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An der Goetheschule Freie Waldorfschule Pforzheim fanden vom 29. September bis zum 1. Oktober 2010 Projekttage statt, die sich mit dem Thema der Nachhaltigkeit auseinandersetzten.

Erdölkatastrophe - inwiefern hat sie mit unserem Alltag zu tun?

Handeln wir schon im Sinne der Nachhaltigkeit, wenn wir Biosprit tanken?

Wie weit sind Medien bereits ein Teil unseres Lebens geworden?

Hat Muße überhaupt noch Platz in unserem Dasein?

Im Rahmen des UNESCO-Aktionsprogramms „Bildung für nachhaltige Entwicklung” (BNE) befassten sich an diesen Tagen eine Fülle von Vorträgen und Workshops an der Goe-theschule mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit in den unterschiedlichsten Bereichen des Lebens. Kenntnisse über globale Zusammenhänge und wechselseitige Abhängigkeiten der Menschen verschiedener Erdteile sind die Voraussetzung, um Handlungsansätze für die Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft zu entwickeln. Zu vermitteln, wie jeder Einzelne dazu beitragen kann, waren Ziele dieser Projekttage.

„Im Jahr 2008 hatten wir für Projekttage bereits das Thema „Wasser und Klimaerwär-mung”. Da es sowohl bei den Lehrern als auch bei den Schülern sehr gut ankam, hatten wir für dieses Jahr das Thema „Nachhaltigkeit mit Rhythmus” gewählt und es um einige Angebote erweitert”, so Andreas Krakow, einer der Geschäftsführer der Goetheschule Freie Waldorfschule Pforzheim.

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Aufforsten im Eyachtal

“Schüler konnten im begleitenden Rahmenprogramm auch das Thema “Aufforsten im Eyachtal” wählen. Zusammen mit den “Profis vor Ort”, den Mitarbeitern des Forstamtes Eyachtal, konnten die Schüler sich selbst tatkräftig zum Thema “Nachhaltigkeit” betätigen”

Von der Nachhaltigkeit in der textilen Produktionskette, neuen Anregungen zur Energiegewinnung im Blick auf Wasser und Wirbel, Nachhaltigkeit als gesellschaftliche Zielsetzung bis hin zu Themen wie  „Flutkatastrophe in Pakistan” „Macht Sinn Gewinn? – Macht Gewinn Sinn?” und „Gut leben statt viel zu haben – wie Nach-haltigkeit und Lebenszufrie-denheit zusammenhängen” referierten neben dem Lehrerkollegium der Schule externe Fachreferenten namhafter Wirt-schaftsunternehmen, Banken und Forschungsinstitute.

Ein vielfältiges Rahmenpro-gramm begleitete zudem die Projekttage, darunter Aufforsten im Eyachtal, Chor, Sportturnier, Wanderungen mit „Waldputzete” und Filmvorführungen. Die Schülerinnen und Schüler konnten so aus einem umfangreichen Angebot von 40 Fachvorträgen und Workshops und dem Rahmenprogramm nach Interesse und Neigung wählen.

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Schülerinnen beim Workshop für Nachhaltigkeit in der textilen Produktionskette

“Groß war der Zulauf und das Interesse der Schülerinnen und Schüler bei diesem Workshop. Fragen wie: “Wo kommt meine Jeans her, unter welchen Bedingungen wird sie produziert, was bekommen die Näherinnen für Löhne und wie sind ihre Arbeitsbedingungen?” wurden gestellt und es zeigte sich auch Erschütterung, als die Schülerinnen und Schüler erfuhren, wie größtenteils die Bedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Frabriken der so genannter “Freizonen” aussehen

Dieses Wahlsystem wurde unter den Schülerinnen und Schülern sehr gut angenommen. „Ich fand es wirklich gut dass man so einfach an so viele Themen herankam und auch gleich mit Spezialisten darüber reden konnte und fragen konnte was man wollte.” meinte dazu Paula Harbig von der SMV.

Im Vortrag „Biosprit-Boom und seine Folgen” mit einem aktuellen Bericht zur Lage aus Borneo von Referent Roberto Gutierrez (Regenwald e. V.) ging es zum Beispiel um die Bedeutung der Regenwälder für Klima, Artenvielfalt und den Menschen, das Ausmaß und die Hintergründe der Regenwaldvernichtung. Dabei wurde ins-besondere am Beispiel der Pal-mölproblematik in Südostasien aufgezeigt, wie der Boom der Agrokraftstoffe als neue Gefahr für die Regenwälder hinzugekommen ist.

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Bildmotiv aus der Ausstellung -Mensch und Erde

“Mit Freude haben sich die Schüler der Klassen 4-8 mit diesem Thema beschäftigt”, so Christa Schlunk, Kunstlehrerin an der Goetheschule Freie Waldorfschule Pforzheim, die Organisatorin der begleitenden Ausstellung der Projekttage war.”

Der kreative Ansatz kam an den Projekttagen ebenfalls nicht zu kurz: „Gestalten von Kunstobjekten aus Sperrmüll”, „Vom Abbild der Natur zur freien Bildgestaltung” oder das Thema „Mensch und Erde in der Kunst” waren nur einige der Kursangebote und Themen begleitender Ausstellungen der Kunst- und Werklehrer der Schule.

Als Auftakt fanden am Mittwoch, den 29. September verschiedene Benefizveranstal-tungen statt, wie zum Beispiel der „Lauf für Afrika” der Oberstufenschüler. Von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr sammelten die Schüler je gelaufe-nen Kilometer Stempeldrucke, die in Sponsorengelder umgesetzt werden. 50 % der Einnahmen davon werden an UNICEF weitergeleitet.

Sarah Makropoulos, Lehrerin an der Schule, half mit, den Lauf zu organisieren: „Mit einer Teilnehmerzahl von ca. 200 Schülern sind wir 3 Stunden lang für UNICEF gerannt, gelaufen und spaziert. Manche im Sportoutfit, manche lustig kostümiert. Auch Kollegen haben sich angeschlossen. Der Einsatz der Schüler war enorm. Fast alle hatten sich mehrere Sponsoren gesucht und sehr viel Geld „erlaufen”.

Am Mittwochabend fand eine große Benefizveranstaltung mit den Artisten von ZIRKUS GOBULINI statt. Die beliebten Programmpunkte aus den Zir-kusaufführungen im Zelt wie Feuerpois, Aerialring, Diabolos, Jump-Style (Jump-Force Pforz-heim) waren dabei und bildeten den Rahmen für weitere Auftritte von Künstlern, die ihre Gage spendeten. Der Gesamterlös des Benefiz-Abends kam der Bevölkerung in Gunung Kidul in Indonesien zugute. Seit Jahren unterstützt die Indonesien AG der Goetheschule bedürftige Familien vor Ort mit der Bereitstellung von Schulkleidung und Schulmaterialien. Darüber hinaus helfen die Projekte der Indonesien AG mit, die Wasserversorgung in der Trockenzeit und die Aufforstung in dem Karstgebiet Gunung Kidul zu fördern.

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Lauf für Afrika

“200 Schüler beteiligten sich mit großem Engagement und sammelten “Stempel” für ihre gelaufenen Runden. Diese setzten sie dann in Sponsorengelder um und spendeten die Hälfte der Einnahmen an UNICEF für Afrika.”

In der öffentlichen Podiumsdiskussion zum Thema „Permanente Erreichbarkeit – Segen oder Fluch?” mit Uwe Buer-mann (IPSUM Stuttgart) und Dr. Rolf Dorka (Carus-Institut) stellten die Referenten an Don-nerstagabend die Möglichkeiten im bewussten Umgang mit der rasant fortschreitenden Medientechnologie vor und gingen in der Diskussion auf die Fragen zur „Entschleunigung” und zur „Muße im digitalen Zeitalter” ein.

Den Abschluss der Projekttage bildete ein ausführlicher Vortrag von Greenpeace zum Thema „Unsere Gier nach Öl und deren Folgen” hatte die aktuelle Erdölkatastrophe am Golf von Mexiko mit all seinen Auswirkungen für Mensch und Natur zum Thema, ebenso die bal-dige Jahreszahl, an der das “Peak-Oil” erreicht sein wird, also der Zeitpunkt, an dem das Maximum der Ölförderung erreicht sein wird. Und wie wir seit spätestens diesem Vortrag wissen, wird dies sehr, sehr bald sein.

Höchste Zeit also, „umzudenken”.

www.waldorfschule-pforz-heim.de

Text und Fotos: Helga Berghuber