Freie Nachtfahrt zum Killesberg

Zwei Elftklässler der Freien Waldorfschule am Kräherwald sind für zwei Jahre in den Jugendrat Nord gewählt.

Wenn Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster die neu gewählten Jugendräte am 12. April 2010 im Großen Sitzungssaal begrüßt, werden auch Constantin Engelbrecht und Nikolai Hartmaier ihm die Hände schütteln. Mit bis zu 100 Stimmen wurden die beiden Oberstufenschüler der Freien Waldorfschule am Krähewald letzte Woche in den Jugendrat Nord gewählt.

Während Constantin schon Erfahrungen in den letzten beiden Jahren als Jugendrat sammeln konnte, ist für Nikolai die politische Bühne Neuland: „Ich wollte selbst erleben, was es bedeutet politisch aktiv zu sein. Deshalb habe ich mich gefreut, dass es geklappt hat.” Der frisch gebackene Jugendpolitiker möchte vorallem eins sein: aktiv! „Aktiv sein, prägt den Charakter und ist etwas Positives. Wenn man sich Dinge gefallen lässt, kann man seine Ziele gleich vergessen.” Ein konkretes Ziel für die nächsten zwei Jahre hat Amtskollege Constantin schon parat: „Wir führen Verhandlungen mit der VVS, dass ein Nachtbus zum Wohngebiet Killesberg eingesetzt wird. Momentan müssen die Jugendlichen entweder ein Taxi nehmen, oder zu Fuß nach Hause laufen. Das ist morgens um 2.00 Uhr nicht ungefährlich.” Obwohl sich die Vertreter der öffentlichen Verkehrsmittel sich offen für die Vorschläge der Jugendlichen zeigen, weiß Constantin, dass noch Wochen vergehen werden, bis der erste Bus nachts zum Killesberg rollt. Das Vertrösten und Hinhalten der Wünsche von Jugendlichen durch die Erwachsenen will Nicolai in seiner neuen Rolle als Jugendrat nicht mehr akzeptieren:” „Ich finde es unfair, dass unsere Generation als „unpolitisch” bezeichnet wird. Die Jugendlichen haben Interesse an den aktuellen Ereignissen - das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass wir nicht genügend informiert werden, wie politische Abläufe funktionieren. Zum Beispiel: wann ist es sinnvoll eine Demonstration zu organisieren? Nur wenige von uns haben ihre Eltern  politisch engagiert erlebt.  Wie können die Erwachsenen jetzt erwarten, dass wir Jugendlichen politisch aktiv sind?”