Mut und Solidarität - Eurythmie

Aus dem Bericht zum 2. Symposium Sozialeurythmie vom 8. Mai 2010 an der Alanus Hochschule.

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„Hier sind Menschen, die wirklich etwas wollen und es dann auch tun.” Jost Wagner, Sozialwissenschaftler der Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufentwicklung München, beschrieb die Teilnehmer des zweiten Symposiums für Eurythmie in sozialen Arbeitsfeldern im Mai an der Alanus Hochschule, die er bei den nächsten Schritten zur Professionalisierung ihres Berufes begleiten wird: die Sozialeurythmisten. Es ging bei diesem Treffen, dass wieder durch Andrea Heidekorn organisiert wurde, darum, sich zu vernetzen, das Berufsbild weiter zu konkretisieren und Wege zu einer stärkeren Präsenz in der Öffentlichkeit zu bahnen.

Warum habe ich eigentlich „damals” Eurythmie studiert?

Was waren meine Motive? Und was ist heute daraus geworden? Ein Vergleich, ein Blick auf die Stabilität oder Verwandlungskraft dieser innersten Motive bot den Stoff für sehr persönlichen Austausch in kleinen Arbeitsgruppen. Welche Hindernisse erlebe ich, bei der Verwirklichung meiner Motive und wie gehe ich damit um? Aus dem von Elisabeth Rieger, Berlin, angeregten Bearbeiten dieser Frage entstanden kleine Performanceprojekte in den einzelnen Gruppen. Die am Abend des ersten Symposientages zusammengefügt wurden zu einer Spontanaufführung. Verbunden, begleitet und umrahmt wurden die teils ernst-bewegten, teils heiter-skurrilen Eurythmiechoreografien von kongenial improvisierter Cellomusik, einfühlsam erfunden und gespielt von Sue Schlotte aus Bonn. Das Potential eigener künstlerischer Potenz, die Weite und Begrenzung des Vertrauens in den eigenen und fremden Mut, Verwandlungs- und Kommunikationsbereitschaft wurden in den sozialen wie den künstlerisch sichtbaren Prozessen deutlich erlebbar. Der Abend war für Teilnehmer und Publikum ein intensives Erlebnis, sowohl während der Aufführung, als auch im danach geführten Plenumsgespräch. Eine Teilnehmerin erkannte: „Sozialeurythmisch arbeiten heißt: völlig anders denken! Da ist bei mir der Funke übergesprungen.”

Auf der Grundlage dieser stark verbindenden Erlebnisse wurde der zweite Tag des Symposiums für die Konkretisierung anstehender Arbeitsvorhaben genutzt: In Gruppen verbalisierten die Eurythmisten in kurzer spontaner Form Antworten auf die Fragen: Warum arbeite ich immer noch und mit großem Einsatz in diesem Beruf? Was ist Eurythmie für mich im Moment? Woher nehme ich den Mut immer wieder mit neuen ungewohnten Gruppen und Settings zu arbeiten? Der Austausch war sehr lebendig und tiefgreifend. Anschließend wurden konkrete Netzwerkvorhaben thematisiert, beschlossen und auf den Weg gebracht. Interne Aufgaben wie die Organisation und Durchführung von Werkstatttreffen zur fachlichen, methodischen und persönlichen eurythmischen Arbeit und zur Schaffung einer Infobörse, die sowohl für Eurythmisten, für das Arbeitsamt, für potentielle Arbeitgeber wie auch für Partner, die in den gleichen Arbeitsfeldern mit anderen Künsten oder Angeboten auftreten geeignet sein soll.

Eurythmiekarawane

Am öffentlichkeitswirksamsten könnte die Initiative „Eurythmiekarawane” werden. Anlässlich des hundertjährigen Eurythmiejubiläums 2011 und 2012 ist es geplant, monatlich große und kleine Eurythmieereignisse durch Deutschland und punktuell weltweit laufen zu lassen, an Orten, wo die Eurythmie noch nie war. Mitmachen können professionelle Eurythmisten, Amateure und spontane Teilnehmer. Immer geht es um Begegnung, Gestaltung und Verwandlung durch Eurythmie. Eine Trägergruppe wird das Projekt vorbereiten, begleiten und dokumentieren.

Sehr erfrischt, ermutigt und belebt schieden die Sozialeurythmisten nach zwei Tagen gemeinsamer Arbeit, um wieder als „Einzelkämpfer” tätig zu werden. Alle waren in Vorfreude auf das dritte Symposium im nächsten Jahr, das unter dem Titel „I am” den zentral menschlichen Aspekt eurythmischer Arbeit durch alle Kulturgrenzen hindurch thematisieren wird.

Ein Imagefilm über das gesamte Symposium wurde erstellt und ist auf YouTube unter „Sozialeurythmie” zu finden.

Ephraim Krause