Mit den Hoftieren auf Du

Der Demeter-Frauenhof KORE

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Zwei Neuntklässlerinnen hatten die Aufgabe, sich für ein dreiwöchiges Landwirtschaftspraktikum der Rudolf Steiner Schule Witten einen Platz auf einem Bauernhof konventioneller, biologisch-dynamischer oder auch einem allgemeinen Biohof zu suchen. Angelika Börger vom Frauenhof Kore in Varrel, südlich von Bremen, meldete sich aufgrund der Anfrage telefonisch zurück und zeigte sich dem Anliegen gegenüber offen, obwohl sie noch keine Erfahrung mit Schülerpraktika gemacht hatte. Nach einem Gespräch war sie bereit, sich auf dieses Experiment einzulassen. So lernten auch die Eltern sie kennen, ihre Tiere, ihren Hof in einem kleinen, typisch norddeutschen Dorf, das Umfeld in ruhiger, beschaulicher, weitläufig-ebener, dennoch baumbewachsener Region. Das Praktikum, die entstandene Freundschaft und die Besuche bei Hoftagen und anderen Veranstaltungen öffneten auf wundersame Weise eine Tür zu einer Welt zwischen Mensch und Tier: ein Stück heile Welt.

“Haben heute Tanita vorgesungen. Sie hat sich zum Dank an uns gekuschelt ...” steht im Praktikumsbericht der Jugendlichen. Jene besungene Tanita ist eine große, stabil gebaute Sau, Urgroßmutter im Schweinestall. Angelika hat vier große Sauen. Tanita betätigt sich gerne als Amme für die vielen quirligen Ferkel der befreundeten Sau Luisa. Es ist unglaublich: aber die Schweine sind allesamt friedlich; sie kommen auf Zuruf herbei und dulden problemlos schwächere Artgenossen in ihrer Nähe. Sie lassen sich streicheln, selbst wenn sie gerade ihre Ferkel säugen. Im Kuhstall beeindruckte bei einer Adventsfeier, wie die Kühe und Kälber die Atmosphäre wahrnahmen, ganz ruhig und “aufmerksam” wurden. Eine denkwürdige Stimmung in einem weihnachtlich geschmückten Stall.

Wie entsteht ein solch harmonisches Leben zwischen Mensch und Tier und den Tieren untereinander? Angelika Börger lädt ein, bei ihr in die Schule zu gehen. “Wir müssen nur unseren eigenen Wahrnehmungen trauen” oder “Da muss ich noch mal richtig mit denen sprechen”, sagt sie, wenn sie Fragen hat, z. B. wenn eine Kuh den Hof verlässt, denn ein jedes Tier hat ja eine bestimmte Bedeutung innerhalb der Gemeinschaft. Angelika erreicht ihre Tiere, das kann man hautnah miterleben. Sie freut sich über jeden Besuch. Deshalb gibt es auch Hoftage über das Jahr verteilt. Doch gerne hätte sie mehr Besucher. Ihr Leben und ihre Kraft ist, praktisch ohne Freizeit, ihrer Mission gewidmet. Sie betreibt den Hof im Wesentlichen als Einfraubetrieb. Soll dieser Impuls mit seinen Früchten, die aus der wunderbar achtsamen Arbeit mit Feld und Nutztier gereift sind, weiterbestehen, braucht sie einen menschlich stärkenden, größere Umkreis, einen Förderkreis, der auch helfen kann, die derzeitige finanziell Notlage zu überwinden.

Harald J. Kiczka

Weitere Informationen: Demeter Frauenhof Kore, Angelika Börger - Oberdamm 19, 27259 Varrel.

Foto:

Angelika Börger mit Joringe