Waldorfschulen ziehen Konsequenzen

Reform der Lehrerausbildung

Die Freien Waldorfschulen in Hessen ziehen erste Konsequenzen aus dem Bekanntwerden von Missbrauch und Misshandlung von Schülerin-nen und Schülern: In der Ausbildung der Waldorflehrer soll eine stärkere Sensibilisierung für die spezifischen Risiken pädagogischer Berufe verankert werden. Am 24. März vereinbarten die Landesarbeits-gemeinschaft der Freien Waldorfschulen in Hessen mit Horst Cerny, dem Vorsitzenden des hessischen Landesver-bands des „Weissen Ring“ und Michael Zech vom Waldorflehrerseminar Kassel eine Kooperation mit dem Ziel, dieses Thema in die Waldorflehrer-ausbildung zu implementieren. Noch während dieses Som-mersemesters werden sich die Kasseler Waldorflehrerstu-denten in verschiedenen Veranstaltungen mit der Erkennung von sexuellem Missbrauch bei Schülern und den Möglichkeiten kompetenter Hilfe für Opfer von Mobbing, Misshandlung und Missbrauch auseinandersetzen. Entsprechende Fortbildungsveran-staltungen werden auch für die hessischen Waldorflehrer angeboten. Bisher wurden aus hessischen Waldorfschulen noch keine Fälle von sexuellem Missbrauch bekannt. Selbstverständlich verurteilen wir jede Art körperlicher und psychischer Gewalt, Misshandlung und Missbrauch von Schülern. Bei Bekanntwerden derartiger Fälle werden wir alles tun, um die Vorgänge aufzudecken und den Opfern zu helfen. Der Bund der Freien Waldorfschulen hat eine Kommission berufen, die mit der Prüfung und lückenlosen Aufklärung der Vorwürfe beauftragt ist. Betroffene Schüler, Eltern und Pädagogen können sich jederzeit unter der Telefonnummer 0711-2104212 an Herrn Krauch beim Bund der Freien Waldorfschulen wenden. Die in diesem Zusammenhang diskutierte Problematik von Nähe und Distanz in der Erziehung nehmen wir sehr ernst. Die persönliche Zuwendung der Lehrer zu den Schülern, die wie in der Reformpädagogik ein wesentliches Erziehungselement auch in der Waldorfpädagogik ist, bleibt jedoch im Bildungsprozess un-verzichtbar. Pädagogische Nähe setzt in besonderer Weise die Fähigkeit zu professioneller Distanz voraus, die, bereits während der Ausbildung reflektiert und eingeübt werden muss. Am 11. und 12. Mai werden sich die hessischen Waldorflehrer und die Kasseler Waldorflehrerstudenten mit der Erkennung von sexuellem Missbrauch bei Schülern und den Möglichkeiten kompetenter Hilfe für Opfer auseinandersetzen. Im Herbst ist eine vergleichbare Fortbildung zum Umgang mit Mobbing geplant (am 23. September im Kasseler Seminar und am 20. September in der LAG-Geschäftsstelle Frankfurt).

Norbert Handwerk