Peru: Eine Gemeindebäckerei für den Slum

Von der Gemeindeköchin zur Kleinunternehmerin

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Voller Hoffnungssuchender - die Slums von Peru.

Die Gemeindeküche Hiroshima im Slumgebiet von Lima wird zum Ausgangspunkt für eine neue ökonomische Initiative, von der 375 Menschen direkt profitieren.

Vor 20 Jahren wurde das Wüstengebiet im Norden Limas besetzt. Seit etwa fünf Jahren gibt es Elektrizität. Bis heute wird das Wasser im Tankwagen geliefert und muss teuer bezahlt werden. Ein Abwassersystem gibt es nicht. Durch Altgold- und Modeschmucksammlungen von Dorothea Offermanns konnte im letzten Jahr eine Gemeindeküche fertig gestellt werden. Von der peruanischen Regierung gibt es Grundnahrungsmittel wie Reis, Öl und Fisch in Dosen. Für einen Sol pro Portion essen hier täglich 130 Familien zu Mittag. Dieser Sol wird dazu eingesetzt, dass die Frauen, die ehrenamtlich kochen, die Grundnahrungsmittel der Regierung durch Obst und Gemüse ergänzen können. Das garantiert den Familien mindestens eine warme Mahlzeit am Tag und die Zahl der unterernährten Kinder sinkt.

Der nächste Schritt: eine Bäckerei …

Jetzt, wo ihre fertig ausgestattete Gemeindeküche gut funktioniert, möchten die Frauen den nächsten Schritt wagen. Sie wollen Brot, Kuchen, Kekse und Teigtaschen backen und in acht für den Straßenverkauf günstig aufgestellten Kiosken verkaufen. „Alma Capac”, die Partnerorganisation der Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe führte eine Rentabilitätsstudie durch und beauftragte einen Architekten mit den Bauzeichnungen und dem Einholen der Baugenehmigung.

Direkt hinter ihrer Gemeindeküche ist noch ein 120 m˝ großes Grundstück frei, das ihnen die Kommune zur Verfügung stellt. Dort soll die Backstube entstehen. Für die Ausstattung sind ein Backofen, Ablageflächen, Regale, Tische, Bleche und Rührgeräte notwendig.

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… und die Ausbildung zur Bäckerin

Das Konzept steht: 75 Frauen werden zur Bäckerin und Verkäuferin geschult. 35 von ihnen sollen die Gemeindebäckerei später betreiben. Sie lernen neben dem Backen auch Einkauf, Buchhaltung und Vertrieb. Zwölf Frauen sollen sich im 15-täglichen Rhythmus beim Backen abwechseln. Je drei werden in der Morgenschicht von 6 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr backen. Vier Frauen werden den Putzdienst übernehmen. Die Frauen möchten die Backstube sieben Tage in der Woche betreiben. An den acht Kiosken werden jeweils zwei Frauen eingesetzt. Eine Frau übernimmt die Gesamtbuchhaltung. Pro Jahr sollen mindestens zehn weitere junge Menschen im Bäckerhandwerk ausgebildet werden.

Aus den Erlösen erhalten die Frauen ein kleines Einkommen, ein Teil wird reinvestiert und die übrigen Gewinne sollen in die Gemeindeküche fließen, um die Versorgung der Kinder mit Gemüse und Obst weiter zu verbessern.

Ricardo Herrera, Leiter von Alma Capac, schwebt vor, alle 17 Gemeindeküchen, die unter seiner Begleitung inzwischen entstanden sind, mit zusätzlichen kleinen Gewerbebetrieben auszustatten. Er lacht und erklärt: „Wir können dann nicht nur einen Wettbewerb um die beste Gemeindeküche, sondern auch unter den besten Unternehmerinnen ausloben.”

Für die Bäckerei, die Ausstattung und Schulungen sind 45.000 Euro notwendig. 375 Menschen profitieren direkt von der Gemeindebäckerei. Pro Person bedeutet dies eine Investition von 120 Euro.

Dr. Annette Massmann

Spendenkonto: Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe bei der GLS Bank Bochum, BLZ 430 609 67, Konto-Nr. 123 300 10. Spendenzweck: Peru – Gemeindebäckerei im Slum