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Volksabstimmung und Arbeitsbegriff

Zwei Veranstaltungen mit Johannes Stüttgen

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„Bittsteller oder Bestimmer? Volksabstimmung – die Bedingung zur wirklichen Demokratie” ist das Vortragsthema am Freitag, 27. August, 20 Uhr, in der Scheune der Amselhofbuchhandlung. Am Samstag, 28. August, 12 Uhr, spricht Johannes Stüttgen im Rudolf Steiner Haus Frankfurt über den „Arbeitsbegriff – Kunstbegriff. Der Zusammenhang von Arbeit und Einkommen auf der Grundlage der Trennung von Arbeit und Einkommen”.

Volksabstimmung

Die Menschen, die nicht zur Wahl gehen, werden allmählich zur stärksten Gruppe - man spricht schon von der „Partei der Nichtwähler”. Sie repräsentieren Protest oder Gleichgültigkeit der Bevölkerung gegenüber der praktizierten Demokratie, zugleich ein wachsendes Misstrauen in die Agierenden der Parteien. Die eigenen Verbesserungswünsche, Rechte und Zukunftsanliegen fühlt man in Regierung und Parteien nicht vertreten: „Die versprechen vor der Wahl alles und machen dann doch, was sie wollen.” Die Ohnmacht gegenüber dieser Pseudo-Demokratie wird mit Verweigerung der Ausübung des Wahlrechts quittiert. Gibt es nur diesen passiven, verneinenden Weg?

Seit 1971 setzt sich Johannes Stüttgen für die Volksabstimmung, das erste und wichtigste Instrument einer „direkten Demokratie” ein. Damals gründete er zusammen mit seinem Lehrer Joseph Beuys eine Organisation, aus der unter anderem der „Omnibus für Direkte Demokratie” hervorgegangen ist, der durch Deutschland fährt, um Aufklärung und Gespräch über die Volksabstimmung anzubieten und auch für sie zu begeistern. Im letzten Jahr wurde mit dem Bus auf Einladung des Goethe-Instituts Athen eine große Reise durch Südosteuropa unternommen.

Auf der anderen Seite legte die Schweizer Abstimmung zu den Minaretten offen, welch schlafender Riese im Volkswillen schlummert. Direkte Demokratie bringt plötzlich andere Ansichten als die „herrschenden” zutage, vermag Diskussionen und Werte umzudrehen, hat in der Direktheit sogar etwas Befreiendes. Bei genauerem HInsehen wird aber klar, dass solche Meinungsäußerungen auch gelenkt und manipuliert werden können und bereits sind. Welchen Wert kann also eine Volksabstimmung in unserer Zivilisation der Medien, Werbung und Politikspiele haben? Drückt sich der Wille des Volkes darin unverfälscht aus?

Johannes Stüttgen wird eindeutig für die Volksabstimmung sprechen, aber in Kenntnis dieses Spannungsfeldes und im Austausch mit den Anwesenden.

Arbeitsbegriff

Durch die Grundeinkommensdebatte ist die „Trennung von Arbeit und Einkommen” (die Rudolf Steiner eingefordert hat) mehr zum Vorschein gekommen und fast zum Schlagwort geworden. Das Grundeinkommen in der Form, wie es zur Zeit diskutiert wird, ist noch weit von dieser Trennung entfernt. Aber es kann durch das „bedingungslose Einkommen” ein Nachdenken anstoßen.

Was würde eine bedingungslose Deckung aller Bedürfnisse des einzelnen in seinem Verhältnis zur Arbeit bewirken können? Welche Arbeitsverhältnisse gäbe es dann? In welchem Kontext müsste man die Arbeit dann sehen? Was ist überhaupt Arbeit und was bedeutet sie in der Menschengemeinschaft? Wie verhält sich die Entlohnung und das Geld dazu?

Der Ansatz von Johannes Stüttgen ist zunächst, den Arbeitsbegriff zu klären, zu erweitern und – gemäß dem Titel - in Beziehung mit dem Begriff der Kunst zu bringen, den er ebenfalls erweitern wird im Sinne der „Sozialen Plastik” (eine Idee von Joseph Beuys). Von da aus wird er auf den dreigliedrigen sozialen Organismus blicken. Auf alles weitere – z.B. welche aktuellen Probleme er einflechten wird - dürfen wir gespannt sein.

Barbara Messmer

Freitag, 27. August, 20 Uhr, Bittsteller oder Bestimmer? Vortrag mit Johannes Stüttgen. Scheune, Amselhofbuchhandlung, Alt-Niederursel 22, 60439 Frankfurt.

Samstag, 28. August. Arbeitsbegriff - Kunstbegriff. 12 Uhr, Vortrag, 14.30-18 Uhr, Seminareinheiten mit Johannes Stüttgen. Rudolf-Steiner-Haus Fraunkfurt, Hügelstr. 67, 60433 Frankfurt. Eine gemeinsame Veranstaltung des Amselhof Kulturvereins und der Anthroposophischen Gesellschaft, Arbeitszentrum Frankfurt.

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copyright: Michael von der Lohe