Kunst in der Scharounkirche

bis 12.9.

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Noch bis zum 12. September werden bisher unveröffentlichte Zeichnungen zur Johanneskirche und aus dem Gästebuch des Hauses Schminke in Löbau in der Scharounkirche gezeigt. Das „Haus Schminke” von Hans Scharoun ist eines der herausragenden Bauwerke des

20. Jahrhunderts.

Das „Haus Schminke”

Scharoun entwarf ein Haus, das der Form eines Schiffes nachempfunden ist. Licht und räumliche Weite, verbunden mit schnörkelloser Sachlichkeit, waren das Ziel. Es entstand ein Wohnhaus, das in der damaligen Zeit revolutionär war. Hans Scharoun nannte es „das Haus, das mir das liebste war...”. Der Löbauer Nudelfabrikant Fritz Schminke nahm am 10. April 1930 Kontakt zu dem Architekten Hans Scharoun auf. Die Schminkes waren durch Besuche der Werkbund-Ausstellungen von 1927 in Stuttgart und 1929 in Breslau auf Scharoun aufmerksam geworden. Fritz Schminke beauftragte Scharoun mit dem Bau des Wohnhauses direkt neben dem Fabrikgelände. Am 31. Mai 1933 bezog die Familie Schminke das Haus in der Kirschallee in Löbau und bewohnte es bis 1945. Hans Scharoun wurde zum Freund der Familie und besuchte diese mehrfach.

Er spielte mit den Kindern und zeichnete kleine Geschichten in das Gästebuch der Familie. So entstanden sehr persönliche Andenken, die eine Seite Hans Scharouns zeigen, die so nur selten in Erscheinung trat. Zugleich sind die Zeichnungen und Gedichte auch Zeitdokumente - etwa die Verballhornung des „Horst Wessel Liedes” oder der Hinweis auf die „Entartung der Kunst” auf dem letzten Blatt von 1937.

1939 musste Fritz Schminke in den Krieg ziehen. Wie viele floh die Familie Schminke im Mai 1945 vor der heranrückenden Kriegsfront aus Löbau. Als sie wieder nach Löbau kam, war ihr ihr Haus von der Roten Armeee beschlagnahmt und diente als vorläufige Militärkommandantur für den damaligen Kreis Löbau. Im Juli 946 wurde das Haus an seine Eigentümer zurück gegeben, gleichzeitig wurden diese aber von ihrer Firma Loeser & Richter enteignet.

Schminkes galten als „Kriegsverbrecher”, weil ihre Nudeln u.a. an die Deutsche Wehrmacht geliefert wurden. Nach der Rückgabe des Hauses 1946 an die Familie eröffnete Charlotte Schminke darin ein Erholungsheim für bombengeschädigte Kinder, das

bis zum Frühjahr 1951 bestand. 1951 verließ Familie Schminke die Stadt Löbau und zog nach Celle. Danach zog die FDJ in das Gebäude ein, später wurde es bis zur Wende als Kreis-Pionierhaus genutzt.

1999 bis 2000 wurde das Haus komplett saniert und anschließend als Kultur- und Freizeitzentrum wiedereröffnet. Seit 2005 unterhält die Stadt das Haus.

Ertrag für Sanierung der Johanneskirche

Die Zeichnungen aus dem Gästebuch wurden freundlicherweise von den Schminke-Töchtern Erika Inderbiethen und Helga Zumpfe zur Verfügung gestellt. Der Ertrag dieser Veröffentlichung soll der Sanierung der einzigen von Hans Scharoun gebauten Kirche - der Johanneskirche in Bochum - zugute kommen.

Tom Tritschel

Bis 12. September, Kunst in der Scharounkirche. Die Ausstellung ist zu sehen zu allen Öffnungszeiten der Kirche, Johanneskirche, Glockengarten 70 in Bochum, zu den Veranstaltungen der Gemeinde sowie montags bis mittwochs von 9.30 bis 13 Uhr. An jedem 1. Sonntag im Monat ist eine Besichtigung mit Führung möglich.

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