50 Jahre Demeter Baden-Württemberg

Biodynamische Lebensfreude pur

- Seit 17 Jahren Sortenversuche im Kreis SchwäbischHall

- Ökobauern forschen für gutes Brot

Sommerhitze schon im April, Kälte zwischen Mai und Juni, stets zu wenig Regen: Die ersten Auswirkungen des Klimawandelssetzen nicht nur den Menschen zu. Seit 17 Jahren suchenBiobauern im Kreis Hall nach Sorten, die damit besser klarkommen und zudem optimal an den Öko-Landbau angepasstsind. Sie sollten gute Erträge und hervorragende Qualitätenliefern.Mehr als 100 Öko-Bauern aus den Kreisen Schwäbisch Hall,Hohenlohe, Ansbach, Main-Tauber, Ostalb und Rems-Murrkamen kürzlich auf die Felder des Demeter-Betriebes vonJohanna Faure in Crailsheim-Beuerlbach. Dort führte ReinerSchmidt vom Beratungsdienst Ökologischer LandbauSchwäbisch Hall dieses Jahr seine Sortenversuche durch.Interessiert begutachteten die Bauern den Wuchs derGetreidearten, die Größe der Ähren, schauten, ob sich Beikrautzwischen den Körnerleguminosen (Erbsen, Ackerbohnen,Lupinen und Soja) breit macht. Dass so viele Bauern anwesendwaren, hängt auch mit dem direkten Nutzen zusammen, den dieBauern von den Sortenversuchen haben. Auf den Feldern sehensie direkt, wie sich die einzelnen Sorten auf hiesigen Böden undKlima entwickeln. „Das sagt den Praktikern mehr, als eineschriftliche Auswertung“, ist sich Reiner Schmidt sicher.Der Anlass überhaupt Sortenversuche durchzuführen, war die1992 beschlossene EU-Bioverordnung. Sie legte fest, dassBiobauern auch Biosaatgut verwenden müssen. „Wir imÖkolandbau brauchen andere Sorten, speziell beim Getreide“, istReiner Schmidt überzeugt. Im konventionellen Landbau würdenkurzwüchsige Getreidesorten verwendet oder sie mit Hilfe vonSpritzmitteln im Wuchs gehemmt. Im Bioanbau würdenhöherwüchsige Sorten bevorzugt. So habe das Wildkrautweniger Chancen groß zu werden. Außerdem würde daraufgeachtet, dass das letzte Blatt am Halm einen großen Abstandzur Ähre hat. Denn auf den Blättern siedelten sich oft Pilze an.Es gibt auch erste Empfehlungen, welche Sorten sich angesichtsdes Klimawandels besser eignen. „Sie müssen zum Beispiel mitTrockenheit umgehen können“, so der Demeter-Berater. Bei denVersuchen in den vergangenen Jahren habe sich auch gezeigt,dass Weizen mit Grannen - das sind die „Haare“ an den Ähren diese Eigenschaft aufweise. “Allerdings ist der Ertrag etwasgeringer”, so die Erfahrung des anwesenden Demeter-ZüchtersBerthold Heyden vom Keyserlink-Kinstitut in Salem. Weitere zweibiodynamische Getreidezüchter, Hartmut Spieß (Frankfurt) undPeter Kunz (Schweiz), waren ebenfalls nach Beuerlbachgekommen, um ihre Öko-Sorten vorzustellen. DieZüchtungsarbeit findet ausschließlich auf anerkanntenÖkoflächen statt. Gentechnik setzen die Öko-Züchter in ihrerArbeit ganz bewusst nicht ein. Besonderen Applaus bekamenWolfgang Kampman und sein 15-jähriger Sohn Michael für dieVorstellung ihrer zwei selbst gezüchteten Weizensorten. Diebeiden haben vor zehn Jahren auf ihrem Demeter-Betrieb inCrailsheim-Tiefenbach begonnen, Sorten zu kreuzen.Vor 17 Jahren startete der Öko-Getreidesortenversuch mitsieben Sorten. In der Zwischenzeit sind es allein 31Weizensorten, 8 Dinkel- und 11 Roggensorten. Hinzu kommendie Urgetreide Emmer und Einkorn sowie mehrereKörnerleguminosen wie Sojabohnen, Lupinen, Erbsen undAckerbohnen. In Hohenlohe wird das konventionell angebauteGetreide überwiegend ans Vieh verfüttert. Dagegen werden Bio-Weizen und Bio-Dinkel hauptsächlich zu Bio-Backwarenverarbeitet. Auch im Kreis Schwäbisch Hall verwenden eineganze Reihe handwerklich arbeitender Bäckereien das in der Region angebaute Bio-Getreide. Deshalb werden speziell die Backqualitäten der Sorten untersucht. Je höher der Anteil von Klebereiweiß, desto lockerer wird das Gebäck.
Seit vier Jahren führt Reiner Schmidt Sortenversuche mit Körnerleguminosen durch. Diese sehr eiweißhaltigen Pflanzen werden für die Tierernährung benötigt. “Während konventionell wirtschaftende Bauern Import-Soja als Kraftfutter verwenden, wollen Biobauern das Viehfutter selbst herstellen, um damit einen regionalen Kreislauf zu fördern.” Auch politische Einstellungen spielten eine Rolle. “Die Ablehnung von gentechnisch verändertem Soja oder von der Abholzung des tropischen Regenwalds zu Gunsten von Sojaplantagen”, so Reiner Schmidt. Noch sei das Anbaurisiko der anspruchsvollen Sojapflanze in der Region noch zu hoch, als dass er den Anbau zur Zeit empfehlen könne. “2007 war das Frühjahr zu trocken und die Sojabohnen gingen nur lückig auf. 2008 war das Frühjahr nasskalt und es gab Probleme mit Unkraut. Letztes Jahr fraßen Rehe und Hasen die jungen Pflanzen ab. Dieses Jahr stehen die Pflanzen bis jetzt ganz gut auf dem Feld.” Doch der Demeter-Berater ist zuversichtlich, dass der Anbau auch hier klappen kann, denn im Raum Heilbronn werde Soja bereits erfolgreich angebaut.