…Töchter der Freiheit

Aus dem Bericht zum ersten Abschluss des Masterstudiengangs Bühneneurythmie an der Alanus Hochschule vom 27. - 28.5.2010

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„Es ist gut, das zu sehen. So reich ist die Eurythmie, so unterschiedlich und gekonnt kann sie interpretiert werden! Ich habe sofort den Impuls: aufstehen und üben!” Das war das Resümee einer Eurythmiestudentin. Es ging um ein besonderes Erlebnis: sechs sehr verschiedene Frauen, die meisten mittleren Alters – sprechen über persönlichste Themen, erläutern ihren künstlerischen Weg und lassen das Auditorium teilhaben an ihrer Suche, an ihren Entscheidungen, an ihren Gestaltungsgriffen. „Zu merken, dass der künstlerische Impuls keine Frage des Alters ist und zu sehen, dass so viele Leute den Bühnenmaster gemacht haben und jeder sein eigenes individuelles Profil hatte” war für eine andere Studentin wichtig. Die Vorträge zu den Abschlüssen des weltweit ersten Masterstudienganges Bühneneurythmie brachten intensive Eindrücke, einen Vorgeschmack und Spannung auf die direkt anschließenden Aufführungen.

Die Studentinnen

Die Frauen, die sich in diesen Studiengang wagten, sind entweder als Bühnenkünstlerinnen längst gut eingeführt wie Gia van den Akker (Italien) Bettina Gruppe (Hamburg), Maren Stott (England) und Cristina dal Zio (Italien) oder wie Vera Koppehel durch meditativ-künstlerische Performances bekannt. Zu den Absolventen gesellte sich auch Anna de Millas, eine Anfängerin im Bühnenbereich, deren Performance sich jedoch in keinster Wiese hinter den anderen verstecken musste. Alle künstlerischen Projekte waren höchst individuell, zeigten vielfältige Fragestellungen und Annäherungsweisen von Regiearbeit, über Kombination mit Filmprojekten bis zu ganz klassischem solistischem Programmablauf.

Eine Absolventin fasst zusammen: „Das Studium brachte jede von uns näher an ihre innersten Impulse und jede hat ungeachtet ihrer langen Bühnengeschichte neue Ufer betreten.”

Die Performances

Die Performances waren auf zwei Tage verteilt, es gab ausführliche Pausen, die zum regen Austausch und zum stillen inneren Bearbeiten des Erlebten genutzt wurden. Die Programme berührten und regten an. Das hoch begeisterte und lang applaudierende Publikum im vollbesetzten Saal erlebte sich als wirklichen Teil des Ganzen. Die Unterschiedlichkeit der eurythmischen Gestaltung zeigt sich exemplarisch an den Programmen von Gia van den Akker, die auf der Basis des Märchens Hänsel und Gretel einen modernen biografischen Entwicklungsweg zeigt, bereichert durch zeitgenössische Musik und Dichtung. Der Spannungsbogen wurde immer dichter durch die Wechsel zwischen kindlich feiner Märchenerzählung, die aber eindeutig auf die erwachsenen Zuschauer zielte, sich immer mehr verdichtete und in ungeheurer Spannung durchs Nadelöhr innerer Todesprozesse führte.

Ganz anderes Anna de Millas, die ihre eigene mindestens dreisprachige Biografie mit Matthias Hink (Sprache) und der Cellistin Elisa Siber gekonnt und virtuos in Eurythmie-Choreografien goss. Tempowechsel, Dichte und Direktheit nahmen das Publikum mit auf eine Reise in Sprach- und Erlebniswelten dreier Kulturen, bei der nichts nebensächlich war. Demgegenüber lud Vera Koppehel ihre Zuschauer ein, sich auf eine Reise hinter den Tierkreis zu begeben – verwoben mit eigens komponierten Klangcollagen, substantiell dichten riesigen Metallbildern und von ihr selbst geschaffenen Dichtungen fand sie zu einer eurythmischen Bewegungssprache die geeignet scheint, einen spezifischen Ausdrucksraum für spirituellen, sakralen Tanz zu kreieren, der direkt aus den eurythmischen Mitteln neue und tief verständliche Bewegungsformen findet. Man war erinnert an Albert Einsteins Ausspruch: „”Dancers are the athletes of God.” Melaine MacDonald, die den Studiengang verantwortlich leitet, äußerte sich bewegt und glücklich nach den Aufführungen: „Es war mir eine Ehre so intensiv mit meinen Kolleginnen zu arbeiten. Als nächstes werden wir neu ein Konzept für eine grundlegende Basisarbeit im Eurythmieensemble für Anfängerinnen entwickeln, das 2011 starten soll. Durch die Kooperation mit Angeboten des Studienganges Sozialeurythmie haben die jungen Eurythmisten die Möglichkeit sich Grundlagen für eine sinnvolle Erwerbstätigkeit neben ihrer künstlerischen Arbeit zu schaffen. Aufbauend kann dann der Master Bühneneurythmie angeschlossen werden.” Mit diesen Aktivitäten scheinen für die Eurythmie erste Schritte hin zu einer eigenständigen Bühnenkunst im Schillerschen Sinne geleistet: „Kunst ist eine Tochter der Freiheit!” Man darf gespannt sein auf die weitere Entwicklung.

Franziska Lang