Mellifera e.V.

Vereinigung fur wesensgem§e Bienenhaltung

Bienen gegen die Varroa impfen?

Fur die Imker keine Option!

Whrend die Imkerverbnde noch mitten in einem Rechtsstreit stecken, weil Pollen vom Monsanto Mais (Mon 810) das Naturprodukt Honig zu Sondermull degradiert, verkunden Biotechnologen eine neue Heilsbotschaft – die Impfung der Bienen mit einem gentechnisch vernderten DNA-Impfstoff. Was steckt dahinter? Seit Jahren wird in vielen Labors mit einer neuen Art von Impfstoffen experimentiert. Plasmide, das sind ringf√rmige ãMinichromosomenÒ aus Bakterien, werden gentechnisch mit Gensequenzen aufgerustet, die toxische Produkte oder Antigene codieren. In den USA ist ein erster Impfstoff an Pferden erfolgreich getestet und kommerzialisiert worden. 

Matthias Giese, Grunder des Instituts fur Molekulare Impfstoffe (IMV), das 2010 er√ffnet wird, m√chte diese Technologie zur Bekmpfung der Varroamilbe in Bienenv√lkern verwenden. Erste Versuche haben gezeigt, dass gentechnisch vernderte Plasmide mit einer Gensequenz fur ein fluoreszierendes Protein von den Bienen uber eine Zuckerl√sung aufgenommen werden. Das Genkonstrukt wird offensichtlich in den Bienen ãabgelesenÒ und das fluoreszierende Eiweiss in die Hmolymphe ausgeschieden und auch von aufsitzenden Varroamilben aufgenommen. 

Giese m√chte in den nchsten Jahren auf Grundlage dieser Technologie ein Vakzin- Plasmid entwickeln, mit dem entweder das Immunsystem der Biene stimuliert, oder aber ein Toxin gegen die Milben produziert werden kann, das mit einem Spruhverfahren auf Bienen und Brut appliziert werden soll. Weil Varroa ein weltweites Problem darstellt, hofft der Forscher damit einen ãBlockbusterÒ, also ein gro§es Geschft, landen zu k√nnen. 

In einem Interview zeigt der Impfstoffexperte, dass er nur uber geringe Kenntnisse der Biologie der Honigbiene verfugt. Er hat gezeigt, dass das Plasmid nicht uber den Kot ausgeschieden wird und wahrscheinlich auch nicht in die Honigblase gelangt. Deshalb sei der neue Impfstoff sicher fur die Konsumenten und werde auch nicht in die Umwelt gelangen. Dabei lsst er au§er acht, dass Tausende von behandelten Bienen zum Sterben den Stock verlassen und damit die Weitergabe des Plasmids an Bakterien oder andere Lebewesen erm√glichen – welche Konsequenzen eine solche Freisetzung fur andere wirbellose Tiere haben kann, ist heute nicht abzuschtzen. 

Ob Bienen, die mit einem solchen Impfstoff behandelt werden, als gentechnisch verndert bezeichnet werden mussen, ist offen. Der Vergleich mit Sugetieren sagt daruber nichts aus, da hier die Verhltnisse v√llig anders liegen. Fur die erfolgreiche Produktion einer toxischen Substanz oder eines Immunstimulans muss das Plasmid in die Zellen der Bienen aufgenommen und in den Zellkern transportiert werden, wo es wie alle anderen Bienengene abgelesen wird. Gerade weil das Plasmid dabei nicht in das Genom der Biene eingebaut wird, ist seine †bertragung auf andere Lebewesen, v.a. auf Bodenbakterien, durch horizontalen Gentransfer wahrscheinlich, nicht uber den Kot sondern uber die toten Bienen. Hier liegt der gro§e Unterschied zu Sugetieren, wie die oben erwhnten Pferde, welche weder zu Tausenden noch in der freien Natur sterben und vergehen.  

Ebenfalls offen ist zurzeit, ob Gensequenzen gefunden werden, deren Produkte Milben t√ten oder die Abwehr der Bienen strken k√nnen. Ungewiss ist auch, ob solche Produkte die Vitalitt oder das Verhaltensrepertoire der Honigbiene verndern. Sicher ist nur, dass sich diese Plasmide in nichts von jenen Konstrukten unterscheiden, mit denen heute Kulturpflanzen gentechnisch verndert werden. Wie bei jenen werden auch hier aus verschiedensten Organismen und Viren DNA Sequenzen isoliert und im Labor zusammengefugt. Dass diese kunstlichen Gene in einem neuen Kontext nicht mehr gleich funktionieren wie im ursprunglichen Zusammenhang, zeigen nicht beabsichtigte Effekte bei GV-Pflanzen hinlnglich

Zusammenfassung & Schlussfolgerung:

Ï% Der neue Impfstoff wird anderen Methoden zur Varroabekmpfung nicht uberlegen sein. Ï% Wie bisher mussen die Bienenv√lker wiederholt behandelt werden. Ï% Wie mit den fruher verwendeten Bekmpfungsmitteln der chemischen Industrie ist mit einer raschen Resistenzbildung bei der Varroa Milbe zu rechnen. Ï% Die Plasmide werden durch die Bienen in die Umwelt exportiert, ein horizontaler Gentransfer auf andere Organismen kann nicht ausgeschlossen werden. Ï% Aus diesem Grunde ist die in Aussicht gestellte biotechnologische Methode der Varroabekmpfung aus imkerlicher Sicht abzulehnen. Ï% Strategie und weitere Entwicklung mussen mit Vertretern der Imkerverbnde besprochen werden. Ï% Der Impfstoff muss sowohl auf √kologische als auch auf gesundheitliche Risiken fur Biene und Mensch untersucht werden. Ï% Biotechnologie in der Imkerei ruiniert das positive Image, das Bienen bei den KonsumentInnen geniessen. 

Johannes Wirz 10. April 2010

Quelle: www.bio-pro.de

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