verpasst hat, kann sie noch im Internet bewundern. Auch andere Eindrücke von der Reise sind im Web zu finden, zum Beispiel die 150 Zwerge, die aus 70 Kilo Ton im Zug plastiziert wurden oder auch das Lied, das die Interkulturelle Waldorfschule Mannheim am Bahnsteig zum besten gab.

Auf vielerlei Weise traten die Passagiere in Verbindung mit den Impulsen, die Steiner in die Welt brachte. Ein Reisepass berechtigte zur Mitfahrt und zu den Besuchen aller Veranstaltungen. Die Passseiten Steiners auf der 2. und 3. Seite gedruckt, wirkten als bildhafte Verbindung. Der Inhaber des Reisepass war aufgefordert, „diesen immer bei sich zu tragen und durch neue Schriftzeichen und Zeichnungen beständig zu personalisieren”. Gestempelt wurde er während der Fahrt von Vera Koppehel persönlich.

An mehreren Bahnstationen wurden die Reisenden mit Aufführungen begrüßt. Durchsagen forderten zum Aussteigen für das dargebotene Programm auf, so zum Beispiel organisiert von der Freien Hochschule Mannheim auf dem Bahnsteig. Vorträge und Lesungen begleiteten den Zug. Ob Textausschnitte von Steiner über das Zugthema in seiner Zeit, oder ein Vortrag von Prof. Karl-Dieter Bodack über die Entstehung des Interregio, auch des Clubwaggons, in dem die Reisenden gerne saßen. Bodack war jahrelang in der Planungsgruppe beim Vorstand der Deutschen Bundesbahn AG und Corporate Design tätig. Er entwarf nicht nur Konzeption und Design des Interregio, sondern führte in Teilen der Deutschen Bahn Elemente der Dreigliederung ein. Der Clubwagen des RS150 mit Echtholztischen, drehbaren Swingern, den Clubstühlen, anheimelnden Textilvorhängen, einem Klavier und einer hellen Facetten-Decke trug dazu bei, dass sich die Passagiere während der kleinen Veranstaltungen und bei den Gesprächen durchweg wohlfühlten.

Oft waren in den privaten Gesprächen Überraschungen dabei: Da hatten zwei Menschen vor zig Jahren die gleiche Schule besucht – in diesem Fall die Freie Waldorfschule Uhlandshöhe - und hatten einander viel zu erzählen. Ein anderer erlebte intensives Zusammenwirken mit jemanden, den der Zuhörer gut kennt, so wird hier eine biographische Parallele entdeckt und dort im Zug ein neues Projekt entworfen.

Von Waggon 1 aus war es, von dem die Webgeneration regelmäßig Beiträge zum Zuggeschehen im Netz postete. Hunderte von Bildern wurden digital gespeichert, da auch ausreichende Foto Shooter mit von der Partie waren. Die inneren Bilder, die durch die Begegnungen der Menschen erlebbar wurden, bildeten die eigentliche „Soziale Plastik”, die zum Kennzeichen des Zuges wurde. Wärme entstand und Offenheit zwischen den Menschen. Biographische Erzählungen, Austausch, Lieder und Lachen wurden lebendig auf der langen Reise und sie war lang, 12 Stunden allein der Rückweg von Wien nach Köln, dementsprechend sammelten sich viele Eindrücke.

Als das Einprägsamste wurde wiederholt der Besuch in Kraljevec geschildert, dem Geburtsort Rudolf Steiners. Die Blaskapelle, der herzliche Empfang der Gemeinde, die ebenso erfreut war über so viele Angereiste von fern und nah in diesem doch so kleinen Dorf war bei Eiseskälte ein bedeutungsvoller Akt. Hier gab es auch ein Geburtstagslied und eine Torte zum Festakt.

Ein interessantes geschmackliches Erlebnis bot die Kaffeejause im österreichischen Neudörfl, wo Wasser aus der Heilquelle Sauerbrunn angeboten wurde - Steinerkennern aus dem Quellwunder-Märchen bekannt und auch aus den Spaziergängen des Knaben Rudolf zur Quelle, wo er das Wasser für das Abendbrot der Familie schöpfte.

Ein weiterer Höhepunkt der Reise war für die Passagiere auch der Aufenthalt in Wien, wo die Reisenden an der Geburtstagsmatinée in der Nationalbibliothek im Gebäude der Hofburg teilnahmen. Bei der Ausfahrt aus Wien wurde der Zug von singenden Waldorfschülern verabschiedet und trat die Heimreise nach Deutschland an.

Auf der Rückreise stellten Kunstaktionen oder Stiftungen ihre Projekte vor. Die ´Projekt-Zeitung‘ wurde angeboten zum Kennenlernen. Das Vernissage-Themenheft „150 Jahre Rudolf Steiner 2011“, das sich mit Berichten zu Steiners Wohn- und Wirkstätten widmet und vielfältige Veranstaltungen im Jubiläumsjahr ankündigt, war zu erwerben, konnte auch im Abteil von außen nach innen dringen, wie es im Vortrag von Prof. Walter Kugler angesprochen worden war.

Auch die kulinarische Ausstattung des Zuges RS150 mit dem vorbildlichen Catering „Tegut…Bankett“, dem Eventcaterer mit Bio- und Naturland-Zertifikation setzte nachhaltige Maßstäbe, serviert von jungen, engagierten, stets gut gelaunten Kellnern und Kellnerinnen im Speisewagen, der Minibar und im Clubwagen.

So wurde die ungewöhnliche Zugreise sicherlich impulsgebend auch für weiteres bei den Passagieren. Denn eines wurde schnell deutlich: Im Rudolf Steiner Express RS150 hatten sich keine Kulturkonsumenten versammelt, sondern Menschen, die mit den Impulsen Steiners leben und einiges davon in ihrem Leben umsetzen.

Quelle:

NNA-News,

Edith Willer-Kurt

Foto

copyright: Dietmar Zehetner

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O-Töne und Bilder von der Jubiläumsfahrt im Rudolf Steiner Express

Auf der Internetseite zum Jubiläumsjahr von Rudolf Steiner „www.rudolf-steiner-2011.com“ können alle, die im Rudolf Steiner Express zum Geburtstag im Februar von Köln nach Kraljevec nicht mitfahren konnten, sich nachträglich mit der Atmosphäre im Zug und an den Bahnhöfen mit Zwischenstopp informieren. O-Töne der Passagiere, z.B. welche Frage sie Rudolf Steiner stellen würden, wenn er sich neben sie setzen würde, gehören genauso dazu, wie Beschreibungen einzelner Aktionen während der Fahrt, z.B. das Modellieren von 150 verschiedenen Zwergen aus Ton, sowie Eurythmie- und Gesangsaufführungen an den Halte- und Zielbahnhöfen. Es lohnt sich, einen Blick hineinzuwerfen...!

red./Michaela Frölich