Waldorfpädagogik - Kölner Tagesmütter erhalten Zertifikat

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Zum vierten Mal hat das Seminar für Waldorfpädagogik im Freien Bildungswerk Rheinland einen waldorfpädagogischen Tagespflegekurs in Köln angeboten. Der Andrang war so groß, dass zwei Kurse eingerichtet werden mussten.

Im Februar 2011 war es dann soweit: 26 Tagesmüttern konnte das Zertifikat des Bundesverbandes für Kindertagespflege e.V. überreicht werden. Die Teilnehmerinnen sind nun berechtigt, als ausgebildete Tagesmutter bzw., als „Kindertagespflegeperson”, bei den örtlichen Jugendämtern oder deren Beauftragten eine Pflegeerlaubnis zu beantragen.

Die Kurse orientieren sich am Curriculum des Deutschen Jugendinstituts und den Anforderungen des Bundesverbandes für Kindertagespflege in Berlin und sind mit dem Kölner Jugendamt abgestimmt.

Bildung von Anfang an

Ausgehend von Impulsreferaten, beispielsweise zur Gesundheitslehre, zur eigenen Biographie und zum anthroposophischen Menschenbild, entwickelten sich lebhafte und vertiefende Gespräche.

In beiden Kursen wurde sehr ausführlich über die Entwicklung der Kinder und die sich daraus ergebenden Bedürfnisse gesprochen. Da die Tagespflegepersonen, die hauptsächlich Kinder zwischen 0 und 3 Jahren betreuen, ausdrücklich den in Politik und Gesellschaft heftig diskutierten Auftrag erhalten, die Kinder von Anfang an zu ‚bilden‘, sind diese Fragen von besonderer Wichtigkeit.

Die TeilnehmerInnen beschrieben in ihren Rückmeldungen das angebotene Konzept auf waldorfpädagogischer Grundlage, als gut verständlich, alltagstauglich und sehr anregend.

Verunsicherte Eltern

Besonders diejenigen, die bereits in der Kleinstkinderbetreuung tätig sind, brachten ganz deutlich zum Ausdruck, wie verunsichert, aber auch stark leistungsorientiert die Eltern der Kinder häufig sind. So waren sich die TeilnehmerInnen einig, dass ein behutsamer Umgang mit dem kleinen Kind und die Stärkung der Bindung zwischen Betreuer und Kind wesentliche Voraussetzungen für eine gute Begleitung ist. Angeregt durch Filme und Texte der ungarischen Ärztin und Pädagogin Emmi Pikler („Lasst mir Zeit”) und des schweizerischen Kinderarztes Remo Largo (Babyjahre), wurde allen die Notwendigkeit bewusst, dem Kind seine „eigene Zeit” zu lassen und es mit einem wert-schätzenden und nicht be-wertenden Blick anzuschauen.

Spiel ist Bildung

Das freie Spiel der kleinen Kinder wurde als „über-lebenswichtig” für ihre Zukunft erkannt. Das Miterleben alltäglicher Arbeiten der Erwachsenen, Bewegung, soziales Lernen, Natur, Singen, Umgang mit Sprüchen, Fingerspielen usw., eingebettet in einen beständigen Rhythmus, ist ‚Bildung‘ in den ersten Jahren. Dies den Eltern zu vermitteln, sehen alle als eine ihrer wesentlichen Aufgaben an, damit den Kleinsten unserer Gesellschaft die Kindheit erhalten bleibt.

Gemeinsamer Entwurf

Die Zusammenarbeit mit dem Kölner Jugendamt gestaltet sich sehr positiv. Im Auftrag des Jugendamtes erarbeiten wir zurzeit gemeinsam mit allen Trägern, die in Köln Tagespflegepersonen ausbilden, einen Entwurf über „Bildung, Beobachtung und Dokumentation”, der den Tagespflegepersonen zur Unterstützung an die Hand gegeben werden soll.

Sprache als Schlüsselfunktion zu Bildung und Integration

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Inzwischen hat wieder ein neuer Kurs begonnen. Wie schon in den vergangenen Jahren, sind auch diesmal etliche TeilnehmerInnen darunter, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Das gibt dem Kurs einen ganz besonderen Reiz und bereichert ihn sehr. Es ist aber auch deutlich geworden, dass damit eine weitere Zukunftsaufgabe verbunden ist, die jetzt ergriffen werden muss. Sprache ist die Schlüsselfunktion, um an Bildung teilnehmen zu können. Wir gehen davon aus, dass die Motivation und die Erfolgsaussichten Sprache in direktem Zusammenhang mit der Qualifizierung zu vertiefen, sehr viel größer ist, als irgendwo, pflichtgemäß einen Sprachkurs zu absolvieren. Darum planen wir einen Deutschkurs für interessierte Tageseltern, dessen Curriculum ausdrücklich an den Themen des Qualifizierungskurses ausgerichtet ist. Eine erste kleine Fortbildung wird im Mai 2011 stattfinden.

Wie es weitergeht, hängt vor allem davon ab, ob sich eine Finanzierungsmöglichkeit findet.

Anne Marisch

Seminar für Waldorfpädagogik Köln