Viel zu viel Medikamente für Demenzkranke

Pflegebedürfte ältere Menschen mit Demenz bekommen von ihren Hausärzten viel zu viele Medikamente verschrieben. Viele von ihnen müssen deswegen ins Krankenhaus eingewiesen werden und es steigt das Risiko, an den Nebenwirkungen zu sterben. Dies ist das Ergebnis einer Studie mit Bewohnern von Pflegeheimen, die auf dem 5. Tag der Forschung in der Hausarztpraxis an der Uni Witten/Herdecke am 14. April vorgestellt wurde.

In der gerade abgeschlossenen Studie in Wittener und Dortmunder Pflegeheimen hat sich gezeigt, dass alle 160 Bewohner im Durchschnitt sechs Medikamente nehmen, ein Zehntel sogar mehr als zehn. Mehr als fünf Medikamente sollte kein älterer Mensch nehmen, so die gültige Lehrmeinung.

Die Studie zeigt auch, wie verbreitet Psychopharmaka in den Pflegeheimen sind. „Drei Viertel der Bewohner, die wir in unserer Studie erfasst haben, wurden mit Psychopharmaka geradezu ruhig gestellt. Und das ist durchaus repräsentativ für den Umgang mit Demenz-Patienten”, betont Dr. Stefan Wilms, niedergelassener Arzt und Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin und Familienmedizin an der Universität Witten/Herdecke. Ein Zehntel der Bewohner bekamen sogar mehr als drei Psychopharmaka gleichzeitig verabreicht. Besonders fleißig verschreiben laut der Studie Psychiater und Neurologen - sie übertreffen die Hausärzte um das Doppelte bis Vierfache bezogen auf Menge und Dosierung. „Die Mittel wirken im Gehirn gegen die bei Demenzpatienten oft auftretende Aggression und Unruhe. Insofern haben sie in manchen Fällen ihre Berechtigung. Studien haben aber gezeigt, dass diese Patienten auch früher versterben.” Es komme aber darauf an, einen Mittelweg zu finden, wie man die Verschreibungen verringern könne.

Quelle: NNA